Otfried Ulshöfer gestorben

Er war von 1968 bis 1984 Ludwigsburgs Oberbürgermeister

Der ehemalige Ludwigsburger Oberbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer ist gestorben. OB Dr. Matthias Knecht würdigte ihn als Persönlichkeit, die Ludwigsburg entscheidend geprägt hat. Ein Kondolenzbuch ist ausgelegt.

Portrait-Bild von Otfried Ulshöfer in schwarz-weiß.
Dr. Otfried Ulshöfer im Jahr 2007 bei der Verleihung der Bürgermedaille. (Foto: Stadt Ludwigsburg)

Der ehemalige Ludwigsburger Oberbürgermeister Dr. Otfried Ulshöfer ist am Montag, 26. Juli 2021, verstorben. Er wurde 90 Jahre alt. „Otfried Ulshöfer war eine herausragende Persönlichkeit, der die Stadt Ludwigsburg entscheidend geprägt hat. Er engagierte sich weit über seine Dienstpflichten hinaus für das Wohl der Stadt und ihrer Bürgerschaft“, so Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. „Otfried Ulshöfer ist mir schnell zum Freund geworden. Ich werde ihn als überaus herzlichen, tatkräftigen und bürgernahen Menschen in Erinnerung behalten. Meine Gedanken sind jetzt bei seiner Familie, insbesondere bei seiner Frau. Leider hat die Corona-Pandemie Besuche schwer gemacht. Ich hätte gerne viel mehr Zeit mit ihm verbracht.“

Otfried Ulshöfer leitete die Geschicke Ludwigsburgs über zwei Amtszeiten hinweg – von 1968 bis 1984. Seine außergewöhnlichen Leistungen zum Wohl der Stadt und seiner Menschen wurden mit der Ludwigsburger Bürgermedaille und dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt.

„Otfried Ulshöfer hat früh erkannt, wie wichtig es ist, die Bürgerinnen und Bürger bei der Weiterentwicklung der Stadt zu beteiligen. Er stand für eine bürgerfreundliche Verwaltung, bot Bürgersprechstunde und Bürgertelefon an, lud zu Bürgerversammlungen ein“, so OB Knecht. „Das alles war wegweisend für die späteren Amtsinhaber.“

Mit großer Mehrheit wiedergewählt

Otfried Ulshöfer, promovierter Jurist, war zunächst wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut, ehe er zum Ministerium für Entwicklungshilfe nach Bonn ging. Dort arbeitete er unter anderem als Persönlicher Referent des Ministers. Am 17. November 1968 wählten ihn die Ludwigsburger Bürgerinnen und Bürger zum Oberbürgermeister der Stadt. Am 7. November 1976 wurde er mit der überwältigenden Mehrheit von 80,5 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt.

Durch den Bau einer Fußgängerzone im Herzen Ludwigsburgs und die Belebung des Einzelhandels setzte Ulshöfer auf eine attraktive Innenstadt. In seiner Amtszeit wurden bestehende Schulen wesentlich erweitert, begann der Neubau des Bildungszentrums West. Ulshöfer setzte sich auch für den Sport ein. Das Ergebnis waren zahlreiche neue Sportanlagen und Hallen.

Bau des Forums

Otfried Ulshöfer lag zudem am Herzen, das Bildungsangebot für die Ludwigsburger Bevölkerung zu erweitern. Hier ist vor allem auf den Ausbau der Stadtbibliothek und die Jugendmusikschule hinzuweisen. Sein großes kulturelles Verdienst ist die Förderung der Schlossfestspiele. Nicht zuletzt der Bau des Forums am Schlosspark ist untrennbar mit seinem Namen verbunden. Gemeinsam mit seinem Ersten Bürgermeister Hans-Joachim Schäfer und weiteren Mitstreitern setzte er sich für eine Lösung mit zwei Sälen ein und schuf damit die Voraussetzungen für den Bau der Veranstaltungsstätte, die 1988 eröffnet wurde und den Schlossfestspielen eine Heimat gab.

Daneben hat sich Ulshöfer wesentlich um den Ausbau der Beziehungen zu den Partnerstädten Montbéliard (Frankreich) und Caerphilly (Wales) verdient gemacht. Er hatte eine Vielzahl an Ämtern inne, unter anderem als Vorsitzender des Städtetags Baden-Württemberg und Kreisrat des Landkreises Ludwigsburg.

Nach Ende seiner zweiten Amtszeit 1984 wechselte der gebürtige Göppinger als Personalgeschäftsführer zu Wüstenrot. Im Namen der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit beriet er als Leiter von Kommunalprojekten von 1990 bis 1993 die indonesische Regierung bei deren Vorhaben, die Verwaltung zu dezentralisieren.

Großes Engagement für Burkina Faso

Herausragend war Ulshöfers Engagement auf dem Gebiet der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit im afrikanischen Burkina Faso. Ludwigsburg und Montbéliard verpflichteten sich 2006, die dortige Stadt Kongoussi im Kampf gegen Armut und Analphabetismus zu unterstützen. So sollte die dortige Grundschule um drei Klassen erweitert werden. Auf Bitte des damaligen OB Werner Spec setzte sich Ulshöfer für die Finanzierung des Schulbaus ein. Er startete zahlreiche werbewirksame und kreative Spendenaktionen, um das Afrika-Projekt in Ludwigsburg bekannt zu machen. Mit großem Erfolg. Auch viele Ludwigsburger Schulen beteiligten sich mit Spenden. Ende 2007 eröffnete Ulshöfer die Grundschule im Rahmen seiner ersten Reise nach Kongoussi.

Um das nächste Projekt in Kongoussi zu realisieren, leistete Ulshöfer Pionierarbeit. Für den Bau einer Berufsschule gründete er 2008 den Förderkreis Burkina Faso, dessen Vorsitz er übernahm. 2012 übergab Ulshöfer den Vorsitz an den damaligen Ersten Bürgermeister Konrad Seigfried. Ulshöfer hatte die wichtigsten Grundsteine für das Engagement in Burkina Faso gelegt.

Die Stadt Ludwigsburg hat im Rathaus-Foyer zum Gedenken an Otfried Ulshöfer ein Kondolenzbuch ausgelegt, in das sich die Bürgerinnen und Bürger bis Freitag, 6. August, eintragen können. (red)