Neuzugänge und Erschließung

Historisches Schriftgut in der Liedertafel im Stadtarchiv

Die Unterlagen der Liedertafel wurden durch die FSJ-Dienstleistende Lena Häfele erschlossen. Mitglieder der Liedertafel überzeugten sich im Stadtarchiv von der fachgerechten Aufbewahrung des Bestands und lernten gleichzeitig das Stadtarchiv näher kennen.

Erinnerungsstück des jüdischen Ludwigsburgs

Die Stolperstein-Initiative Ludwigsburg hat dem Stadtarchiv ein Herbarium des aus Ludwigsburg stammenden Harry Grenville (Heinz Greilsamer) überreicht.

Ausschnitt aus dem Herbarium

Kunstvoll arrangierte getrocknete Blüten und Blätter: Gudrun Karstedt und Christian Rehmenklau von der Stolperstein-Initiative Ludwigsburg übergeben Stadtarchivar Simon Karzel (Mitte) das Herbarium Harry Grenvilles. (Foto: Stadt Ludwigsburg)

Unter einem Herbarium versteht man eine Sammlung meist getrockneter und gepresster Pflanzen. Das Büchlein mit dem Titel „Blumen des Heiligen Landes“ enthält getrocknete Blüten und Blätter, die kunstvoll arrangiert wurden.
 
Die jüdische Familie Greilsamer wurde während der Zeit des „Dritten Reichs“ auseinandergerissen. Heinz Greilsamer entkam dem nationalsozialistischen Terror im Sommer 1939 mittels eines Kindertransports nach England. Dort fanden er und seine Schwester Hannah im Haus der Familie Jago in Camelford/Cornwall Aufnahme. Die Eltern überlebten den Holocaust nicht und sahen ihre Kinder nie wieder. Heinz Greilsamer änderte seinen Namen in Harry Grenville.
 
Eines der wenigen Erinnerungsstücke, das Harry Grenville aus Deutschland mitnahm, war ein kleines Büchlein mit gepressten Pflanzen und einem schönen Nussbaumdeckel. Es gehörte ursprünglich seiner Tante Florina Ottenheimer, die im Rahmen des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms ermordet wurde. Solche Herbarien waren während der vorletzten Jahrhundertwende beliebt. Ziel war es aber nicht, Pflanzen unter botanischen Gesichtspunkten zu sammeln, sondern zu einzelnen Orten Palästinas getrocknete Blumen und Blätter zu kunstvollen Ornamenten zusammenzusetzen.
 
Als Harry Grenville das Erinnerungsstück zufällig beim Aufräumen wieder fand, schickte er es der Stolperstein-Initiative Ludwigsburg und schrieb dazu: „Auf alle Fälle gehört das Büchlein zu Ludwigsburg, vielleicht in das Stadtarchiv oder die Akten der Stolperstein-Initiative."
 
Harry Grenville war einer der wenigen jüdischen Bürger Ludwigsburgs, die den Holocaust überlebt haben. Er ist am 6. November 2018 im Alter von 92 Jahren in England gestorben. Die Stolperstein-Initiative nimmt dies zum Anlass, dieses letzte Erinnerungsstück aus dem Besitz der Familie Greilsamer/Ottenheimer dem Stadtarchiv Ludwigsburg zu übergeben.
 
Stadtarchivar Dr. Simon Karzel zeigte sich hoch erfreut: „Dies ist auch vor dem Hintergrund bemerkenswert, da es kaum noch Erinnerungsstücke an das einst florierende jüdische Leben in Ludwigsburg gibt.“

Weit mehr als nur eine Fahne

Vereinsfahne Liederkranz Pflugfelden im Stadtarchiv Ludwigsburg

Der Liederkranz Pflugfelden, der inzwischen unter dem Namen Pflugsingers auftritt, hat dem Stadtarchiv Ludwigsburg seine Vereinsfahne aus dem Jahr 1906 anvertraut. Die beiden Vorsitzenden Brigitte Braun und Petra Schöck übergaben Stadtarchivar Dr. Simon Karzel neben der Fahne auch Protokollbücher, Fotografien und andere Unterlagen zur Vereinsgeschichte. Die Unterlagen geben Einblicke in die über hundertjährige Geschichte des Vereins und spiegeln einen Teil der Kultur- und Vereinsgeschichte Pflugfeldens wider.

