Informationen zur Stadtbahn

Baubürgermeister Michael Ilk zur Planung

Städtische Stellungnahme zur Planung der Stadtbahn

„Nicht nur wir bei der Stadt, auch das Landratsamt braucht noch Zeit für die Vorplanungen zur Stadtbahn“, erklärt Ludwigsburgs Baubürgermeister Michael Ilk. Beide Behörden benötigten noch bis zu sechs weitere Monate für die Kostenberechnungen.


Am Mittwoch, 9. November 2016, hat Baubürgermeister Ilk über die weiteren Prozessschritte im Gemeinderat informiert. Aus der Bürgerveranstaltung am 12. Oktober 2016, bei der es um den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft zwischen Remseck und Markgröningen ging und drei verschiedene Systeme und auch mögliche Kombinationen vorgestellt wurden, hat die Stadtverwaltung eine Reihe von Aufgaben mitgenommen, die so schnell wie möglich erledigt werden.

So hat die Stadtverwaltung nach der Bürgerveranstaltung zur besseren Einordnung der diskutierten Varianten bereits umgehend eine standardisierte Bewertung des BRT-Schnellbussystems in Auftrag gegeben. Eine solche Bewertung liegt für die Stadtbahnvariante ebenso vor wie für die Niederflurvariante. Um alle drei diskutierten Varianten standardisiert bewerten und damit auf ein vergleichbares Niveau bringen zu können, ist dieser Schritt notwendig.

Vorschläge zu den drei möglichen Varianten

Zudem soll von allen drei Varianten auf einer Teilstrecke eine Visualisierung vorgelegt werden, die es den Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, die Zukunft des Nahverkehrs in ihrer Stadt vor Augen zu haben und dabei auch zu sehen, wie sich das jeweilige System ins Stadtbild einfügt. Die Stadtverwaltung drängt auf eine zügige Erstellung der standardisierten Bewertung, als auch auf eine zügige Erstellung der Visualisierung, um damit eine belastbare Grundlage für eine tiefergehende Diskussion im Gemeinderat und in der Bevölkerung zu haben.

Es ist der Stadtverwaltung wichtig zu betonen, dass sie ausdrücklich nicht einer Variante zugeneigt ist. Sie handelt vielmehr in der Verantwortung, dass dies eine Entscheidung von enormer Tragweite für Ludwigsburg ist. Es geht um die Mobilität der Zukunft und darum, möglichst viele Menschen im Sinne der Umwelt zum Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen. Es geht genauso um die Stadtverträglichkeit und das Bild der Barockstadt, das je nach Variante und möglicher Kombination unterschiedlich tangiert würde. Zu bedenken ist, dass das Erscheinungsbild der Barockstadt im Zweifel enorm betroffen sein wird. Auch über die Folgekosten, die Infrastruktur für Strom- und Wasserleitungen, Eingriffe in Straßenzüge und Verkehrsachsen sowie das heutige und künftige Verkehrsgefüge, muss diskutiert werden

Vergleichbare und belastbare Analysen

Angesichts der Tragweite für die große Kreisstadt Ludwigsburg und ihre Bürgerinnen und Bürger sowie für das Stadtbild und den Nahverkehr der Zukunft hält es die Stadtverwaltung Ludwigsburg für unabdingbar, sich in der Folge der ersten Bürgerveranstaltung die nötige Zeit zur zügigen Erarbeitung vergleichbarer und belastbarer Analysen zu nehmen.

Gehen die Zuschüsse für eine große Stadtbahnvariante dadurch verloren? In diesem Punkt gibt es eine gute Nachricht für das anstehende Verfahren. In einer vom CDU–Bundestagsabgeordneten und Verkehrsexperten Steffen Bilger zugesandten Anfrage an die Bundesregierung zur Zukunft des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes wird von dieser bestätigt, dass „Bund und Länder vereinbaren, die Mittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) im Rahmen der Neuregelung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen ungekürzt über 2019 hinaus fortzuführen“. Dies bedeutet, dass unmittelbar keine Zuschüsse verloren gehen - hier nachzulesen:

Die Ergebnisse der standardisierten Bewertung sollen laut Auskunft des Gutachters bis Mitte 2017 vorliegen. Sobald diese vorliegen, werden sie mit der Visualisierung umgehend dem Gemeinderat und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt.

Infoabend mit vielen Bürgerfragen

Rund 600 Menschen sind am 12. Oktober 2016 ins Reithaus des Film- und Medienzentrums gekommen, um sich über die Planungen einer Stadtbahn-Strecke zwischen Remseck am Neckar, Ludwigsburg und Markgröningen zu informieren.

