Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs

Neue Verkehrsmittel für Ludwigsburg und Umgebung

Mobilität im Wandel

Innerhalb eines Jahres legen die Pendlerinnen und Pendler der Stadt Ludwigsburg insgesamt 34 Millionen Arbeitswege zurück. Und mehr als die Hälfte davon mit dem PKW – das hat die Pendlerbefragung im Oktober 2015 ergeben.

Mit Blick auf die eigene Verkehrssituation, die der Nachbarkommunen und der Region Stuttgart, arbeitet die Stadtverwaltung Ludwigsburg seit längerem an einem Konzept für den Öffentlichen-Personen-Nah-Verkehr (kurz ÖPNV), um das bereits gute Angebot zu verbessern, es auf den weiterwachsenden Bedarf anzupassen und seine Attraktivität zu steigern, um PKW Fahrer zum Umstieg zu bewegen.

Alle Beteiligten tragen dabei eine große planerische Verantwortung, da niemand mit Gewissheit sagen kann, wie die Mobilität in 10 oder 20 Jahren tatsächlich aussehen wird.

Zeit für einen Spurwechsel

In der Vergangenheit wurde immer wieder über eine Erweiterung des bestehenden Verkehrsnetzes diskutiert, da sich auch hier in den letzten Jahrzehnten die Bedingungen und Anforderungen an den Öffentlichen Nahverkehr gewandelt haben, nicht zuletzt, da der Landkreis Ludwigsburg zu den attraktivsten Landkreisen Deutschlands gehört und die Kommunen durch die Erschließung von Neubaugebieten kontinuierlich wachsen.

Im Spannungsfeld aus umweltpolitischen Entscheidungen, sich ändernden Mobilitätsbedürfnissen und dem zunehmenden Einsatz neuer und erneuerbarer Technologien haben Stadtverwaltung und Landkreis in den vergangen Monaten ein Konzept entwickelt, das sich in das barocke Stadtbild sowie in die regionale Verkehrslandschaft einfügt und auf den zukünftigen Mobilitätsbedarf ausgerichtet ist.

Dieses Konzept, das oft auch als „Doppelstrategie“ benannt wird, wurde am 3. Mai 2017 einstimmig vom Ludwigsburger Gemeinderat bestätigt. Seitdem arbeiten Stadtverwaltung, angrenzende Kommunen, der Kreis und das Land an der Ausarbeitung des Konzepts.

Was ist die „Doppelstrategie“?

Drei Komponenten

Schon oft wurde über die Wiedereinführung von Personenverkehr auf der für Eisenbahnen gewidmeten Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen diskutiert. Gleichzeitig wuchs das Verkehrsaufkommen innerhalb der Stadt Ludwigsburg sowie den angrenzenden Gemeinden Aldingen und Remseck kontinuierlich.

Auf Basis dieser Bedarfe entstand zunächst das Konzept, die Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg zu reaktivieren. Gleichzeitig sollte aber auch eine zukunftsfähige, moderne und ressourcenschonende Lösung mittels eines BRT- Bussystems für den Bedarf in Richtung des Rems-Murr-Kreises realisiert werden.

BRT-Schnellbussystem „Bus Rapid Transit“

BRT steht für ein Schnellbussystem (engl. „Bus Rapid Transit“), das komfortabler, umweltschonender und aufgrund von teilweise eigenen Busspuren schneller ist als normale Buslinien. Solche BRT-Systeme sind beim Einsatz von längeren Fahrzeugen als Standard-Bussen in der Raumatmosphäre und Größe mit Straßenbahnen vergleichbar, jedoch wesentlich schneller und günstiger umzusetzen, da kein eigener Gleiskörper mit Leitungsverlegungen im Untergrund notwendig ist.

Das BRT-Konzept sieht nicht die Ablösung des bestehenden Bus-Systems vor, sondern ergänzt es sinnvoll um neue Strecken mit größeren, schnelleren und komfortableren Schnellbussen.

Für diese beiden ÖPNV-Komponenten sprechen der nahe Zeithorizont bis zur Realisierung und ein vergleichsweise niedriger Investitionsbedarf. Beide Systeme können in der Theorie innerhalb von 3 bis 5 Jahren realisiert werden.

Die verschiedenen Bausteine der ÖPNV-Strategie

Niederflur-Stadtbahn

Hier kommt nun die dritte Komponente der so genannten Doppelstrategie ins Spiel. Parallel zu der Reaktivierung der Bahnstrecke und der Planung eines BRT-Systems wird ein weiteres Konzept geprüft: die Realisierung einer Niederflur-Stadtbahn.

