TheaterForum
Macht, Liebe, Disziplin, Wahnsinn – was treibt den Menschen an? Speziell den Menschen in der Gruppe, in der Familie? Fünf großartige Ensembles aus der ganzen Republik finden darauf Antworten, die von zwerchfell- bis herzzerreißend reichen.
Witzig und leicht – so erzählt das Staatsschauspiel Dresden Heinrich von Kleists märchenhafte Liebesgeschichte Das Käthchen von Heilbronn. Der vor genau zweihundert Jahren freiwillig aus dem Leben geschiedene Dichter schuf mit seiner hohen Sprache einen wundervollen Spielraum für absurd komische Momente und bizarre Begegnungskonstellationen.
Mit feinsinnigem Humor, schwarz wie die Nacht, beschreibt der Pulitzer-Preisträger Tracy Letts in Eine Familie die Abgründe, die sich so überall in amerikanischen Eigenheimen hinter zugezogenen Gardinen auftun könnten. Seine Dialoge zwischen bitterem Ernst und brillanter Komik sind grandioses Schauspielerfutter für das Ensemble des Deutschen Theaters Göttingen.
Kraftvoll und komödiantisch verführt Regisseur Christian von Treskow mit Carlo Goldonis Klassiker Diener zweier Herren zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Die Wuppertaler Bühnen zeigen, wie trefflich immer noch mit der Commedia dell’arte von verhinderten Liebespaaren, prekär beschäftigten Lebenskünstlern und mächtigen Vätern erzählt werden kann.
Hochatmosphärisch und psychologisch bis ins Detail stimmig zeigt August Strindbergs Der Vater die patriarchale Gesellschaft in ihrer Angst und Aggressivität in einer immer unüberschaubareren Zeit. Das Theater an der Ruhr aus Mülheim trägt die unter allem lauernde Angst vor der wirtschaftlichen Deklassierung und die schwankenden Rollenbilder von Männern und Frauen ins Heute.
Mit kaum zu überbietender Geschlossenheit, Spannung und Dichte erzählt das Schauspielhaus Bochum in Die Labdakiden vier Stücke dreier antiker Dichter an einem Theaterabend. Heraus kommt eine wuchtige Sage über eine Herrscherfamilie, über Macht und die Zerstörungskraft von Politik, über unentrinnbares menschliches Leid und die Zeitlosigkeit der Tragödie.
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