Ludwigsburg und Montbéliard gemeinsam für Afrika

Aktuelles zum Projekt in Burkina Faso

2014 ist Ludwigsburg als nachhaltigste Stadt mittlerer Größe ausgezeichnet worden - die Allianz-Umweltstiftung hatte dafür ein Preisgeld von 30.000 Euro ausgelobt, das nun in ein Uferschutzprojekt am Bam-See investiert wurde. Der See liegt in der Sahelzone im Norden von Burkina Faso, nahe der Stadt Kongoussi - Ludwigsburg hat dort bereits mehrere Entwicklungsprojekte eingerichtet und eine Klimapartnerschaft mit der afrikanischen Stadt gestartet. Eine bessere Wasserversorgung ist dabei eines der zentralen Ziele - und der Bam-See ist das einzige natürliche Gewässer im Norden des Landes.

Klimapartnerschaft in der Sahelzone

Das Ludwigsburger Engagement in Burkina Faso geht mit einer Klimapartnerschaft in eine neue Phase, in der es um die gemeinsame Verantwortung für das Klima und die Bekämpfung der Klimafolgen geht.


Das Afrika-Projekt der Partnerstädte

Ludwigsburg und Montbéliard, die ersten beiden deutsch-französischen Partnerstädte in Europa, machen sich stark für Afrika. Anlass dafür war die Aufforderung von Altbundespräsident Horst Köhler „Afrika im Kampf gegen Armut, Aids, Umweltzerstörung und Terrorismus nicht alleine zu lassen“. Dabei wollen wir die bereits vorhandenen Netzwerke und Kontakte nutzen, um gemeinsam zu helfen. Auch alle anderen Partnerstädte Ludwigsburgs haben sich bereit erklärt, das Projekt aktiv zu unterstützen.

Am 26. Juli 2006 unterzeichneten die Oberbürgermeister von Montbéliard und Ludwigsburg sowie Bürgermeister der anderen Partnerstädte in einem feierlichen Akt die sogenannte „Afrika-Deklaration“.

Wie kam es zu dem speziellen Engagement? Nach Rücksprache mit der Deutschen Welthungerhilfe fiel die Wahl auf die Stadt Kongoussi im Norden von Burkina Faso. Kongoussi gehört zu den ärmsten Regionen, die die Welthungerhilfe im Rahmen ihrer Initiative „Millenniumsdörfer“ bereits unterstützt.

In Kongoussi und den dazugehörigen Dörfern der umliegenden Provinz Bam leben rund 70.000 Menschen, die Bevölkerungszahl steigt explosionsartig an. Zwei große Probleme bestimmen aktuell das Leben in Kongoussi: Es gibt zu wenig Wasser und zu wenig Schulen.

Die Schulklassen sind überfüllt, viele Kinder besuchen nur ein oder zwei Jahre die Schule, manche gar nicht, und die in der Landwirtschaft tätige Bevölkerung kann in der Regel weder lesen noch schreiben. In der gesamten Provinz Bam gab es bisher keine Berufsschule. Obwohl Ackerbau aufgrund des Klimas das ganze Jahr über möglich wäre, fehlen Bewässerungsanlagen, weshalb es nur geringe Ernten gibt.

Ludwigsburg ist gebeten worden, zunächst die in Kongoussi vorhandene Grundschule, die bereits aus allen Nähten platzte, durch den Anbau weiterer Klassenräume zu ergänzen, während Montbéliard sich auf landwirtschaftliche Projekte konzentrierte. Die Auswahl der Projekte wurde dabei mit der Deutschen Welthungerhilfe abgestimmt, die als wichtiger Berater und Begleiter fungierte.

Burkina Faso - Grosse Not in kleinem Land

Burkina Faso liegt in Westafrika, unterhalb des Nigerbogens. Der Norden des Landes hat Anteil an der trockenen, wüstenähnlichen Sahelzone, in der nur wenig Viehzucht betrieben werden kann.

