Bergamo ist Ludwigsburgs neue Partnerstadt

Verwaltung und Gemeinderat geben ein klares Bekenntnis zu Europa

OB Knecht (links) und Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori bei der Unterzeichnung der Partnerschafts-Urkunde am Freitagabend. (Foto: Stadt Ludwigsburg)

Eine Delegation des Gemeinderats mit Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht ist am Wochenende nach Italien gefahren, um die neue Städtepartnerschaft mit Bergamo zu besiegeln. OB Knecht und Bergamos Bürgermeister Giorgio Gori unterzeichneten die Partnerschafts-Urkunde dort am Freitagabend im Rahmen einer UNESCO-Tagung.

Das norditalienische Bergamo ist reich an Kultur und ein starker Wirtschaftsstandort. Der Ludwigsburger Gemeinderat hatte sich daher schon im Juli einstimmig für die neue Städtepartnerschaft ausgesprochen, noch in diesem Jahr sollte der Bund geschlossen werden. Stellvertretend für die Bürgerschaft waren nun die Ratsmitglieder Gabriele Seyfang, Frank Handel, Bernhard Remmele und Hubertus von Stackelberg mitgereist.

Bei der Veranstaltung unter dem Motto „Bridges across Boundaries“ – zu Deutsch „Brücken über Grenzen hinweg“ – in Bergamos Kloster Astino waren insgesamt acht europäische Städte aus Portugal, Griechenland, Frankreich und Italien zu Gast. Dabei wurden neue kreative Möglichkeiten einer nachhaltigen Kooperation debattiert.

„Die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene ist die entscheidende Basis für Frieden in Europa“, erklärte Oberbürgermeister Matthias Knecht. „Die Städtepartnerschaft mit Bergamo birgt darüber hinaus viele Chancen. Wir freuen uns sehr auf einen lebendigen Austausch auf Augenhöhe von Schulen, Hochschulen, Unternehmen, Vereinen und Verwaltung.“

Auch Bürgermeister Giorgio Gori zeigte sich hoch erfreut: „Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen ist es für uns sehr wichtig, Teil eines Netzwerks von Nationen und Gemeinschaften zu sein – um freundschaftliche Beziehungen zu knüpfen und eine bessere Zukunft für unsere Städte zu erreichen“, so Bürgermeister Gori. „Ich bedanke mich herzlich bei Matthias (Knecht) für seine Freundschaft, und ich bin mir sicher, dass wir zusammen eine Brücke zwischen unseren Städten errichten werden.“

Zu Bergamo bestehen bereits Verbindungen über die Provinz Bergamo als Partner des Landkreises. Daneben sind nun weitere Kooperationen auf Arbeitsebene zwischen den Städten geplant. Noch in diesem Jahr soll die Partnerschaft weiter mit Leben gefüllt werden. Nächstes Jahr wird dann eine italienische Delegation Ludwigsburg besuchen.

„Jugendbürgerrat“ als erstes gemeinsames Projekt

Ein erstes gemeinsames Projekt gibt es schon: Beim „Jugendbürgerrat“, mit dem sich Ludwigsburg und Bergamo gemeinsam um Projektmittel beworben haben, geht es um die Aufarbeitung der Coronakrise. Im Fokus steht die junge Generation. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein italienischer Amtskollege, Staatspräsident Sergio Mattarella, haben dem Projekt 2021 den „Preis der Präsidenten für die kommunale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien“ verliehen.

Die Chancen auf eine erfolgreiche Partnerschaft stehen gut, die beiden Städte haben vieles gemeinsam: Bergamo passt mit 120.000 Einwohnern etwa zur Größe von Ludwigsburg und ist Hauptstadt der Provinz Bergamo, ähnlich wie Ludwigsburg als Kreisstadt im Landkreis. Bergamo liegt in der wirtschaftsstarken Region Lombardei, die als „Motor Italiens“ und wie Baden-Württemberg als einer von vier Motoren Europas gilt.

Perspektiven für Kultur, Bildung, Wirtschaft und Mobilität

Bergamo hat viel zu bieten, einen denkmalgeschützten historischen Stadtkern mit mittelalterlichen Gebäuden und venezianischen Stadtmauern, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Die Geburtsstadt des berühmten Opern-Komponisten Gaetano Donizetti besitzt ein nach ihm benanntes Theater, in den Kirchen und Museen der Stadt sind zudem viele Werke bedeutender italienischer Künstler zu besichtigen.

Für Ludwigsburg, ebenfalls reich an Kulturschätzen, ist Bergamo eine ebenbürtige Partnerstadt mit vielen Möglichkeiten der Zusammenarbeit: Im Bildungssektor zum Beispiel ist die Universität der Stadt eine der angesehensten des Landes und europaweit hervorragend vernetzt, wodurch ein Mehrwert für die Hochschul- und Wissenschaftsregion und die fünf Ludwigsburger Hochschulen entsteht. An zwei Ludwigsburger Schulen, dem Schiller- und dem Goethe-Gymnasium, wird Italienisch zudem als Fremdsprache angeboten, da würde sich ein Schüleraustausch anbieten.

Mit ehrenamtlichem Engagement und festlichen Anlässen

Die Städtepartnerschaften Ludwigsburgs sind derzeit im Wandel begriffen. Trotz des Austritts von Großbritannien aus der EU verfolgt Ludwigsburg die Partnerschaft mit Caerphilly in Wales unbeirrt weiter, und beide Städte wollen umso deutlicher ihre Zusammenarbeit noch zusätzlich verstärken. Mit den anderen Partnerstädten Nový Jičín in Tschechien, St. Charles in den USA und Montbéliard in Frankreich herrscht ohnehin ein reger Austausch. Die Partnerschaft mit Jevpatorija ist aufgrund der russischen Annexion der Krim und des Angriffskriegs gegen die Ukraine derzeit allerdings weitgehend zum Stillstand gekommen.

Bei der Ausgestaltung der Partnerschaft und der Pflege der Beziehungen soll das in Ludwigsburg vorhandene ehrenamtliche Engagement eine wichtige Rolle spielen: So unterstützt der Verein „Internationale Partnerschaften Ludwigsburg e.V.“ die Stadt dabei und will die Beziehungen mit den Partnerstädten auf allen Gebieten fördern.

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