Diese hat einen wesentlichen Vorteil – die Fahrzeuge sind grundsätzlich in der Lage, auch auf der reaktivierten Eisenbahntrasse zwischen Markgröningen und Ludwigsburg eingesetzt zu werden, könnte aber auch gleichzeitig auf einer eigenen Linie z.B. in Richtung Remseck fahren.

Die Niederflurstadtbahn hat im Vergleich zum heutigen Stadtbus eine sehr hohe Transportkapazität und spielt auf aufkommensstarken Achsen ihre Vorteile aus. Dafür erfordert sie insbesondere im Ludwigsburger Stadtgebiet einen höheren baulichen Aufwand durch den eigenen Gleiskörper und Leitungsverlegungen sowie für die Oberleitungsinfrastruktur. Diese höheren Investitionen und der anzusetzende Zeitraum für Planung, Genehmigungsverfahren, Fördermittelzusagen und den Bau, führen zu einem Zeithorizont zur Realisierung von mindestens 10 bis 15 Jahren.

Die Doppelstrategie ist also ein Konzept, mit einer kurzfristigen Komponente, bestehend aus Reaktivierung Eisenbahnstrecke und BRT-System und einer langfristigen Komponente, der Niederflur-Stadtbahn, die jeweils aufeinander aufbauen und sich ergänzen.

Die Doppelstrategie kurz erklärt:

Die Ludwigsburger Stadtverwaltung hat ein ÖPNV-Entwicklungskonzept für den Kreis und die Region erarbeitet, das aus folgenden Maßnahmen besteht:

  • Kurzfristig soll die Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg reaktiviert und eine mögliche Verlängerung über Kornwestheim hinaus untersucht werden („Anbindung Schusterbahn“).
  • Zeitgleich soll im Stadtgebiet Ludwigsburg und darüber hinaus in Richtung Remseck/Waiblingen eine Netz von Schnellbuslinien (s.g. BRT-System) umgesetzt werden. Diese können teilweise auch auf eigenen Trassen unabhängig vom Individualverkehr verkehren.
  • Mit der Anmeldung eines Stadtbahnnetzes, das nicht mit der Reaktivierung der Bahnstrecke konkurriert, ins GVFG-Bundesprogramm (Gemeinde- Verkehrs-Finanzierungs-Gesetz) sollen weitere Planungsschritte zur Umsetzung eines langfristigen Stadtbahn-Netzes angegangen werden können.

Nutzen der Doppelstrategie

Der Zeitaspekt und die Zukunftsfähigkeit der Komponenten spielen wichtige Rollen bei der Planung und Realisierung des Konzepts. Die Doppelstrategie unterteilt sich in ein 3 bis 5-jähriges und damit kurzfristig umsetzbares Modul und ein 10 bis 15- jähriges und damit langfristiges Planungsmodul.

Um eine zusätzliche Absicherung zu schaffen, wurde vom Ludwigsburger Gemeinderat die Voraussetzung definiert, dass sich die Module der Doppelstrategie nicht gegenseitig ausschließen dürfen, sondern unabhängig voneinander entwickelt und gefördert werden.

Damit existieren Lösungsvorschläge, die eine dynamische Entwicklung berücksichtigen, und das Konzept kurzfristig, schrittweise und kosteneffizient umsetzen lassen. Mit der Doppelstrategie kann das aktuelle ÖPNV Angebot auf die Zukunft ausgerichtet werden und die schrittweise Planung ermöglicht bereits kurzfristig eine Verbesserung der aktuellen Situation.

Das Streckennetz der Zukunft

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist das Streckennetz der beschriebenen möglichen ÖPNV-Komponenten ein zentrales Thema. Größtenteils existieren aktuell Diskussionsstände, aber noch keine finalen Pläne.

Bei der Stadtbahn wurde dieses Jahr zunächst ein Förderantrag auf Bundesmittel gestellt. Dieser wird nun geprüft. Im Anschluss ist die Vorplanung für die Stadtbahn mit den Partnern, dem Landkreis und den Nachbarkommunen, zu finanzieren.