Afria - Burkina Faso

Im südlichen Teil des Landes, in der Feuchtsavanne, werden Nahrungsmittel wie Mais und Hirse angebaut. Aber der Mangel an Wasser erlaubt oft nur eine geringe Ernte, so dass die Bevölkerung jedes Jahr erneut ums Überleben kämpfen muss. Burkina Faso wird von der Welthungerhilfe als das drittärmste Land der Welt eingestuft. Über 12,5 Millionen Menschen leben hier in bitterster Armut, davon über eine Million in der Hauptstadt Ouagadougou. Mehr als 87 Prozent der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben.

Seit 1990 sorgen demokratische und relativ stabile Regierungsverhältnisse für eine innenpolitische Ausgeglichenheit, was sich positiv auf das friedliche Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen auswirkt.

Wo wir helfen

Im Rahmen des Afrika-Projekts engagiert sich Ludwigsburg zusammen mit seinen Partnerstädten schon für diese Projekte in Kongoussi, weitere Projekte sollen folgen:

Ausbau der Grundschule von Bango

Das erste Projekt war der Ausbau der Grundschule von Bango, einem Stadtteil von Kongoussi. Dort mussten sich früher 550 Schülerinnen und Schüler fünf Klassenräume teilen. Dank der großen Spendenbereitschaft vieler Ludwigsburger Schulen, Firmen, Vereine und Einzelpersonen konnte die Schule inzwischen erweitert werden.

Mit einem Aufwand von insgesamt 45.000 Euro wurden drei neue Klassenräume hinzugefügt, die Schule erhielt außerdem ein doppeltes Dach, um das Gebäude auf natürliche Weise zu kühlen.

Errichtung einer Bewässerungsanlage: Kampf gegen Armut und Unterernährung

Seit 2008 stattete unsere Partnerstadt Montbéliard eine landwirtschaftliche Nutzfläche von vier Hektar mit Bewässerungsanlagen und Pumpen aus. Zusätzlich wurden landwirtschaftliche Geräte angeschafft, um einen ganzjährigen Gemüseanbau zu ermöglichen. Die 30 Familien, die dieses Gebiet bearbeiten,wurden geschult und in ein Alphabetisierungsprogramm mit aufgenommen.

Montbéliard hat danach ein zweites solches Wasserprojekt auf einer weiteren Parzelle von vier Hektar realisiert. Es ist am 8. Januar 2013, in Anwesenheit einer kleinen Ludwigsburger Delegation mit Erster Bürgermeister Konrad Seigfried an der Spitze, feierlich eingeweiht und den 86 Frauen übergeben worden, die es künftig bearbeiten werden.

Die Frauen werden ebefalls im Anbau geschult, sie erhalten Unterstützung beim Verkauf des angebauten Gemüses und einen Alphabetisierungkurs.

Bau einer beruflichen Schule in Kongoussi

Im August 2011 wurde mit Fördergeldern des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mit dem Bau eines beruflichen Schulzentrums in Kongoussi begonnen. Dieses Projekt ist vom "Förderkreis Burkina Faso e.V." realisiert worden.

Das berufliche Zentrum besteht aus einem Verwaltungsgebäude mit Theorieraum, einem Werkstattkomplex und einer sanitären Anlage.

Hier haben die ersten 20 Lehrlinge, darunter drei Mädchen am 1. Oktober 2011 ihre Ausbildung zu Pumpen- und Zweiradmechanikern begonnen. Die Ausbildung ist auf drei Jahre angelegt, insgesamt können 60 Lehrlinge in dem Zentrum unterrichtet werden.

Die offizielle Einweihung des Berufschulzentrums hat am 7. Januar 2013 in Anwesenheit von Konrad Seigfried, Erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg und Vorsitzender des Förderkreises Burkina Faso, weiteren Vorstandsmitgliedern des Förderkreises sowie Vertretern der Stadt Ludwigsburg stattgefunden.
Auch die deutsche Botschaft von Burkina Faso war mit dem ersten Botschaftsekretär Santhosh Persaud vertreten. Aus Montbéliard sind Eric Lançon, Vize-Präsident der PMA und Gemeinderat der Stadt Montbéliard sowie Laurent Vaté und Agnes Rosetti dabei gewesen.