Das Interesse war sehr groß, sich über die verschiedenen möglichen Systeme zu informieren. Viele nutzten die Möglichkeit, ihre Fragen zu den Stadtbahnvarianten schriftlich zu stellen. Nach und nach werden die insgesamt über 140 Fragen geklärt - die ersten Antworten sind nun hier online zu lesen.

Antworten auf die schriftlich gestellten Fragen

Wie sollen die Bahnsteige an den Haltestellen gebaut werden (Stadtbild) und wie sollen Behinderte einsteigen ohne vorher Hindernisse zu überwinden (lange Rampen)? Bei Niederflur genügt der normale Gehweg.
Eine Detailplanung für die Haltestellen gibt es noch nicht. Beim Hochflursystem ist der Haltestellen-Bau etwas aufwändiger, weil – je nach Lage und Topografie – Rampen gebaut werden müssen. Hier sind städtebauliche und architektonische Lösungen gefragt. Bei Niederflur- und BRT-Systemen geht man von 18 cm hohen Bordsteinen aus.

Wieso müssen die BRT-Busse so groß sein? Sind nicht kleinere, flexiblere Busse für die Innenstädte (Verdichtung) sinnvoller?
Bei einem BRT-System ist man hinsichtlich des Fahrzeugeinsatzes flexibel. Auch so genannte Solobusse mit 12 Metern Länge, wie sie meist in Ludwigsburg zu sehen sind, könnten also die Trassen nutzen. Umgekehrt sind auch Gelenkbusse noch flexibel genug, um in vielen Teilen eine gute Erschließung der Innenstadt sicherzustellen.
Eine Stadtbahn hat jedoch eine höhere Kapazität. Um diese Fahrgastzahlen auch mit einem BRT-System abwickeln zu können, werden größere BRT-Fahrzeuge (Gelenkbusse oder Doppelgelenkbusse) empfohlen.

Warum den Tunnel unter ZOB nicht nutzen? Stadtbahn soll Autos „vermeiden“!
Der Platzbedarf würde ausreichen, um eine Stadtbahn dort hindurch zu führen. Allerdings würde dies zu einer Verdrängung des Pkw- und Busverkehrs führen. Der Innenstadtring wäre damit unterbrochen. Die rund 8.000 Fahrzeuge pro Tag müssten auf andere Straßen, zum Beispiel die Solitudestraße oder die Pflugfelder Straße ausweichen. Die gewünschte Verkehrsentlastung der Innenstadt wäre damit nicht mehr möglich. Die Stadt lehnt vor diesem Hintergrund die Nutzung eines Tunnels unter dem ZOB für die Stadtbahn ab.

Niederflur-Netz nicht stufenweise erweiterbar?
Grundsätzlich sind alle drei Systeme, also Hochflur-, Niederflur- und BRT-System, stufenweise erweiterbar. Im Einzelfall müsste dies aber noch aus technischer, verkehrlicher und wirtschaftlicher Sicht geprüft werden.

BRT: Wie funktioniert die Stromversorgung Batterie?
Sollte es zum Einsatz eines BRT-Systems kommen, ist es unser Ziel, dass die Fahrzeuge elektrisch betrieben werden. Mit welcher Fahrzeug- und Ladetechnik dies sein wird, steht heute noch nicht fest. In Frage kämen eine Schnellaufladung der Batterie tagsüber an bestimmten Haltestellen. Dies könnte mittels im Boden installierten Induktionsplatten erfolgen, oder aber auch von oben, über so genannte Pantografen. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Batterien eine solche Kapazität haben, dass sie den ganzen Tag über fahren können und nach Schichtende im Depot laden. Von diesem technischen Szenario ging auch die BRT-Machbarkeitsstudie aus.

Wie wird die Kostenverteilung bei Realisierung der Hochflurbahn sein? 1. Abschnitt Remseck – LB; 2. LB – Möglingen – Markgröningen, evtl. Zwischenverbindung am Bahnhof. a) Investitionen; b) jährlicher Kostenanteil?
Es gibt noch keine politischen Beschlüsse, wie die Kosten verteilt werden

Wie hoch ist die Kapazität vom BRT (Sitzplätze, Stehplätze)?
Das ist letztlich davon abhängig, für welches Fahrzeugmodell man sich entscheidet. Die heutigen Fahrzeuge beim BRT-System in Straßburg, Mercedes-Benz Citaro G CNG, haben 149 Plätze, davon 49 Sitzplätze. Ein Gelenkbus Mercedes-Benz CapaCity L verfügt über 191 Plätze, darunter 45 Sitzplätze. Der batteriebetriebene Gelenkbus „Exqui.City“ der Firma Van Hool kann 107 Fahrgäste transportieren, darunter 46 auf Sitzplätzen. Der Doppelgelenkbus desselben Herstellers hat eine Kapazität von rund 180 Fahrgästen. Zum Vergleich: Ein SSB-Fahrzeug, Typ S-DT 8.12., kann eine Normalbesetzung von 258 Plätzen (darunter 94 Sitzplätze) aufweisen.

