Klimapartnerschaft in der Sahelzone

Gemeinsame Verantwortung von Kongoussi in Burkina Faso und Ludwigsburg in Deutschland

Seit 2006 gibt es die trilaterale Kooperation zwischen Ludwigsburg, seiner französischen Partnerstadt Montbéliard und Kongoussi in Burkina Faso. Die beiden europäischen Städte engagieren sich damit in der Entwicklungszusammenarbeit in einem der ärmsten Länder Afrikas. Die Stadt Kongoussi liegt in der Sahelzone im Norden von Burkina Faso und umfasst 57 Weiler und Dörfer mit insgesamt rund 70.000 Einwohnern. Im Kern leben rund 33.000 Menschen. Mit Mitteln aus Ludwigsburg konnten bisher eine Grundschule, ein Ausbildungszentrum für Pumpenbauer und Zweiradmechaniker sowie zuletzt mit privatem Engagement das Nähatelier ZicZac errichtet werden. Montbéliard hat die Bewässerung von Gemüsegärten für 160 Frauen ermöglicht.

Afrikaprojekt

Gemeinsam für Afrika - Ludwigsburg und Montbéliard machen sich für die Stadt Kongoussi im Norden von Burkina Faso stark.


Das Engagement ist nun mit einer Klimapartnerschaft in eine neue Phase eingetreten, in der es um die gemeinsame Verantwortung für das Klima und die Bekämpfung der Klimafolgen geht. Engagement Global, eine von der Bundesregierung geförderte Gesellschaft, ist 2014 mit dem Anliegen an die Stadt Ludwigsburg herangetreten, eine der geplanten 50 Klimapartnerschaften zwischen afrikanischen und deutschen Städten zu entwickeln.

In das erste Projekt der neuen Klimapartnerschaft wurde ein Preisgeld investiert, das Ludwigsburg 2014 bei der Auszeichnung als nachhaltigste deutsche Stadt mittlerer Größe erhielt: Die gesamten 30.000 Euro, die dafür von der Allianz-Umweltstiftung ausgelobt worden waren, gingen an ein Uferschutzprojekt am Bam-See. Dabei wurden auf einer Länge von zehn Kilometern etwa 3.000 Büsche und Bäume gepflanzt, die Hälfte davon Obstbäume.

Herausforderung gemeinsam meistern

16 deutsche Städte, darunter Ludwigsburg, haben sich gemeinsam mit afrikanischen Städten den Herausforderungen des Klimawandels gestellt. Mit Kongoussi wurde ein Handlungsprogramm erarbeitet, das von den beiden Stadtverwaltungen, dem Förderkreis Burkina Faso e.V. und der afrikanischen Partnerorganisation AZND (Assosacion Zood Noma) getragen wird. Im Dezember 2016 wurde dafür die Förderung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bewilligt - ab Januar 2017 werden etwa 400.000 Euro, verteilt über die nächsten drei Jahre, eingesetzt.

Handlungsprogramm ab 2017

Trotz vieler internationaler Programme sind nicht alle Menschen in Kongoussi mit Wasser versorgt, vier Dörfer haben nicht einmal einen Brunnen. Der lebenswichtige Bamsee, der größte natürliche See von Burkina Faso, droht wegen des vielen Staubs in der Luft zu versanden und die Brennstoffnot führt dazu, dass das schon baum- und straucharme, in der Trockenperiode völlig ausgetrocknete Land, noch weiter abgeholzt wird.

„Mit Wasser fängt alles an“, betont Erster Bürgermeister Konrad Seigfried. Wasser ist in der Sahelzone Mangelware, oft hygienisch bedenklich. Dörfer mit bis zu 4.000 Menschen haben einen einzigen Brunnen. Eine bessere Wasserversorgung ist daher eines der zentralen Ziele.

Im Handlungsprogramm, das im Januar 2017 startete, ist festgelegt, dass die am meisten von Wassernot betroffenen Dörfer der Kommune Kongoussi neue Brunnen bekommen sollen. Um genügend Wasser zu erhalten, werden diese Brunnen recht tief gebohrt und erhalten eine mit Sonnenenergie betriebene, wartungsarme Pumpe sowie ein kleines Chateau d‘eau, einen Wasserturm. Bei den neugebauten Brunnen werden Solarpumpen anstelle der herkömmlichen Benzin- und Dieselpumpen eingesetzt. Somit wird ganz auf fossile Brennstoffe verzichtet. Für die Dorfbewohner, die bisher nur hygienisch bedenkliche Schöpfbrunnen oder Brunnen mit Handpumpen kennen, eine völlig neue Perspektive.

Einweihung der Brunnen im Dorf Kiella.

 
 
Der Förderkeis Burkina Faso Ludwigsburg e.V. stellt den Projekt-Dörfern zudem Getreidemühlen zur Verfügung.

Außerdem soll die Hygiene verbessert werden, damit das Grundwasser nicht verschmutzt wird. Durch spezielle Latrinen, die Ludwigsburgs Partnerstadt Montbéliard in einigen Dörfern im Nachbarort Zimtanga bereits praktisch erprobt hat, soll nicht nur das Grundwasser geschützt, sondern auch noch Dünger aus den Fäkalien gewonnen werden. Damit auch die landwirtschaftlichen Erträge verbessert werden, soll zukünftig Biokohle aus Pflanzenabfällen produziert werden. Vermengt mit aus den Latrinen gewonnen Substanzen soll die Düngung auf natürliche Weise verbessert werden. 

Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung

Das Ludwigsburger Stadtentwicklungskonzept und die Projekte der Kommunalen Klimapartnerschaft hängen direkt miteinander zusammen: Ludwigsburg hat als strategisches Ziel ein Klimaschutz- und Energiekonzept für die Stadt festgeschrieben. Und damit schließt sich der Kreis: Eines der Ziele der Partnerschaft ist, das Bewusstsein für die nachhaltige Entwicklung der ländlichen und städtischen Kommune Kongoussi zu schärfen - z.B. durch ein neues Infozentrum, bei dem die Nutzung von Solarenergie, biologischen Düngern und energiesparenden Kochstellen anschaulich präsentiert wird.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir mit diesen Maßnahmen für viele Menschen einen Beitrag zur Existenzsicherung leisten und das Leben in diesen sechs Dörfern nachhaltig absichern", meint Erster Bürgermeister Konrad Seigfried, der zugleich Vorsitzender des Förderkreises Burkina Faso ist.

 

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