Afrikaprojekt

Ludwigsburg und Montbéliard, die ersten beiden deutsch-französischen Partnerstädte in Europa, machen sich stark für Afrika. Nach Rücksprache mit der Deutschen Welthungerhilfe fiel die Wahl auf die Stadt Kongoussi im Norden von Burkina Faso. Kongoussi gehört zu den ärmsten Regionen, die die Welthungerhilfe im Rahmen ihrer Initiative „Millenniumsdörfer“ bereits unterstützt.

Burkina Faso

Burkina Faso liegt in Westafrika, unterhalb des Nigerbogens. Der Norden des Landes hat Anteil an der trockenen, wüstenähnlichen Sahelzone, in der nur wenig Viehzucht betrieben werden kann.

Burkina Faso wird von der Welthungerhilfe als das drittärmste Land der Welt eingestuft. Über 12,5 Millionen Menschen leben hier in bitterster Armut, davon über eine Million in der Hauptstadt Ouagadougou. In Kongoussi und den dazugehörigen Dörfern der umliegenden Provinz Bam leben rund 70.000 Menschen und die Bevölkerungszahl steigt weiter explosionsartig an.

Zwei große Probleme bestimmen daher aktuell das Leben in der Region:

zu wenig Schulen

Die Schulklassen sind überfüllt. Viele Kinder besuchen nur für ein oder zwei Jahre die Schule, manche gar nicht. Insgesamt können mehr als 87 Prozent der Bevölkerung weder lesen noch schreiben. In der gesamten Provinz Bam gab es bisher zudem keine Berufsschule.
Ludwigsburg setzte sich daher dafür ein, zunächst die in Kongoussi vorhandene Grundschule, die bereits aus allen Nähten platzte, durch den Anbau weiterer Klassenräume zu ergänzen.

zu wenig Wasser

Im südlichen Teil des Landes, in der Feuchtsavanne, werden Nahrungsmittel wie Mais und Hirse angebaut. Aber der Mangel an Wasser erlaubt oft nur eine geringe Ernte, so dass die Bevölkerung jedes Jahr erneut ums Überleben kämpfen muss. Obwohl Ackerbau aufgrund des Klimas das ganze Jahr über möglich wäre, fehlen Bewässerungsanlagen, weshalb es nur geringe Ernten gibt. Montbéliard konzentrierte sich daher auf landwirtschaftliche Projekte.

Wo wir helfen!

Ausbau der Grundschule von Bango

Das erste Projekt war der Ausbau der Grundschule von Bango, einem Stadtteil von Kongoussi. Dort mussten sich früher 550 Schülerinnen und Schüler fünf Klassenräume teilen. Dank der großen Spendenbereitschaft vieler Ludwigsburger Schulen, Firmen, Vereine und Einzelpersonen konnte die Schule inzwischen erweitert werden.

Mit einem Aufwand von insgesamt 45.000 Euro wurden drei neue Klassenräume hinzugefügt, die Schule erhielt außerdem ein doppeltes Dach, um das Gebäude auf natürliche Weise zu kühlen.

Errichtung einer Bewässerungsanlage: Kampf gegen Armut und Unterernährung

Seit 2008 stattete unsere Partnerstadt Montbéliard eine landwirtschaftliche Nutzfläche von vier Hektar mit Bewässerungsanlagen und Pumpen aus. Zusätzlich wurden landwirtschaftliche Geräte angeschafft, um einen ganzjährigen Gemüseanbau zu ermöglichen. Die 30 Familien, die dieses Gebiet bearbeiten,wurden geschult und in ein Alphabetisierungsprogramm mit aufgenommen.

Montbéliard hat danach ein zweites solches Wasserprojekt auf einer weiteren Parzelle von vier Hektar realisiert. Es ist am 8. Januar 2013, in Anwesenheit einer kleinen Ludwigsburger Delegation mit Erster Bürgermeister Konrad Seigfried an der Spitze, feierlich eingeweiht und den 86 Frauen übergeben worden, die es künftig bearbeiten werden.

Die Frauen werden ebefalls im Anbau geschult, sie erhalten Unterstützung beim Verkauf des angebauten Gemüses und einen Alphabetisierungkurs.

Bau einer beruflichen Schule in Kongoussi

Im August 2011 wurde mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Bau eines beruflichen Schulzentrums in Kongoussi begonnen. Dieses Projekt ist vom "Förderkreis Burkina Faso e.V." realisiert worden.

Das berufliche Zentrum besteht aus einem Verwaltungsgebäude mit Theorieraum, einem Werkstattkomplex und einer sanitären Anlage.