Musik im Stadtarchiv

Gruppenfoto Ludwigsburger Musikgeschichte im Stadtarchiv

Ein Teil der Ludwigsburger Musikgeschichte ist jetzt dauerhaft im Stadtarchiv Ludwigsburg verwahrt. Die Unterlagen des Eglosheimer Kirchenchors, darunter auch alte Protokollbücher, die Aufschluss über die lange Geschichte des Vereins geben, sind seit kurzem unter bestimmten datenschutzrechtlichen Bedingungen für die Allgemeinheit zugänglich. Im Mai 2017 und Februar 2018 haben Waltraud Binder und Dorle Ullrich dem Stadtarchiv zahlreiche Akten, Fotos und Urkunden zur Erschließung übergeben. Die Unterlagen bleiben Eigentum des Vereins, wurden aber als Depositum zur dauerhaften Verwahrung dem Stadtarchiv anvertraut.

Das gesamte Schriftgut wurde inzwischen fachgerecht in säurefreie Umschläge und Kartons verpackt und von allen potentiell schädigenden Materialien wie Büroklammern oder Klarsichtfolien befreit. Im klimatisierten Magazin des Stadtarchivs sind die Unterlagen vor Gefahren wie Feuer, Nässe oder Schimmel bestens geschützt und können so für die Nachwelt erhalten werden. Mitglieder des Vereins überzeugten sich letzte Woche von der sicheren Verwahrung der Vereinsunterlagen und lernten bei dieser Gelegenheit das Stadtarchiv kennen.

Der Kirchenchor Eglosheim wurde 1888 als gemischter Männer- und Frauenchor gegründet und kann auf 130 Jahre musikalischen Gemeinschaftssinn und über ein Jahrhundert aktive Vereinsarbeit in Eglosheim zurückblicken. So manche Eglosheimer Familie ist dem Kirchenchor seit mehreren Generationen verbunden. Die Lieder, die gemeinsam gesungen werden, entstammen der älteren und neueren Kirchenmusik. 1988 wurde dem Chor anlässlich seines 100-jährigen Bestehens für besondere Verdienste um die Pflege der Chormusik und der Förderung des kulturellen Lebens die „Zelterplakette“ verliehen. Andere Ludwigsburger Vereine sind herzlich dazu eingeladen, ihre historischen Unterlagen ebenfalls im Stadtarchiv aufbewahren zu lassen.

Historische Unterlagen des TV Pflugfelden im Stadtarchiv

Stadtarchivleiter Dr. Simon Karzel (links) übergibt Martin Müller, Vorsitzender des TV Pflugfelden, das Findbuch und zeigt die neu verpackten Unterlagen.

Für sportgeschichtlich interessierte Bürgerinnen und Bürger sind die historischen Unterlagen des TV Pflugfelden jetzt im Stadtarchiv Ludwigsburg zugänglich. Im Frühjahr 2016 hatte der Verein die zahlreichen Akten, Fotos und Urkunden dem Stadtarchiv zur Erschließung übergeben. Die Unterlagen bleiben dabei Eigentum des Vereins, wurden aber zur dauerhaften Verwahrung dem Stadtarchiv anvertraut.

Diplom-Archivarin Regina Witzmann hat jetzt ein Findbuch erstellt, mit dem Sportinteressierte einen schnellen Überblick über die alten Dokumente des Vereins bekommen können. Wer sich mit der Geschichte des über hundert Jahre alten Vereins beschäftigen möchte, findet hier umfangreiches Recherchematerial. Das gesamte Schriftgut wurde fachgerecht in säurefrei Umschläge und Kartons verpackt und von allen potentiell schädigenden Materialien wie Büroklammern oder Klarsichtfolien befreit. Im klimatisierten Magazin des Stadtarchivs sind die Unterlagen vor Gefahren wie Feuer, Nässe oder Schimmel bestens geschützt. Andere Vereine sind herzlich eingeladen, ihre historischen Unterlagen ebenfalls im Stadtarchiv verwahren und erschließen zu lassen.

