„Stadt geworden!“ – Digitale Präsentation ausgewählter Dokumente zur Stadtgeschichte

Anlässlich des Stadtjubiläums 2018 präsentiert das Stadtarchiv Ludwigsburg ausgewählte Archivalien zur Stadtgeschichte. Mit der Stadterhebung und der Ernennung zur Residenz- und Hauptstadt im Jahr 1718 wurde Ludwigsburg zu einer ganz besonderen Stadt im Herzogtum Württemberg.

Stadtarchiv Ludwigsburg - Flugblatt
Stadtarchiv Ludwigsburg - Flugblatt

In Ludwigsburg gibt es eigentlich sogar drei Daten, die als wichtige Meilensteine auf dem Weg zur Stadtwerdung gefeiert werden. 1704 erfolgte die Grundsteinlegung des Residenzschlosses, das die Keimzelle Ludwigsburgs war. Herzog Eberhard Ludwig rief erstmals 1709 mittels eines Flugblatts (1,471 MiB)dazu auf, sich in Ludwigsburg als Neubürger niederzulassen.

Kurze Zeit später erhob er Ludwigsburg zur Residenz und dritten Hauptstadt des Herzogtums Württemberg. In diesem Reskript (4,824 MiB)vom 3. September 1718 stellte er Ludwigsburg den anderen württembergischen Städten gleich und gestattete der neu erhobenen Stadt, die Reichssturmfahne, die Teil seines eigenen herzoglichen Wappens war, zukünftig als Stadtwappen zu verwenden. Ein Siegelstock (3,693 MiB)von 1718 zeigt eines der ältesten Stadtwappen. Bereits aus den Anfangstagen der Stadt gibt es eine Bürgerliste (199,348 MiB)(1710-1841, hier die ersten 300 Einträge), die alle Ludwigsburger mit Bürgerrecht verzeichnet. Eberhard Ludwigs Vorhaben, Ludwigsburg wie eine Planstadt aufzubauen, deren Mittelpunkt das Schloss sein sollte, wurde nicht vollständig umgesetzt. Nur westlich des Schlosses entstand die heutige Ludwigsburger „Altstadt“. Bei der Errichtung von Neubauten galt es, die herzoglichen Vorgaben genau zu beachten. Ein Dekret (12,251 MiB)an die Ludwigsburger Baudeputation aus dem Jahr 1718 regelte den Anstrich der Häuser und schrieb vor, dass jedes Haus über einen Garten verfügen musste. Im selben Jahr ordnete Eberhard Ludwig an, die Häuser durch Feuermauern (10,794 MiB)zu trennen, sie aber so anzuordnen, dass sie insgesamt ein einheitliches Erscheinungsbild abgaben. Das Gründungspatent (3,705 MiB)der Bischoff´schen Apotheke gibt Zeugnis von einem der ältesten Geschäfte Ludwigsburgs.

Obwohl Ludwigsburg durch Eberhard Ludwig jede erdenkliche Förderung erfuhr, war das Wohl der Stadt im 18. Jahrhundert stark mit der Person des jeweiligen Landesherrn verbunden. Nur der Herzog und sein Hofstaat machten die Stadt attraktiv. Ohne ihr Zutun kamen kaum Neubürger in die barocke Neugründung. Insgesamt fünf Mal rief Eberhard Ludwig dazu auf, nach Ludwigsburg zu kommen. Anfangs mit einem einfachen Flugblatt, in der Folgezeit in Form von aufwändigen Privilegien, die er der Stadt verlieh. Der Inhalt von Flugblatt und Privilegien war ähnlich: kostenloses Bauland und Baumaterialien für jeden Neubürger sowie eine zeitlich begrenzte Steuerbefreiung. Nur die äußere Form seiner Versprechen wandelte sich im Lauf der Jahre, wie das prachtvoll ausgestaltete Privileg (38,379 MiB)von 1724 zeigt.

Herzog Carl Alexander, Eberhard Ludwigs früh verstorbener Nachfolger, verlegte seine Residenz von Ludwigsburg nach Stuttgart, ließ aber 1736 die erste Kaserne in Ludwigsburg bauen und gründete 1737 das Zucht (22,559 MiB)- und Arbeitshaus. Beides sollte für die weitere Entwicklung Ludwigsburgs von Bedeutung sein.

Carl Alexanders Sohn, Herzog Carl Eugen, fand wieder mehr Gefallen an Ludwigsburg und hatte auch zeitweise seine Residenz dorthin zurückgeholt. Auch er bemühte sich mit zwei Siedlungsaufrufen um Neubürger. An Pracht standen seine Privilegien aus den Jahren 1752 (19,926 MiB)und 1760 den Urkunden von Eberhard Ludwig in nichts nach. Lange Zeit hatte Ludwigsburg kein eigenes Rathaus, was die schwache Stellung der Bürgerschaft gegenüber dem Herzog belegt. Trotzdem gab es Überlegungen (37,374 MiB), wie ein Rathaus beschaffen sein könnte. Der Schriftsteller Weckerlin fasste 1762 seine Gedanken über das Rathausbauwesen zusammen. 1767 wurde das noch heute bestehende, ursprünglich als Heidenheimer Amtshaus genutzte, Ludwigsburger Rathaus bezogen. Das Gebäude in der Wilhelmstraße 11 war das erste Gebäude, das die Bürgerschaft ausschließlich als Rathaus zur Verfügung gestellt bekam. Im Messbuch (9,19 MiB)der Stadt wurden alle 1788 bestehenden Häuser verzeichnet und taxiert, unter anderem auch das Rathaus.

Einen Eindruck vom Entwicklungsstand der Stadt und von der rechtwinkligen Anlage der Planstadt geben der Stollsche Plan (2,328 MiB)aus dem Jahr 1781 sowie der Stadtplan (3,162 MiB)des Architekten Baumgärtner von 1814.

Stadtarchiv Ludwigsburg - Stollscher Plan
Stadtarchiv Ludwigsburg - Stollscher Plan 1781

Neben Casanova, Mozart, Liszt und Jommelli weilte auch Goethe in Ludwigsburg, zumindest nahm er laut einer Notiz auf einer militärischen Manöverkarte (1,693 MiB)an einer Truppenübung auf den Feldern Ludwigsburgs teil.

Stadtarchiv Ludwigsburg - Manöverkarte
Stadtarchiv Ludwigsburg - Manöverkarte

Auch in Ludwigsburg waren Chronisten tätig, die heute eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte sind. Die „Notizen zur Geschichte (269,377 MiB)der Stadt“ von 1800 und die „Notizen (32,823 MiB)zur Orientierung in den Zuständen Ludwigsburgs“ (1851) bieten Ausschnitte der damaligen Lebenswirklichkeit.

Die sogenannte Realienteilung (136,631 MiB)des Dichters David Friedrich Strauß – eine Art Eigentumsverzeichnis – erinnert an einen bekannten Sohn der Stadt und gibt gleichzeitig Einblick in den Besitzstand eines Ludwigsburger Bürgers im Jahr 1874.

Die hier ausgewählten Archivalien sind nur ein kleiner Teil des kulturellen Erbes von Ludwigsburg. Sie sollen den Leser neugierig machen, im Lesesaal des Stadtarchivs Ludwigsburg auf Entdeckungsreise zu gehen und anhand der Stadtwerdung, aber auch anderer Themen die Vielfalt der städtischen Geschichte zu entdecken.

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