Perspektiven: Weiterentwicklung

Die Ausstattung der Berufsschule mit geeignetem Material für die Werkstätten, aber auch mit Lehrmaterial in französischer Sprache gehört zu den Aufgaben, die in nächster Zeit bewältigt werden müssen. Montbéliard hat Hilfe bei der Beschaffung von französischen Techniklehrbüchern in Aussicht gestellt. Parallel dazu will sich der Ludwigsburger Förderverein um Patenschaften für die Auszubildenden bemühen, die das Schulgeld nicht bezahlen können.

Seit 2009 unterstützt das Mörike-Gymnasium mit Spenden das Lycée Municipale, unter anderem mit einem Laptop und Fotoapparaten. Für einen direkten Austausch miteinander über das Word Wide Web  fehlt noch eine Internetverbindung. Langfristig wünscht sich das Lycée Municipale außerdem einen Unterrichtsraum mit Computern.

Zentrum für berufliche Bildung

Helfen Sie mit!

Die Afrikaläufe Ludwigsburger Schüler, der alljährliche Verkauf fair gehandelter Mangos aus Burkina Faso, die Rest-Cent-Aktion des Personalrats (Mitarbeiter der Ludwigsburger Verwaltung verzichten auf die Cents in ihrem Gehalt zugunsten des Afrika-Projekts), Benefiz-Konzerte und Verkaufsstände auf dem Weihnachtsmarkt sind wichtige Einnahmequellen.

Auch Sie können sich an der Realisierung von Projekten für Burkina Faso beteiligen, sei es durch Spenden oder durch aktive Mitarbeit. Bitte wenden Sie sich an den "Förderkreis Burkina Faso e.V." Jeder Beitrag kann helfen, die Not in Burkina Faso zu lindern.

Am 29. Juli 2008 wurde der „Förderkreis Burkina Faso e. V.“ gegründet, der die Spendenaktionen und die Durchführung der Projekte koordiniert. Zum ersten Vorsitzenden wurde Altoberbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer gewählt, im Juli 2012 übernahm dann Konrad Seigfried, Erster Bürgermeister der Stadt Ludwigsburg, den Vorsitz. Der Förderkreis trägt nun das komplette Engagement, wird dabei aber intensiv von der Stadt unterstützt und in deren Aktivitäten für weitere Entwicklungszusammenarbeit eingebunden.

Schule
Feldarbeit
Einkauftsasche

Sie können im Rahmen des Afrika-Projekts Angenehmes mit Nützlichem verbinden: Mit dem Kauf hochwertiger Postkarten oder schöner Stofftaschen, verziert mit fröhlich-bunten Motiven gestaltet von Ludwigsburger Schülern, unterstützen Sie die Projekte. Falls Sie weitere Fragen zu den vorgestellten Projekten haben, informieren wir Sie gern ausführlicher. Informationen: Telefon 0 71 41/910-27 50 (vormittags).

Die Initiatoren des Afrika-Projekts

Die beiden Bürgermeister Jacques Hélias, Montbéliard und Werner Spec, Ludwigsburg, stellten die Weichen für die Umsetzung humanitärer Projekte in Kongoussi.

Altbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer (Mitte) konnte als ehrenamtlicher Mentor für die Spendenaktion gewonnen werden.

Er gründete 2008 den Förderkreis Burkina Faso.

Anlässlich eines Besuches in Ludwigsburg 2006 gab Bundespräsident Horst Köhler damals den Anstoss, Afrika im Kampf gegen Hunger und Armut zu unterstützen. Saliou Gueye, der Koordinator für kommunale Entwicklungspolitik und ehemalige Integrationsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, führte seit 2008 jährlich einen Afrikatag durch, dessen Erlös der Projektarbeit in Kongoussi zugute kam.

 

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