Klimapartnerschaft

Gemeinsame Verantwortung

Das Engagement der Stadt Ludwigsburg in Kongoussi (Burkina-Faso) ist seit Januar 2017 mit dem Klimapartnerschaftsprojekt in eine neue Phase eingetreten. Es geht um die gemeinsame Verantwortung für das Klima und die Bekämpfung der Klimafolgen.

Das Besondere: Auch nicht staatliche Organisationen sind an der Partnerschaft beteiligt. In Kongoussi ist ZoodNooma (AZND) und in Ludwigsburg der Förderkreis Burkina Faso e.V. aktiv.

Finanzierung

Die Klimapartnerschaft der beiden Städte ist Teil des Programms der Bundesregierung „50 kommunale Klimapartnerschaften“ zwischen Städten aus Deutschland und Afrika, Asien und Lateinamerika. Mit einem Förderprogramm des Bundeministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt der Bund die Klimapartnerschaft zwischen Kongoussi und Ludwigsburg. Der Förderrahmen beträgt rund 399.775 Euro. Davon trägt der Bund 90 Prozent (mit 359.796 Euro). Der Eigenanteil von 10 Prozent (39.978 Euro) wird vom Förderkreis Burkina Faso Ludwigsburg e. V. und der Stadt Ludwigsburg getragen.

Handlungsprogramm

Ein umfangreiches Handlungsprogramm wurde gemeinsam mit Kongoussi entwickelt. Die gemeinsame Verantwortung für das Klima und die Bekämpfung von Klimafolgen wurde mit folgenden konkreten Zielen hinterlegt:

  • Verbesserung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser
  • Verbesserung der hygienischen Situation
  • Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität
  • Öffentliche Sichtbarmachung der Klimapartnerschaft in beiden Städten
  • Verbesserung des Bewusstseins für eine nachhaltige Entwicklung

Maßnahmen

Zugang zu sauberem Wasser - Brunnenbau

Wassermangel insbesondere der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist eines der zentralen Probleme Kongoussis. Der Bamsee, der größte natürliche See von Burkina Faso, droht wegen des vielen Staubs in der Luft und Sandeintrags durch starke Niederschläge während der dramatischen ablaufenden Regenzeit zu versanden. Zudem führt eine Brennstoffnot dazu, dass das schon baum- und straucharme, in der Trockenperiode völlig ausgetrocknete Land, noch weiter abgeholzt wird.

Zentrale Aufgabe unserer Partner vor Ort ist daher die Sicherung des Trinkwassers in einigen Dörfern. Für eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung bekamen im Jahr 2017 sechs von der Wassernot betroffene Dörfer der Kommune Kongoussi neue Brunnen. Um genügend Wasser zu erhalten, wurden diese Brunnen tief gebohrt und erhielten eine mit Sonnenenergie betriebene, wartungsarme Pumpe sowie ein kleines Chateau d‘eau, einen Wasserturm. Durch den Einsatz von nachhaltigen Energiequellen konnte auf herkömmliche Benzin- und Dieselpumpen, und damit die bereits knappen fossilen Brennstoffe verzichtet werden. Auf die bisher hygienisch bedenklichen Schöpfbrunnen oder Brunnen mit Handpumpen brauchen die Dorfbewohner nun nicht mehr zurückgreifen, sie stehen weiter für das Vieh zur Verfügung.

Verbesserte Hygiene und erhöhte landwirtschaftliche Produktivität

Um Grundwasserverschmutzungen und Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, ist zudem eine Verbesserung der hygienischen Umstände unabdingbar. Durch den Ende 2017 beendeten Bau der speziell konstruierter Latrinen soll nicht nur das Grundwasser geschützt, sondern auch Dünger aus den Fäkalien gewonnen werden. Vermengt mit einer aus Pflanzenabfällen gewonnenen Biokohle soll die Düngung auf natürliche Weise verbessert und die landwirtschaftliche Produktivität deutlich gesteigert werden. Die ersten Ergebnisse auf sogenannten Pilotparzellen sind vielversprechend.

Sichtbare Klimapartnerschaft und Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung

Um das Wissen um die Relevanz eines nachhaltigen Umgangs mit der Natur sowohl in Ludwigsburg als auch in Kongoussi zu verankern, wurde in beiden Ländern die Öffentlichkeitsarbeit ausgeweitet. So entsteht derzeit ein Informationszentrum im neuen Rathaus von Kongoussi, das über die einzelnen Teilprojekte der Klimapartnerschaft informieren wird. In Ludwigsburg soll mit einem „Burkinischen Dorf“ hinter dem Kulturzentrum die hiesige Bevölkerung über die Aktivitäten und den Nutzen der Klimapartnerschaft informiert werden. Eröffnet wurde es im April 2018.

Getreidemühlen zur Entlastung und Selbständigkeit der Frauen

In den Dörfern Kiella und Sankondé wurden je eine Getreidemühle in Betrieb genommen. Diese Mühlen wurden komplett vom Förderkreis Burkina Faso finanziert. Sie ersparen den Dorfbewohnerinnen zeitraubendes Mahlen des Getreides per Hand oder alternativ den weiten und teuren Weg nach Kongoussi. Dadurch bleibt mehr Zeit, beispielsweise für den Warenverkauf, fürs Holzsammeln oder die Kinderbetreuung.

Im Dorf Sankondé, das bereits seit Längerem eine Vorbildfunktion für die anderen Dörfer übernommen hat, gibt es eine hervorragende Organisation innerhalb der Dorfgemeinschaft. Das gegründete Mühlenkomitee, bestehend aus acht Frauen, hat einen genauen Geschäftsplan entwickelt.

Eine Startfinanzierung wurde nicht angefragt, im Gegenteil: Die mit den ersten zehn Litern Diesel erfolgten Mahlungen wurden an die Kunden verschenkt, um dauerhaft Kundenloyalität und damit Kundenbindung zu schaffen.