Historischer Spaziergang durch Neckarweihingen

Stadtplanauszug (pdf-Datei) (458,9 KiB)

Wer in Neckarweihingen auf historischen Spuren wandeln will, muss nicht weit laufen. Alle historischen Gebäude befinden sich entlang der Hauptstraße oder in  einer der direkt abzweigenden kleinen Nebensträßchen zum Neckar hin. Die meist zweigeschossigen Fachwerkshäuser sind überwiegend so genannte gestelzte Häuser. Sie stehen mit dem Giebel zu Straße und sind heute fast ausnahmslos verputzt. Die Kellerabgänge mit Rundbogentoren und die recht bescheidenen Ökonomieteile der Höfe zeugen davon, dass die Neckarweihinger überwiegend vom Weinbau an einigen Kulturdenkmalen. Start ist an der Evangelischen Sankt Laurentius-Kirche in der Pfarrstraße.

Zu den Besonderheiten der evangelischen Pfarrkirche Sankt Laurentius in der Pfarrstraße gehört der spätgotische Westturm und der Chor aus dem frühen 14. Jahrhundert. Sehenswert im Inneren ist ein spätgotischer Kruzifix mit beweglichen Armen und eine Laurentiusfigur des frühen 18. Jahrhunderts, der die Kanzel trägt.

Ausgesprochen gut erhalten ist schräg gegenüber der Pfarrhof (Gebäude 7 bis 11) mit Pfarrhaus, Scheuer, Backhaus und Garten. Der Pfarrgarten ist in seiner heutigen Gestalt schon in einer Karte von 1834 dokumentiert. Das im Kern spätmittelalterliche Anwesen - übrigens der Geburtsort des Rebenpioniers Emanuel Dornfeld - vermittelt einen Eindruck davon, wie bedeutend Kirche und Pfarrei damals waren.

Über die Spiegelstraße und den Wittumhof führt der Spaziergang in Richtung Hauptstraße. Baulich und typologisch interessant ist dort das weitgehend original erhaltene Gebäude 3. Um 1700 entstanden, liegt es markant am Ortseingang, unweit der Neckarbrücke. Es ist ein quer erschlossenes Haus, bei dem Ökonomie- und Wohnteil geschossweise voneinander getrennt sind.

Gleicher Art und Weise ist wenige Schritte weiter ortseinwärts das Gebäude Hauptstraße 19. Dieses Haus mit mächtigem Krüppelwalmdach wurde 1624 erbaut. Es beherbergte nicht nur die Kaplane, die in der Laurentiuskirche die Frühmesse lasen, sondern bis 1719 auch die Oberschultheißen Neckarweihingens und gehörte später dem Schlossbaumeister Nette.

Aus dem 18. Jahrhundert ist das Gebäude Hauptstraße 26. Das Haus zeigt eine für die Bauzeit typische symmetrische Vertikalgliederung. Obwohl weitere Baudenkmale fast nur in der Hauptstraße stehen, führt der Weg von jetzt an zwischen Hauptstraße und Leinpfad hin und her (ältester Ortsteil) und vermittelt einen guten Eindruck vom ehemaligen Straßendorf.

Weiter geht es also in die Brückenstraße, dem Neckar zu. Das auffällig an der Ecker zur Hauptstraße gelegene Gebäude 2 ist ein bescheidenes ehemaliges Wohn-Stall-Haus. Sein Wohngeschoss ist durch eine überdachte Außentreppe erschlossen. Charakteristisch ist auch hier die geschossweise Trennung von Ökonomieteil und Wohnteil.

Über den Leinpfad geht es in die Birklenstraße. Interessant ist dort das Gebäude 8, ein so genannter Hakenhof aus dem 17. Jahrhundert. Eine Fachwerkscheuer mit massivem Sockel und in Haustein gefassten Fenster- und Türöffnungen schließt den Hof nach Norden ab. Das zurzeit nicht sichtbare Fachwerk des Haupthauses zeigt Merkmale aus der Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg.

