Virtuelle Ausstellung zur Städtepartnerschaft Ludwigsburg – Montbéliard

Projekt des Deutsch-Französischen Instituts mit Zeitzeugen

Friede, Respekt, Toleranz, Freiheit bekommen in diesen Tagen - nach den Attentaten von Paris und weiterhin drohenden Gewalttaten - ein ganz neues Gewicht, wenn Deutschland und Frankreich gemeinsam für diese Werte einstehen. Marie-Noelle Biguinet, Bürgermeisterin von Montbéliard, betonte dies schon anlässlich der Eröffnung der „Virtuellen Ausstellung zur Städtepartnerschaft Ludwigsburg – Montbéliard“ am 15. Januar 2015 im Deutsch-Französischen Institut (dfi) in Ludwigsburg. Für sie ist die Partnerschaft der Bezugspunkt, um ein Europa der Bürger zu schaffen, das auf gegenseitigem Verständnis, auf Dialog aufbaut und den jeweils Anderen in seiner Differenz akzeptiert.

Was das konkret bedeutet, zeigen die Interviews, die Schüler einer elften Klasse des Goethe Gymnasiums Ludwigsburg und einer neunten Klasse des Collège Guynemer Montbéliard mit 13 Zeitzeugen über die 1950 begründete Partnerschaft geführt haben. Mit zwei Ausnahmen waren alle Beteiligten an den Interviews unter den rund 75 Gästen im dfi, freundlich begrüßt und begleitet von dfi-Direktor Frank Baasner, Oberbürgermeister Werner Spec und dfi-Projektleiter Martin Villinger.

Wie kann das Erbe dieser Städtepartnerschaft an die nächste Generation weiter gegeben werden? Die Stadtarchive Ludwigsburg und Montbéliard und das dfi haben zur Unterstützung zahlreiche Dokumente und Materialien zusammengetragen, ständig abrufbar im „digitalen Lesesaal“ (http://ludwigsburg-montbeliard.bsz-bw.de). Broschüren, Zeitungsartikel und Reden sind hier verfügbar. Gemeinsam mit den Stimmen der Zeitzeugen, die diese Geschichte gestaltet haben, sind sie als Rüstzeug für die nächste Generation gedacht und können in der virtuellen Ausstellung eingesehen werden: http://zeitzeugen-ludwigsburg-montbeliard.de. Für Oberbürgermeister Werner Spec zeigen die beiden Vorhaben einmal mehr, dass Montbéliard und Ludwigsburg den 2200 nachfolgenden Städtepartnerschaften Impulse geben können. Lehrer, Schüler, Sozialarbeiter, Fußballspieler, Wohnwagenbesitzer, Taubenzüchter, Feuerwehrleute, Polizeibeamte und viele andere mehr haben am großen Projekt der Versöhnung und Verständigung mitgewirkt. Unzertrennbar wie Goethes Blatt des Gingko-Baums, das Jean-Claude Voisin, Montbéliards langjähriger Beauftragter für die Zusammenarbeit mit Ludwigsburg, in seinen kleinen Vortrag eingeflochten hatte.

Möglich wurden der digitale Lesesaal mit 2000 Dokumenten zur Stadtgeschichte und die virtuelle Ausstellung mit den Zeitzeugeninterviews dank der finanziellen Unterstützung durch die Bürgerstiftung Ludwigsburg und die Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse Ludwigsburg. Weitere Mitwirkende waren die Stadtarchive Ludwigsburg und Montbéliard, ein Studierender der Filmakademie Ludwigsburg und die Hochschule der Medien in Stuttgart.

„Zeitzeugen Ludwigsburg – Montbéliard“

Im Rahmen des Projektes haben 13 Akteure der Partnerschaft, die das gemeinsame Vorhaben in unterschiedlichen Funktionen und während verschiedener Phasen mitgestaltet haben, mit deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern über ihre Austauscherinnerungen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse gesprochen.

Die Interviews wurden gefilmt, mit deutschen bzw. französischen Untertiteln versehen und zu insgesamt 74 kurzen Filmsequenzen mit einer Gesamtlänge von knapp 150 Minuten geschnitten.

Einig waren sich alle Zeitzeugen darin, dass die Städtepartnerschaften nach dem II. Weltkrieg einen großen Beitrag zur Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen geleistet haben. "Es war auf jeden Fall der Mühe wert" äußerte z.B. Etienne Mallard vom französischen Chor le Diairi. Aber, so der ehemalige Kulturamtsleiter Ludwigsburg Eckhard Wulf: „Die Exotik des Anfangs ist in der deutsch-französischen Beziehung und nach Montbéliard nicht mehr da." Ein weiteres Problem sieht Daniel Hauger in der schwindenden Bereitschaft Jugendlicher sich auf Vereinsebene zu engagieren: „Unser eigentliches Problem ist nicht, wie es zwischen Frankreich und Deutschland weitergeht, sondern junge Menschen zu finden, die sich in einem Verein wie dem unseren einsetzen wollen.“ Vor diesem Hintergrund rief Otfried Ulshöfer, Oberbürgermeister Ludwigsburgs, die Jugendlichen auf, sich über die Zukunft der Partnerschaft Gedanken zu machen: "Die Alten werden alt, wie Sie an mir sehen und deshalb ist es notwendig, dass die jungen Menschen mit dieser Idee vertraut gemacht werden, dass sie erfahren, wie es zu dieser Partnerschaft gekommen ist, dass sie sich aber auch Gedanken machen können, aus ihrer Lebenswelt heraus, aus ihrem Umfeld und aus ihren Problemen heraus, dass sie sich Gedanken machen: "Was können wir jetzt dazu beitragen, dass diese Städtepartnerschaft so weiter geht?"

Im Rahmen eines Seminars an der Hochschule der Medien wurde im Wintersemester 2014/15 die virtuelle Ausstellung zur Städtepartnerschaft Ludwigsburg-Montbéliard entwickelt. Sie präsentiert die Interviews und ergänzt sie mit inhaltlich passenden Dokumenten aus dem digitalen Lesesaal zur Städtepartnerschaft. Der Besucher kann sich die Inhalte der virtuellen Ausstellung sowohl über acht thematische Einstiege – z.B. „Schulaustausch“ oder „Kultur- und Bürgeraustausch“ – als auch über eine „Zeitleiste“ erschließen. In der Zeitleiste sind Meilensteine der Partnerschaft, wie der erste Schüleraustausch 1959, der offizielle Abschluss der Partnerschaft 1962 oder die gemeinsame Bepflanzung eines Weinbergs in Montbéliard 2008 aufgeführt.

Neben diesen Großereignissen werden aber auch viele kleinere Begegnungen der Bürger beider Städte berücksichtigt, die eine lebendige Partnerschaft ausmachen. Dazu wurden Ereignisse ausgesucht, die sich auf jahrelang andauernde Austauschaktivitäten beziehen, wie z.B. die Camper-Treffen, die internationalen Technologieklassen oder der in den 70er-Jahren begonnene Verwaltungsaustausch.