Projektteam und Verantwortlichkeiten

Um den Erfolg des ÖPNV-Konzepts sicherzustellen, wurden bereits frühzeitig alle Beteiligten in die Entscheidungsfindung miteinbezogen und entwickeln gemeinsam und konstruktiv geeignete Lösungen. Am 21. Juni 2017 wurde vereinbart, die Verantwortlichkeiten für die Umsetzung des ÖPNV-Konzepts zwischen der Stadtverwaltung und dem Landkreis aufzuteilen.

Die Stadtverwaltung erarbeitet einen Plan zur Reaktivierung der Eisenbahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg sowie für ein mögliches BRT-Verkehrsnetz. Der Landkreis ist für die Ausarbeitung des Stadtbahn-Projekts verantwortlich.

Da man bei dem ÖPNV-Konzept durchaus von einem Jahrhundertprojekt sprechen kann, ist eine enge Abstimmung aller Beteiligten erforderlich, um bereits von Anfang an eine möglichst genaue Kostenplanung zu erstellen und die hohe Komplexität des Plans zu vereinfachen.

Vorteile für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Landkreises

  • Durch die Reaktivierung der Bahnstrecke könnte die Anbindung von Ludwigsburg nach Stuttgart um die Hälfte verkürzt werden, was ein deutlich attraktiveres Angebot für Pendler darstellt.
  • Die Bahnreaktivierung und ein paralleler Stadtbahnbetrieb schließen sich nicht gegenseitig aus, da beide Lösungen dieselbe Eisenbahn-Infrastruktur nutzen können. Das spart Investitionskosten und damit Steuergelder.
  • Direktverbindungen der Stadtbahn zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg ermöglichen eine umsteigefreie Fahrt von Markgröningen (Festplatz) bis in die Ludwigsburger Innenstadt.
  • Die Nutzung eines BRT-Systems bis in den Rems-Murr-Kreis ermöglicht attraktive Verbindungen und eine Entlastung der Landstraße zwischen Remseck und Ludwigsburg. Hierzu zählt unter anderem auch die Prüfung einer eigenen BRT-Spur von Neckargröningen nach Ludwigsburg.
  • In Zusammenarbeit mit der Stadt Kornwestheim wäre sogar ein interkommunales BRT-Netz vorstellbar, das sich später auch in ein Stadtbahnnetz integrieren ließe.

Voraussichtliche Kosten

In seinem einstimmigen Beschluss vom 03.05.2017 beauftragte der Ludwigsburger Gemeinderat die Stadtverwaltung im Laufe des weiteren Verfahrens die Kosten der einzelnen Varianten darzulegen. Diese sollen aufgeteilt werden, nach Investitionskosten, unterteilt in förderfähig und nicht förderfähig, sowie laufende Kosten.

Darüber hinaus wird die Stadtverwaltung darlegen, wie hoch bei den einzelnen Varianten der mögliche Fördersatz sowie der verbleibende Anteil der Stadt Ludwigsburg sind. Neben den Kosten werden Prognosen zu den jeweiligen Fahrgastzahlen vorgelegt.

Sobald die Planungen genauer sind und konkrete Kostenschätzungen vorliegen, werden diese im Gemeinderat und gegenüber der Bevölkerung präsentiert.

Nächste Schritte

Das weitere Vorgehen sieht zunächst vor, dass Fördermöglichkeiten geprüft und ermittelt und das Konzept genauer abgegrenzt werden.

Es laufen bereits erste vertiefende Untersuchungen für die Reaktivierung der Bahnstrecke sowie für BRT-Infrastruktur. Bei aktuellen Bauvorhaben in Ludwigsburg wird in den vorgesehenen Korridoren bereits die Niederflurstadtbahn planerisch berücksichtigt. Bei der Bahnstrecke sind die Kommunen Markgröningen, Möglingen, Kornwestheim sowie der Landkreis involviert.

Auch erste Fahrbahnkonzepte werden mit den Kommunen und unterschiedlichen Verkehrsbetrieben entwickelt.

In den kommenden Wochen werden Stadtverwaltung und beteiligten Kommunen über unterschiedliche Kommunikationskanäle Details zum Konzept transparent und übersichtlich präsentieren. Aktuelle Planungsstände zu Lösungen und Zeitplänen werden dort erklärt. Gleichzeitig soll auf Fragen und vielleicht auch Sorgen der Bevölkerung noch stärker eingegangen werden. Ziel ist ein offener Dialog über unterschiedlichste Kanäle, um die Menschen der Region Ludwigsburg schon im Vorfeld von Reaktivierung der Bahnstrecke, Umsetzung eines BRT-Systems oder dem Bau eines Stadtbahn-Netzes zum eigenen Spurwechsel zu animieren.