Modell für alle Ludwigsburger Vereine

Im Bild (von links): Heinz Schopf, Simon Karzel und Martin Müller.

Erster Vorsitzender Martin Müller und Kassenprüfer Heinz Schopf haben im April 2016 dem Leiter des Ludwigsburger Stadtarchivs, Dr. Simon Karzel, das Archiv des TV Pflugfelden zur dauerhaften Aufbewahrung übergeben. Zusammen mit dem langjährigen Vorsitzenden Hans-Ulrich Hahn wurden Dachboden, Keller und Katakomben der Turnhalle nach archivwürdigen Materialien durchforstet. Mehrere Archivkartons, Ordner, Wimpel und vor allem Fotografien nahmen Stadtarchivar Karzel und seine Stellvertreterin Regina Witzmann mit in die Mathildenstraße 21, wo sich seit inzwischen fünf Jahren das neue Stadtarchiv befindet.

Mit der Übergabe der Unterlagen sind die wichtigen Dokumente nicht aus der Welt. Im Stadtarchiv werden die Archivalien verzeichnet, damit sie sowohl für den Verein als auch für andere Sportinteressierte leichter zugänglich sind. Am Ende der Erschließung der Unterlagen steht das sogenannte Findbuch. Die gewünschten Informationen können so zukünftig noch schneller gefunden werden. Außerdem werden die Materialien fachgerecht verpackt, um sie vor Witterungseinflüssen und anderen Gefahren besser zu schützen. Büroklammern, die mit der Zeit rosten und das Papier schädigen, werden entfernt. Das Schriftgut wird in säurefreie Materialien eingepackt, damit auch die Nachwelt sich von der Geschichte des Vereins noch ein Bild machen kann.

Der Vorgang soll laut Archivleiter Karzel Modellcharakter für andere (Sport-)vereine in Ludwigsburg haben: Gerade der städtische Sport hat bisher bei der Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte wenige Beachtung gefunden. Dies soll sich zukünftig ändern: Das Stadtarchiv Ludwigsburg bietet allen Ludwigsburger Vereinen an, gemeinsam mit dem Stadtarchiv deren historisch wertvolle Materialien zu sichten und gegebenenfalls für eine dauerhafte Nutzung und Erhaltung zu erschließen. Gern berät das Stadtarchiv nach Terminvereinbarung alle interessierten Vereine.

Praktikum zum "Giftschrank" des Stadtarchivs

Die Studentin Laura Weiß untersuchte während eines zweiwöchigen Praktikums im Stadtarchiv Ludwigsburg viele Sonderausgaben von Zeitungen und Zeitschriften aus der NS-Zeit.

Das nationalsozialistische Gedankengut, geprägt von menschenverachtenden Theorien, sollte durch Propaganda-Schriften während der NS-Zeit auch Kindern und Jugendlichen vermittelt werden: Das konnte die Studentin Laura Weiß erfahren. Sie untersuchte dazu während eines zweiwöchigen, studienbegleitenden Praktikums im Stadtarchiv Ludwigsburg viele Sonderausgaben von Zeitungen und Zeitschriften aus der NS-Zeit. Das Stadtarchiv verwahrt diese Schriften der nationalsozialistischen Presse in seinem Giftschrank. Als besonderes Erschließungsprojekt im Rahmen des Praktikums war Laura Weiß die Aufarbeitung dieser Unterlagen für das Archiv anvertraut worden.

Ein Ergebnis ihres Projekts: Die verschiedenen Zeitschriften zeigen auf bildhafte Art und Weise die Propaganda der NS-Zeit und den Kriegsablauf aus der Sicht eines instrumentalisierten Mediums. Angefangen bei den Texten der Zeitungen bis zu den Bilderrätseln für Kinder ist der Einfluss von nationalsozialistischen Vorstellungen deutlich erkennbar. Dazu gehören nicht nur Ausgaben mit regionalem Bezug, sondern auch landesweite Druckerzeugnisse des NS-Regimes, wie die Zeitschrift der Luftwaffe „Der Adler“ in deutsch- und englischsprachigen Ausgaben, die Frauenzeitschrift der NSDAP „Frauen-Warte“  oder diverse Exemplare des „Illustrierten Beobachters“ mit einem hohen Gehalt an suggestiven Bildern und faschistischen Texten.

