Entwicklungsperspektiven West

Verkehrsentlastung - So geht es weiter Oberbürgermeister Werner Spec im Interview

Im Infoblatt "LB direkt" 10 hat Oberbürgermeister Werner Spec die wichtigsten Fragen zum Stand der Verkehrsentlastung in Ludwigsburg und der Bürgerbeteiligung an der weiteren Planung beantwortet. "LB direkt" ist das kostenlose Info-Angebot der Stadtverwaltung. Zweiwöchentlich berichtet das Infoblatt über städtische Projekte, Veranstaltungen und kommunalpolitische Themen.
Zu "LB direkt" als PDF oder als Newsletter geht es hier: www.ludwigsburg-direkt.de

Was sind die nächsten Schritte zur Verkehrsentlastung in Eglosheim, der Innenstadt und der Weststadt?

Die nächsten Schritte bestehen aus einem intensiven Dialog, den wir mit Bürgerinnen und Bürgern aus Eglosheim, der Weststadt und der Innenstadt führen werden. Nach bisherigen Untersuchungen würde ein Tunnel in Eglosheim die Innenstadt spürbar zusätzlich belasten. Dennoch werden wir mit den Gutachtern diese Variante nochmals untersuchen. Zudem werden wir in diesem Dialog Antworten geben auf Fragen aus der Bürgerschaft, die den Vorschlag der Gutachter betreffen, den Verkehr entlang der Autobahn A 81 zu bündeln. Wir werden überdies Chancen eines grünen Lärmschutzdeckels über der A 81 untersuchen sowie Maßnahmen zum Lärmschutz an der bestehenden B 27 prüfen. Daher sind zunächst weitere Untersuchungen notwendig.

Wer wird diese Analysen übernehmen?

OB Werner Spec

Die Analysen kommen von den Experten der Planungsgruppe Kölz in Zusammenarbeit mit weiteren Ingenieurbüros und den zuständigen Behörden. Noch vor der Sommerpause wird das weitere Vorgehen mit den Stadträten im Gemeinderatsausschuss Bauen, Technik und Umwelt besprochen. Der Auftrag für die detaillierten Untersuchungen ist für den September vorgesehen.

Wann sind diese Untersuchungen abgeschlossen?

Für diese Bearbeitung rechnen wir mit einem Zeitrahmen bis Jahresende, so dass Ergebnisse im Frühjahr 2016 vorliegen werden. Daher planen wir zunächst eine Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung am Mittwoch, 21. Oktober 2015, in der Mehrzweckhalle Eglosheim. Ziel ist es, dort die Bürgerschaft über den weiteren Bedarf dieser Untersuchungen sowie die Ziele der Mobilitätskonferenz zu informieren, die im Frühjahr 2016 folgen wird. Ursprünglich hatten wir diese bereits für den Herbst vorgesehen, wir müssen aber die Expertenanalysen abwarten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Mobilitätskonferenz?

Wir streben eine möglichst breite Bürgerbeteiligung an. Auf dieser Konferenz gilt es, der Bürgerschaft die Ergebnisse der Untersuchungen und Analysen umfassend zu präsentieren, die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten herauszuarbeiten und deren Zahl als Empfehlung für den Gemeinderat zu reduzieren.

Verkehrsentlastung für Eglosheim - Fünf Varianten in der Diskussion

Broschüre zur Verkehrsplanung (PDF 40 MB)

Die Bundesstraße 27 ist eine stark befahrene Verbindung quer durch Ludwigsburg – das bringt viel Lärm und Abgase für die Anwohner mit sich, unter anderem im Stadtteil Eglosheim. Um die Situation zu verbessern, planen Stadtverwaltung und Gemeinderat mit den Bürgerinnen und Bürgern eine Entlastung für den ganzen Ludwigsburger Westen. „Die Problematik liegt darin, dass die von den Verkehrsgutachtern im Jahr 2008 vorgelegten Untersuchungen gezeigt haben, dass sowohl eine zwei- als auch eine vierspurige Tunnellösung erheblich mehr Durchgangsverkehr in die Ludwigsburger Innenstadt anziehen würde“, beschreibt Oberbürgermeister Werner Spec die Sachlage.

Bericht von der Bürgerinfoveranstaltung am 22. Juni 2015

Die verschiedenen geeigneten Varianten hatten Anfang Juni für zahlreiche Diskussionen in der Öffentlichkeit gesorgt. Deshalb lud die Stadtverwaltung alle interessierten Bürgerinnen und Bürger für den 22. Juni zu einer Infoveranstaltung über den aktuellen Stand der Planungen ein. Die Stimmung war aufgeheizt, als Baubürgermeister Michael Ilk die Gäste im Sport- und Kulturzentrum an der Tammer Straße begrüßte. Etwa 700 Besucherinnen und Besucher aus Eglosheim, der Weststadt und Asperg hatten sich eingefunden.