Z.B. Leonberger Straße: Alle 10 m eine Ausfahrt auf der südlichen Seite. Sind da überall Querungen? Wie wird das geregelt?
Grundsätzlich bleiben Ausfahrten auch nach dem Bau einer Stadtbahntrasse nutzbar. Es gibt jedoch noch keine Detailplanung, die zu jeder Ausfahrt eine Aussage macht.

Bekommt BRT Bundeszuschuss? Laut Dr. Haas nicht.
Schnellbussysteme bekommen nach heutiger Gesetzeslage keinen Bundeszuschuss. Zum heutigen Stand wäre dies über eine Landesförderung möglich. Im Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sind der „Ausbau und Umbau von Verkehrswegen und diesen dienenden Infrastrukturen ... insbesondere für integrierte Schnellbussysteme oder Spurbusse“ förderfähig. Der Fördersatz beträgt bis zu 50 Prozent

Wie ist die Lebensdauer eines BRT-Fahrzeuges im Vergleich zur Stadtbahn?
Bei einem BRT-Fahrzeug hängt dies vom Modell und der Laufleistung ab. In der Regel kann man bei Busfahrzeugen eine Einsatzzeit von etwa zwölf Jahren heranziehen. Dies sind auch die üblichen Abschreibungszeiträume. Bei Schienenfahrzeugen ist von einer Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren auszugehen.

Könnte die Bahn straßenbündig durch den Tunnel unter dem Bahnhof fahren?
Was die Größenverhältnisse betrifft, könnte eine Stadtbahn durch den Tunnel fahren. Dies könnte, nach erster Einschätzung, zwar auch in Form einer gemeinsam von Bahn und Kfz genutzten Fläche, also Gleisen auf der Straße, erfolgen. Dann jedoch wäre eine unterirdische Haltestelle dort nicht möglich. Die Haltestelle müsste außerhalb des Tunnels liegen, was wiederum zu längeren Umsteigewegen führt. Eine gemischte Nutzung ist daher nicht sinnvoll.
Die Stadt Ludwigsburg lehnt zudem die reine Nutzung des Tunnels für eine Stadtbahn ab, weil der Tunnel Teil des Innenstadt-Rings ist und die Kfz auf andere (Innenstadt-) Straßen ausweichen müssten. Die gewünschte Verkehrsentlastung der Innenstadt ist nur möglich, wenn der ZOB-Tunnel für den Kfz-Verkehr nutzbar bleibt.

Viele Informationsmöglichkeiten angeboten

Im Mittelpunkt des Abends stand die Information über den Stand der Planungen und die Vorstellung der verschiedenen Systeme. Im Foyer des Reithauses zeigten Pläne die möglichen Streckenverläufe und neuralgischen Punkte, der im Raum stehenden Systeme: Hochflurbahn, Niederflurbahn und BRT - ein stadtbahnähnliches Schnellbussystem. Verkehrsexperten erläuterten auf dem Podium unter anderem die verschiedenen Trassenvarianten, Schnittstellen zum vorhandenen ÖPNV, Machbarkeitsuntersuchungen, Kostenschätzungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen sowie prognostizierte Fahrgastzahlen.

Baubürgermeister Michael Ilk lenkte den Blick auf die kritischen Verkehrspunkte im Stadtgebiet, wo je nach System die Umsetzung baulich sehr schwierig werden könnte. Diese neuralgischen Punkte sind in Ludwigsburg vor allem der Schillerdurchlass, der Zentrale Omnibusbahnhof und der Bahnhof selbst. Jedes der drei Systeme hat Vor- und Nachteile, das zeigte sich erneut. Grundsätzlich möglich sind alle drei. Auch eine Kombination zweier Systeme ist denkbar.

Weitere Bürgerbeteiligung geplant

Dem Infoabend werden sich noch weitere Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten anschließen. Dass das Interesse an einem zukunftsfähigen Ausbau des ÖPNV riesengroß ist, zeigte die große Besucherzahl.

Ausführliche Infos zu den einzelnen Systemen, Pläne und Gutachten sowie Infos zum weiteren Vorgehen und zu Beteiligungsmöglichkeiten wird die Stadt in wenigen Wochen auf einer eigenen Internetplattform geben.

 

Kontakt

Stadt Ludwigsburg
Dezernat III - Bauen, Technik, Umwelt

Martin Scheuermann
E-Mail: m.scheuermann@ludwigsburg.de


Stadt Ludwigsburg
Fachbereich Stadtplanung und Vermessung

Gerhard Ressler
E-Mail: g.ressler@ludwigsburg.de