Idealisierte Bilder

Einige der Exponate lassen sich als anschauliches Lehrmittel für den Unterricht zum Behandeln des Themas „Zeitung“ und zum Verdeutlichen der Propagandamethoden der Nationalsozialisten verwenden: Beispielsweise die Schülerzeitschrift „Hilf Mit!“, die nicht von Schülern, sondern vom NS-Lehrerbund herausgegeben wurde. In dieser Zeitschrift, die besonders Kinder und Jugendliche ansprechen sollte, entwarf die NS-Propaganda das idealisierte Bild einer Kindheit in den 30er und 40er Jahren und zeichnete ein sehr positives Bild des Krieges.

Die Artikel reichen von Tipps für die Soldatenkarriere, über Berichte von Freizeiten mit Besuch von hochrangigen NSDAP-Mitgliedern bis hin zu antisemitischer Hetze und tendenziösen Portraits von Personen oder Ländern. Garniert wurden die Hefte mit Rätseln, Witzen, kleinen Comics und Heldengeschichten, die teils unterschwellig, teils ganz offensichtlich die Ansichten und Parolen der NSDAP ihrer jungen Leserschaft vermitteln sollten. Die Originale der Ausgaben können nach Anmeldung mit Angabe eines berechtigten Interesses im Lesesaal des Stadtarchivs eingesehen werden.

Frauenforum übergibt Dokumente an das Stadtarchiv

Gruppenfoto ehemalige Mitglieder Frauenforum
Die ehemaligen Mitglieder des Frauenforums bei der Übergabe ihrer Dokumente an den Leiter des Stadtarchivs Simon Karzel.

Das Frauenforum hat sich aufgrund des vielfältigen Engagements seiner Mitglieder in verschiedenen anderen Organisationen aufgelöst. Damit nach der Auflösung auch zukünftigen Generationen eine Auseinandersetzung mit dem engagierten Wirken des Vereins möglich ist und die Unterlagen der Öffentlichkeit zugänglich bleiben, haben die ehemaligen Vorstandsfrauen Ursula Kunz, Kate Inglis-Meyer, Ursula Schmälzle, Bettina Klein-Schneider, Maria Rabus und – nicht auf dem Foto – Brigitte Seiferheld und Bettina Weidenbach elf Aktenordner Schriftgut des Vereins an den Leiter des Stadtarchivs Simon Karzel übergeben. Die Unterlagen werden nach inzwischen erfolgter Bewertung durch das Stadtarchiv dauerhaft für die Nachwelt aufbewahrt.
 
Das Frauenforum Ludwigsburg hat sich um die Gleichstellung der Frau in Ludwigsburg verdient gemacht. Über mehrere Jahrzehnte war es ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens der Stadt Ludwigsburg. Als Stadtverband von Frauenorganisationen und Einzelpersonen hat das Frauenforum sich seit seiner Gründung Anfang der 90er Jahre dafür engagiert, die politischen Anliegen von Frauen in Ludwigsburg zu formulieren, ihnen mehr Nachdruck zu verleihen und zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen beizutragen. Frauen aus verschiedenen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Gruppen vernetzten sich im Frauenforum und planten Aktionen und Veranstaltungen. In der Anfangszeit wurde das Frauenforum durch die ehemalige Ludwigsburger Bürgermeisterin Gisela Meister-Scheufelen gefördert. Die Kontakte des Frauenforums gingen über Deutschland hinaus und erstreckten sich bis auf die Krimhalbinsel in die Partnerstadt Jevpatorija. Die Unterlagen des Frauenforums Ludwigsburg sind unter Beachtung der archivischen Schutzfristen im Stadtarchiv Ludwigsburg einzusehen.

 

Kontakt

Stadtarchiv Ludwigsburg
Mathildenstraße 21
71638 Ludwigsburg
Telefon: 07141 910-2412
stadtarchiv@ludwigsburg.de

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Das Stadtarchiv bietet die Möglichkeit, Praxiserfahrung in einem vielfältigen Berufsfeld zu sammeln.