Bürgermedaillen für zwei herausragende Persönlichkeiten

Gemeinderat entscheidet sich 2019 für Horst Tögel und Pavel Wessely

Die Stadt ehrt den Sonderschulrektor a.D. Horst Tögel für sein herausragendes Engagement zur Integration von Menschen mit Handicap durch Musik. Sie würdigt Pavel Wessely als einzigartigen Wegbereiter der Städtepartnerschaft mit der tschechischen Stadt Nový Jičín.

Der ehemalige Bürgermeister der tschechischen Partnerstadt Nový Jičín, Pavel Wessely (oben), und der Pädagoge Horst Tögel erhalten 2019 die Bürgermedaille der Stadt Ludwigsburg. (Fotos: Stadt Ludwigsburg/Reiner Pfisterer)

Der Pädagoge Horst Tögel und der ehemalige Bürgermeister der tschechischen Partnerstadt Nový Jičín, Pavel Wessely, erhalten die Bürgermedaille im Rahmen der Stadtgründungsfeier am 10. Mai 2019 im Residenzschloss. Darüber entschieden hat der Ludwigsburger Gemeinderat in seiner Sitzung am 6. Februar.

Horst Tögel (78) hatte in den sechziger Jahren in Esslingen am Pädagogischen Institut studiert. Seine erste Stelle trat er in Eglosheim an der Volksschule an. Er wechselte an die Hilfsschule, die später in Sonderschule umgetauft wurde. Horst Tögel leitete danach eine Schule für Lernbehinderte in Ditzingen und kam in den siebziger Jahren nach Ludwigsburg an die Schule für Schülerinnen und Schüler mit geistigem Handicap in der Brenzstraße.
 
Brenz Band gibt erste Konzerte
 
Der Pädagoge suchte eine Möglichkeit, Zugang und Vertrauen zu seinen Schützlingen zu finden und ihre Begabungen und Fähigkeiten zu fördern. Über das Musizieren fand er sehr schnell einen Weg, sodass die Brenz Band ihren Anfang nahm. Mit schlichten Mitteln und einfachen Instrumenten gelang es sofort, die jungen Menschen zu begeistern. Mit Kazuo, Mundharmonika, Ziehharmonika und Trommel eroberten sie gemeinsam die Welt der Musik und später fast die ganze Welt: Sie gaben früh erfolgreiche Konzerte, zum Beispiel 1981 bei der Einweihung der Schule am Favoritepark in Ludwigsburg und 1985 mit Mitgliedern des Stuttgarter Rundfunks.
 
Horst Tögel sah seine Künstlerinnen und Künstler mit jedem Jahr reifen, musikalisch und menschlich. Längst hatten sie Mozart, Beatles und Beethoven im Repertoire, alles auswendig. Konzertreisen führten die Brenz Band nach Europa, in den Nahen Osten, nach China. Überall machten sie auf die Situation der Menschen mit Handicap aufmerksam und brachen so manche Tabus. Die Auftritte der Brenz Band erhielten zunehmend humanitären Charakter.
 
Pionierarbeit mit Auszeichnungen gewürdigt
 
Die lebensbejahende Art der Brenz Band, Musik zu machen und die selbstbewusste Offenheit im Umgang mit ihrem Publikum sind ein wunderbares Mittel, um Berührungsängste zu beseitigen und den Weg zu öffnen für Toleranz und Respekt vor der Würde des Menschen. Ihr Engagement wurde mehrfach ausgezeichnet: Die Brenz Band erhielt den Karl Mommer Kulturpreis (1999), sie wurden als Künstler der Unesco für den Frieden geehrt (2005), auch der Förderpreis Coopera des Kultusministeriums wurde ihr verliehen (2008). Horst Tögels Pionierarbeit für Integration und Inklusion wurde ebenfalls gewürdigt: 2007 mit der Landesverdienstmedaille, 2013 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der BRD und 2015 mit der Ludwigsburgmedaille.
 
Pavel Wessely gilt als Wegbereiter der Städtepartnerschaft mit der tschechischen Stadt Nový Jičín. Er engagierte sich zudem unermüdlich für die Aufarbeitung der deutsch-tschechischen Vergangenheit und die Versöhnung der Menschen. Der heute 77-Jährige war Zeit seines Berufslebens über die Firma Autopal Nový Jičín der tschechischen Automobilindustrie verbunden. 1990 wurde er als Stadtrat in die Stadtvertretung gewählt und 1994 zum Bürgermeister ernannt. Bis 2002 behielt er dieses Amt, danach war er weiterhin als Stadtrat tätig. 2005 wurde er noch einmal für 15 Monate zum Vizebürgermeister gewählt. Seit 2006 ist er Vorsitzender des Vereins „Landsleute und Freunde von Nový Jičín“.
 
Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen gefördert
 
Pavel Wessely kam zum ersten Mal als Bürgermeister nach Ludwigsburg, wo er an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Frieden nach dem Zweiten Weltkrieg teilnahm. Die Abneigung und Unversöhnlichkeit zwischen den vertriebenen Deutschen (Kuhländlern) und Tschechen war zu jener Zeit noch sehr tief. Wessely gelang es, Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen in ganz besonderer Weise zu fördern. Zunächst entstand für Pavel Wessely der Wunsch, eine Städtepartnerschaft zwischen Ludwigsburg und Nový Jičín zu begründen. Er begann, über die Schulen, Sport- und Musikvereine beider Städte und die Vertriebenenorganisationen die Beziehungen weiter zu intensivieren. Es entstand ein reger Austausch auf vielen Ebenen.
 
Inzwischen ist eine intensive städtepartnerschaftliche Freundschaft gewachsen. In seinem Bestreben, die Versöhnung und Aufarbeitung der Vergangenheit zwischen den ehemaligen deutschen und heutigen, tschechischen Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Nový Jičín voranzutreiben, organisierte und unterstützte er als Vorsitzender der Kommission für Denkmalschutz die Rettung des gemeinsamen europäischen Kulturerbes.
 
Noch heute in der Städtepartnerschaft aktiv
 
Auf dem Friedhof von Nový Jičín ließ er Mahnmale zur gemeinsamen Erinnerung aufstellen. Pavel Wessely verstand es, in diesem Weg der Versöhnung die Kuhländler miteinzubeziehen. In Büchern, Broschüren und Gedenktafeln würdigte er deutsche Künstler und Schriftsteller, die in den Jahren 1945 bis 1990 in Tschechien keine besondere Anerkennung und Beachtung gefunden hatten.
 
Als die Städtepartnerschaft 2012 geschlossen wurde, war Wessely altershalber nicht mehr Bürgermeister, aber er ließ es sich nicht nehmen, seinen Nachfolger Jaroslav Dvorak zur Unterzeichnung der Urkunde nach Ludwigsburg zu begleiten. Noch immer steht er mit Rat und Tat und seinen Deutschkenntnissen zur Seite, wenn Delegationen aus Ludwigsburg nach Nový Jičín kommen oder Gruppen aus der tschechischen Partnerstadt Ludwigsburg besuchen.

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