Sie interessierte, was die Stadtverwaltung aktuell zur Verkehrsentlastung in Eglosheim und Umgebung plant. Bürgermeister Ilk informierte an dem Abend über den Stand des Verkehrskonzepts „Entwicklungsperspektiven West“, wie er es kürzlich bei einem Ortstermin versprochen hatte. „Ich bin beeindruckt, dass sich in so kurzer Zeit so viele für das Thema engagieren“, sagte Ilk. Mit dem Stadt- und Verkehrsplaner Gunter Kölz stellte er denkbare Varianten dar, um Eglosheim vor dem Lärm zu schützen.

„Wir müssen einen Weg finden“, mahnte der Baubürgermeister. Noch sei die Diskussion offen, auch wenn viel für die Umfahrung über die Hirschbergtrasse an der Autobahn und entlang der Bahnlinie („H4B4“) spreche. Ilk sagte eine Prüfung der weiteren Varianten zu und bat um Verständnis, dass in dem Stadium keine Details geklärt werden könnten: „Wenn wir Sie früh einbinden, geht das nur mit dem Grobkonzept. Im Gemeinderat müssen jetzt erste Entscheidungen getroffen werden, und wir beteiligen Sie weiter bei der Planung.“

​Planung und Diskussion

Die Ludwigsburger Verkehrsplaner haben bereits vor sieben Jahren 22 Varianten untersucht, wie man die Belastung in Eglosheim verringern könnte. Davon kamen fünf Varianten in die engere Auswahl, die bei der Bewertung durch das Planungsbüro Kölz auch nach wirtschaftlichen, ökologischen und städtebaulichen Kriterien am besten abgeschnitten haben.

Zu den geeigneten Varianten zählen laut Untersuchung drei, die einen Tunnel für die B 27 durch Eglosheim vorsehen. Bei den zwei- oder vierspurigen Tunnellösungen würde der Verkehr in der Innenstadt um 5 bis 12 Prozent je nach Variante steigen, der optimierte Verkehrsfluss in einem möglichen B-27-Tunnel würde den zusätzlichen Durchgangsverkehr anziehen.

Zwei weitere Varianten sehen eine südwestliche Umfahrung des Stadtteils vor, die sowohl Eglosheim als auch Tamm beim Verkehr entlasten und die Ludwigsburger Innenstadt nicht zusätzlich belasten würde. Eine der beiden Umfahrungsvarianten würde über einen neuen Autobahnanschluss Ludwigsburg-Mitte verlaufen, der allerdings für mehr Durchgangsverkehr in Asperg sorgen würde. Bei der zweiten Umfahrungsvariante würde die B 27 ab der Reuteallee lärmgeschützt entlang der Bahngleise nach Westen bis zur Autobahn führen und weiter nach Norden, teilweise gemeinsam mit der A 81 unter einem begrünten Deckel. Diese Lösung wird von beiden Nachbarkommunen und den Genehmigungsbehörden des Landes bevorzugt, weil sie den Verkehr wirkungsvoll verlagern und die Lärmbelastung an der Autobahn durch die Überdeckelung deutlich verringern würde.

Die Überprüfung und Bewertung der verschiedenen Konzepte wurde 2008 veröffentlicht, sie sind in der Broschüre „Entwicklungsperspektiven West“ zusammengefasst. Das Dokument steht unter "Download" auf dieser Seite, bei den betroffenen Stadtteilentwicklungsplänen (STEP) Eglosheim und West gibt es weitere Informationen zu dem Thema:

Abstimmung und Beteiligung

Die Stadtverwaltung hat zuletzt im Frühjahr 2015 mit der Stadt Asperg und der Gemeinde Tamm die Verkehrskonzepte beraten und ausgelotet, welche der Ludwigsburger Planungsvarianten aus Sicht der Nachbarn realisierbar sind. Darüber wurde im Gemeinderat am 24. Juni 2015 berichtet, dieser hat die Verwaltung nun beauftragt, die Bürgerbeteiligung und Beratung zur Verkehrsentlastung ergebnisoffen weiterzuführen. Dabei soll auch eine Untertunnelung der B 27 im Stadtteil vorrangig geprüft werden sowie eine Entlastung auf der oberirdischen Strecke ohne neue Straßen. Kurzfristig umsetzbare Lärmschutzmaßnahmen sollen vorangetrieben werden.

„Jetzt können wir die Verkehrsentlastung im Ludwigsburger Westen mit breiter Beteiligung der Bürgerschaft angehen“, erklärt Oberbürgermeister Spec. „Wir nehmen keine Entscheidung vorweg – dafür wird es eine Konferenz zu nachhaltiger Mobilität für Eglosheim, die Weststadt und die Innenstadt geben, bei der sich Bürgerinnen und Bürger, Vertreter der Parteien im Gemeinderat, Stadtteilausschuss und Verwaltung einbringen können.“

Zum Lärmschutz an der A 81 allgemein

Für die A 81 hat das Regierungspräsidium Stuttgart unter anderem auf dem Streckenabschnitt entlang des Ludwigsburger Stadtgebiets eine Freigabe der Seitenstreifen beantragt, dies wird beim Bundesverkehrsministerium aktuell geprüft. Bei einer Freigabe müsste der Lärmschutz an der Stelle entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen zuvor verbessert werden, das ist von Seiten des Landes frühestens 2017 geplant.