Hier haben die ersten 20 Lehrlinge, darunter drei Mädchen am 1. Oktober 2011 ihre Ausbildung zu Pumpen- und Zweiradmechanikern begonnen. Die Ausbildung ist auf drei Jahre angelegt, insgesamt können 60 Lehrlinge in dem Zentrum unterrichtet werden.

Die offizielle Einweihung des Berufschulzentrums hat am 7. Januar 2013 in Anwesenheit von Konrad Seigfried, Erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg und Vorsitzender des Förderkreises Burkina Faso, weiteren Vorstandsmitgliedern des Förderkreises sowie Vertretern der Stadt Ludwigsburg stattgefunden.
Auch die deutsche Botschaft von Burkina Faso war mit dem ersten Botschaftsekretär Santhosh Persaud vertreten. Aus Montbéliard sind Eric Lançon, Vize-Präsident der PMA und Gemeinderat der Stadt Montbéliard sowie Laurent Vaté und Agnes Rosetti dabei gewesen.

Perspektiven: Weiterentwicklung

Die Ausstattung der Berufsschule mit geeignetem Material für die Werkstätten, aber auch mit Lehrmaterial in französischer Sprache gehört zu den Aufgaben, die in nächster Zeit bewältigt werden müssen. Montbéliard hat Hilfe bei der Beschaffung von französischen Techniklehrbüchern in Aussicht gestellt. Parallel dazu will sich der Ludwigsburger Förderverein um Patenschaften für die Auszubildenden bemühen, die das Schulgeld nicht bezahlen können.

Seit 2009 unterstützt das Mörike-Gymnasium mit Spenden das Lycée Municipale, unter anderem mit einem Laptop und Fotoapparaten. Für einen direkten Austausch miteinander über das Word Wide Web  fehlt noch eine Internetverbindung. Langfristig wünscht sich das Lycée Municipale außerdem einen Unterrichtsraum mit Computern.

Zentrum für berufliche Bildung

Beteiligung - Helfen Sie mit!

Die Afrikaläufe Ludwigsburger Schüler, der alljährliche Verkauf fair gehandelter Mangos aus Burkina Faso, die Rest-Cent-Aktion des Personalrats (Mitarbeiter der Ludwigsburger Verwaltung verzichten auf die Cents in ihrem Gehalt zugunsten des Afrika-Projekts), Benefiz-Konzerte und Verkaufsstände auf dem Weihnachtsmarkt sind wichtige Einnahmequellen.

Auch Sie können sich an der Realisierung von Projekten für Burkina Faso beteiligen, sei es durch Spenden oder durch aktive Mitarbeit. Bitte wenden Sie sich an den "Förderkreis Burkina Faso e.V." Jeder Beitrag kann helfen, die Not in Burkina Faso zu lindern.

Am 29. Juli 2008 wurde der „Förderkreis Burkina Faso e. V.“ gegründet, der die Spendenaktionen und die Durchführung der Projekte koordiniert. Zum ersten Vorsitzenden wurde Altoberbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer gewählt, im Juli 2012 übernahm dann Konrad Seigfried, Erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg, den Vorsitz. Der Förderkreis trägt nun das komplette Engagement, wird dabei aber intensiv von der Stadt unterstützt und in deren Aktivitäten für weitere Entwicklungszusammenarbeit eingebunden.

Sie können im Rahmen des Afrika-Projekts Angenehmes mit Nützlichem verbinden: Mit dem Kauf hochwertiger Postkarten oder schöner Stofftaschen, verziert mit fröhlich-bunten Motiven gestaltet von Ludwigsburger Schülern, unterstützen Sie die Projekte. Falls Sie weitere Fragen zu den vorgestellten Projekten haben, informieren wir Sie gern ausführlicher. Informationen: Telefon 0 71 41/910-27 50 (vormittags).

Initiatoren

Die beiden Bürgermeister Jacques Hélias, Montbéliard und Werner Spec, Ludwigsburg, stellten die Weichen für die Umsetzung humanitärer Projekte in Kongoussi.

Altbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer (Mitte) konnte als ehrenamtlicher Mentor für die Spendenaktion gewonnen werden.

Er gründete 2008 den Förderkreis Burkina Faso.

Anlässlich eines Besuches in Ludwigsburg 2006 gab Bundespräsident Horst Köhler damals den Anstoss, Afrika im Kampf gegen Hunger und Armut zu unterstützen. Saliou Gueye, der Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik und ehemalige Integrationsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, führte seit 2008 jährlich einen Afrikatag durch, dessen Erlös der Projektarbeit in Kongoussi zugute kam.