An der Ecker zur Birklenstraße liegt das Gebäude Hauptstraße 41, ein so genannter Zweiseithof mit Mitteltennenscheuer aus dem frühen 17. Jahrhundert. Der Hof gehört zu den wenigen Anlagen, die den Dreißigjährigen Krieg überstanden haben. Er ist größtenteils original überliefert. Der noch zu erahnende Rundbogen-Kellerabgang ist typisch für das Haus eines Weinbauern.

Zwar nicht denkmalgeschützt, aber dennoch erwähnenswert ist das Gebäude Hauptstraße 45b. Es ist der Neckarweihinger Jugendtreff im alten Schafstall. Links daneben ist der Abgang zu einer beachtlichen Kelleranlage zu sehen, die jedoch nicht besichtigt werden kann. Hier stand einst der Gasthof "Zur Sonne".

Über die Friedrich-Keller-Straße, den Leinpfad und die Krämerstraße führt der Weg wieder zur Hauptstraße. Das Eckhaus Hauptstraße 63 ist ein weiteres Beispiel für ein gestelztes Wohnhaus aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dieser Häusertyp herrscht in Neckarweihingen vor. Im benachbarten Poppenweiler dagegen gibt es überwiegend fränkische Höfe.

In der Fährstraße 5 ist ein 1773 entstandenes Türgewände aus Sandstein zu sehen. Die Laibung ist schlicht und glatt. Die Schauseite dagegen ist reich profiliert. Von hier aus bietet sich ein kleiner Abstecher über den Leinpfad in die Carl-Diem-Straße an. Dort steht die Gemeindehalle, die einen wichtigen Platz im öffentlichen Leben des Stadtteils einnimmt.

Von der Carl-Diem-Straße geht der Rundgang über die Hauptstraße zurück zur Kirche. Das nächste Baudenkmal ist ein Hauseingang von 1789 am Gebäude Hauptstraße 90. Die für die Bauzeit typische aufgedoppelte mit Rautenmuster ist anspruchsvoll gearbeitet. Wer jetzt auf die linke Straßenseite wechselt, hat bald einen guten Blick auf die nächsten denkmalgeschützten Objekte.

Auf 1755 datiert das Türgewände am Gebäude Hauptstraße 57, das zu einem ehemaligen Wohn-Stall-Haus gehört. Das Metzgerbeil dokumentiert den Beruf seines Erbauers. Interessant sind auch die Gebäude Hauptstraße 59, 55 und 49. Diese stattlichen und weitgehend unverändert überlieferten Wohnhäuser stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es sind charakteristische Beispiele für Gebäude aus der Wiederaufbauphase nach dem Dreißigjährigen Krieg, alle errichtet unter Verwendung älterer Bausubstanz. Die Gebäude verbinden traditionelle Gefüge- und Gestaltungsmerkmale der Vorkriegszeit mit der im ausgehenden 17. Jahrhunderts aufkommenden Tendenz zur Symmetrie an Gefüge und Fensteranordnung. Gebäude 5e ist das Haupthaus eines bereits 1426 urkundlich erwähnten Pfründhofs des Stuttgarter Stifts, der später Schneiderhof genannt wurde.

Linker Hand, an der Rober-Markovac-Straße liegt übrigens das Neckarweihinger "Rathäusle", eine Außenstelle der Stadtverwaltung Ludwigsburg. Wer Lust hat, kann über die Markovac-Straße, die Neue Straße und die Lechtstraße wieder zurück zum Ausgangspunkt des Spaziergangs laufen. Die Neue Straße, an der auch die Schule liegt, wurde im 19. Jahrhundert angelegt.

Stadtarchiv Ludwigsburg

Wer mehr über die Geschichte und über die denkmalgeschützten Gebäude in Neckarweihingen wissen möchte, kann sich jederzeit an das Stadtarchiv Ludwigsburg wenden. Dort gibt es selbstverständlich auch Informationen über alle anderen Fragen zur Stadtgeschichte.

Adresse und Öffnungszeiten

Mathildenstraße 21
71638 Ludwigsburg
Telefon (07141) 9 10-24 12