Ludwigsburg hilft Kongoussi

Sechs Dörfer erhalten Solarbrunnen – 3000 Bäume am Bamsee gepflanzt

Die ganze Dorfgemeinschaft von Kouka kam zusammen, um der Ludwigsburger Delegation für ihr Engagement zu danken. (Foto: Konrad Seigfried)

Die Stadt unterstützt Kongoussi in Burkina Faso bei der Bewältigung von Klimafolgen. Jetzt hat eine Ludwigsburger Delegation die afrikanische Kommune besucht, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Die Delegation, bestehend aus Erstem Bürgermeister Konrad Seigfried, dem Koordinator für Entwicklungszusammenarbeit Saliou Gueye und der Städtepartnerschaftsbeauftragten Christine Süß, hatte ein Mammutprogramm zu absolvieren. Zum einen besuchten sie sechs weit abgelegene Dörfer in der Kommune Kongoussi, die am meisten von Wassernot betroffen sind. Diese sollen mit Hilfe Ludwigsburgs neue Brunnen bekommen. Diese erhalten eine mit Sonnenenergie betriebene, wartungsarme Pumpe sowie einen Wasserturm. Für die Dorfbewohner, die bisher nur offene Schöpfbrunnen, die hygienisch sehr bedenklich sind oder Brunnen mit Handpumpen kennen, eröffnen die Brunnen völlig neue Perspektiven.

Der Bau der Solarbrunnen, die jeweils rund 30.000 Euro kosten, soll bereits im kommenden Jahr mit einer hohen Förderung durch den Bund starten. Der Ludwigsburger Förderkreis Burkina Faso will den restlichen Anteil aus seinem Spendenaufkommen übernehmen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen für viele Menschen einen Beitrag zur Existenzsicherung leisten und das Leben in diesen sechs Dörfern nachhaltig absichern", meint Erster Bürgermeister Konrad Seigfried, der gleichzeitig Förderkreisvorsitzender ist.

Neben der Wasserknappheit sticht ein anderes Problem jedem Besucher der Region ins Auge: Wald und Bäume verschwinden immer mehr. Das liegt nicht nur an der zunehmenden Dürre, sondern auch an der Überweidung durch das Vieh und am Holzverbrauch. Dabei gibt es bereits Maßnahmen, um den ungebremsten Holzverbrauch einzudämmen. Spezielle Feuerstellen, die ganz einfach aus Lehm oder Ton hergestellt werden können, reduzieren den Holzverbrauch um bis zu zwei Drittel. Um für diese Feuerstellen zu werben, soll in Kongoussi mit Hilfe des Ludwigsburger Engagements ein Informationszentrum über Energie und nachhaltiges Verhalten eingerichtet werden. Als erster Schritt wurde beim Besuch in Kongoussi der Standort in der Nähe des Rathauses bestimmt. In der nächsten Stufe geht es um den Bau und das detaillierte Konzept.

Um Bäume geht es auch bei einem weiteren von Ludwigsburg unterstützten Projekt am Bamsee, das die Delegation besuchte. Auf 10,5 Kilometern Länge wurden jetzt am westlichen Ufer des Sees die ersten beiden Baumreihen zum Schutz der sensiblen Uferzonen gepflanzt. Rund 3.000 Bäume bilden den Auftakt der Schutzmaßnahmen zwischen den Dörfern Kourpelle und Kora, die zur Stadt Kongoussi gehören.

Der Bamsee liegt im Norden von Burkina Faso inmitten der Sahelzone. Immer weniger Regen, eine zunehmende Wasserentnahme durch die Bauern rund um den See und vor allem der Eintrag von Sand – zwar nimmt die Niederschlagsmenge ab, aber immer extremere Gewitterregen spülen viel Erde in den See –  gefährden dieses lebenswichtige Wasserreservoir.

Die Regierung von Burkina Faso hat den Uferschutz schon viele Jahre im Programm. Geschehen ist bisher nichts. Die Stadt Ludwigsburg hat jetzt gehandelt. Der mit der Verleihung des Titels „Nachhaltigste Stadt Deutschland", Kategorie Mittelstädte, verbundene Geldpreis wurde für diese Maßnahme eingesetzt. Für Oberbürgermeister Werner Spec ist das Teil einer Verantwortung für eine nachhaltige Welt. „Mit den 35.000 Euro, die wir von der Allianz Umweltstiftung erhalten haben, leisten wir in Burkina Faso einen lebenswichtigen Beitrag zum Schutz des Sees und zur Sicherung des Lebensunterhalts für tausende von Kleinbauern."

Während Ludwigsburg mit dem Preisgeld der Allianz Umweltstiftung am westlichen Ufer mit den Schutzmaßnahmen begonnen hat, will Ludwigsburgs älteste Partnerstadt Montbéliard am östlichen Seeufer nachziehen und ebenfalls einen Schutzstreifen anpflanzen. Beide Städte haben 2006 vereinbart, sich gemeinsam in Westafrika in der Entwicklungszusammenarbeit zu engagieren. Auf Anraten der Welthungerhilfe wurde Ludwigsburg in Kongoussi aktiv, während sich Montbéliard im benachbarten Zimtanga engagiert. Jetzt helfen sie gemeinsam bei den dringend erforderlichen Schutzmaßnahmen am Bamsee.

Mit der trilateralen Kooperation nehmen Ludwigsburg und Montbéliard mit nur wenigen anderen Städten in Deutschland eine Vorreiterrolle ein. Während in den letzten Jahren vor allem der Förderkreis Burkina Faso mit seinem Spendenaufkommen verschiedene Projekte finanziert hat, stellte der Gemeinderat erstmals im Haushalt 2016 50.000 Euro für die Entwicklungszusammenarbeit bereit. Damit kann die im letzten Jahr vereinbarte Klimapartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Kongoussi weitere Früchte tragen. (red)

Mitteilung vom 18. November 2016

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