Weitere Informationen

Mehr Unterstützung für Luftreinhaltung gefordert

"Wir wollen alles in die Waagschale werfen, um Fahrverbote zu verhindern", erklärt OB Werner Spec. Er hatte Anfang September beim Spitzentreffen der Kommunen im Bundeskanzleramt konkrete Vorschläge für Maßnahmen gegen Stickstoffbelastung in Ludwigsburg dabei.


Gemeinderat beschließt neues Nahverkehrs-Konzept

Einstimmig hat der Gemeinderat am Mittwoch, 3. Mai 2017, ein neues Konzept zum Öffentlichen Nahverkehr beschlossen und die Doppelstrategie von Ludwigsburg, Nachbarkommunen und Landkreis bestätigt.


Liniennetz für den Stadtbusverkehr ab 2020 verabschiedet

Der Busverkehr in Ludwigsburg wird europaweit ausgeschrieben. Das Busliniennetz, das der Ausschreibung zugrunde liegt, wurde am 21.09.2017 vom Ausschuss für Bauen, Technik, Umwelt beschlossen.


Statement von OB Werner Spec zum ÖPNV-Konzept

Auf der städtischen Online-Plattform "Frag den OB" nimmt Oberbürgermeister Werner Spec Stellung zu einer Bürgerfrage nach dem neuen ÖPNV-Konzept. Der OB  erklärt in seiner Antwort den Vorschlag der Ludwigsburger Stadtverwaltung.


Antworten auf Bürgerfragen

Schriftlich gestellte Bürgerfragen zu den ÖPNV-Konzepten beantwortet

Mehrere hundert Menschen sind zu den Bürgerinfo-Veranstaltungen am 12. Oktober 2016 und am 7. April 2017 gekommen, um sich über die Planungen für den ÖPNV zu informieren und Antworten zu bekommen. Ihre dabei schriftlich gestellten Fragen werden nach und nach hier online beantwortet.


Informationen und Stellungnahmen zur Stadtbahn

Präsentation vom 7. April: Neues ÖPNV-Konzept für Ludwigsburg und Umgebung

Bei der Bürgerinfoveranstaltung am 7. April 2017 zeigt die Stadt eine Präsentation zum aktuellen Stand der möglichen Weiterentwicklung des ÖPNV in Ludwigsburg und Umgebung.


Kombination aus Elektrobussen und Elektrozügen in der Diskussion

Die Stadt Ludwigsburg hat ein neues Konzept für den ÖPNV vorgestellt: Eine Kombination aus Elektrobussystem und neuartigen Elektrozügen. Damit könnten die Menschen in der Region schon in wenigen Jahren einfacher und schneller von A nach B kommen, und das besonders umweltverträglich. Am 7. April ist eine Infoveranstaltung geplant.


Präsentation: Mögliche Entwicklung des ÖPNV in Ludwigsburg

Der Gemeinderat hat im Rahmen einer Klausur am 18. März eine Präsentation zum aktuellen Stand der möglichen Weiterentwicklung des ÖPNV in Ludwigsburg erhalten.


Hintergrund der aktuellen Debatte

Um alle Interessierten mitzunehmen bei dem, was zur Entscheidung ansteht, informiert die Stadtverwaltung zu den momentan wichtigsten Fragen.


Städtische Stellungnahme vom 5. Dezember 2016

„Nicht nur wir bei der Stadt, auch das Landratsamt braucht noch Zeit für die Vorplanungen zur Stadtbahn“, erklärt Baubürgermeister Michael Ilk. Beide Behörden benötigten noch bis zu sechs weitere Monate für die Kostenberechnungen.


Information im Gemeinderat am 9. November 2016

Baubürgermeister Michael Ilk hat am 9. November 2016 über die weiteren Prozessschritte im Gemeinderat informiert.


Bürgerinfoveranstaltung am 12. Oktober 2016

Rund 600 Menschen kamen ins Reithaus des Film- und Medienzentrums, um sich über die Planungen einer Stadtbahn-Strecke zwischen Remseck und Markgröningen zu informieren.


 

Kontakt

Stadt Ludwigsburg
Fachbereich Stadtplanung und Vermessung

Sascha Behnsen
s.behnsen@ludwigsburg.de

Downloads

Beschlüsse des Gemeinderats zum ÖPNV-Konzept