Klimapartnerschaft mit Ambato

Der Grundgedanke der kommunalen Klimapartnerschaft zwischen Ambato und Ludwigsburg ist es, die fachliche Zusammenarbeit in den Bereichen Klimaschutz und Klimaanpassung zu stärken. Vom gegenseitigen Erfahrungsaustausch profitieren beide Städte. Seit Oktober 2017 haben mehrere gegenseitige Besuche der Kommunen stattgefunden, in deren Rahmen die wesentlichen Handlungsfelder identifiziert und analysiert wurden.

Was wir tun

Vorreinigung industrieller Abwässer

Mann erklärt anderen Teilnehmern die Abwassersituation in Ambato

Die industriellen Abwässer in Ambato (insbesondere auch aus der stark vertretenen Lederindustrie) werden derzeit ohne Vorbehandlung in einen Fluss eingeleitet. Daher besteht ein ganz erheblicher Handlungsbedarf zur Vorreinigung der industriellen Abwässer.

Einführung eines Systems zur Mülltrennung

Gruppenbild vor Mülldeponie in Ambato

Aktuell besteht kein System der Mülltrennung, Kreislaufwirtschaft oder umweltschonende Verwertung von Reststoffen. Hochgiftiges Sickerwasser der Mülldeponie gelangt unbehandelt in die Flüsse. Gemeinsam soll ein Mülltrennsystem eingeführt werden.

Stärkung des Tourismus

Ambato sieht sich als touristisches Reiseziel mit Konkurrenz durch andere nahe gelegene Tourismusdestinationen konfrontiert. Der Tourismussektor soll sich professionalisieren und in allen Facetten nachhaltig gestaltet werden.

Entwicklung eines integrierten Umweltkonzeptes

Zwar wurde in Ambato bereits ein ambitioniertes Umwelt- und Klimaprogramm in Angriff genommen, die Stadt benötigt aber konzeptionelle Unterstützung und fachliche Expertise, um ein integriertes Umweltkonzept zu erarbeiten, das alle wesentlichen Handlungsfelder berücksichtigt.

Sensibilisierung und Austausch

In beiden Städten werden Maßnahmen zur Umwelt-Sensibilisierung und zum interkulturellen Austausch durchgeführt.

Teilnahme an der UN-Konferenz in Quito

„Habitat III“ in Ecuador

Gruppenbild der Teilnehmenden am Habitat 3 in Quito, Ecuador

Im Oktober 2016 fand in Quito, Ecuador, die dritte Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung statt. Ziel der Weltkonferenz war es, die Rolle der Akteure vor Ort zu stärken.

Ludwigsburg war in Quito vertreten durch (im Bild von links): Christian Walker (Hochschule für öffentliche Verwaltung), Marie Glück, Werner Spec (damaliger OB von Ludwigsburg), Ingrid Hönlinger (ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete), Siegfried Rapp (Honorarkonsul Ecuadors in Baden-Württemberg), Elke Kreiser (CDU), Elfriede Steinwand-Hebenstreit (Grüne) und Achim Becker (Siemens). Zur Delegation gehörten außerdem die baden-württembergische Staatssekretärin Theresa Schopper (Grüne) und Damian Wagner (Fraunhofer IAO).

Die Ludwigsburger Delegation absolvierte dabei ein vielfältiges Programm: Aktive Beteiligung bei zehn Veranstaltungen der Habitat-III-Konferenz, Gespräche mit den ecuadorianischen Bürgermeistern aus Ambato und Urcuquí, Besuche der Stadt Ambato, der Stadt Urcuquí, der Deutsch-Ecuadorianischen Industrie- und Handelskammer, in Schulen und der Siemensvertretung in Ecuador sowie der Wissensstadt Yachay.

Homepage der "Habitat III"-Konferenz 2016

Worum ging es bei der Konferenz?

Das Ziel der Weltkonferenz war, bei der nachhaltigen Siedlungsentwicklung die Rolle der Akteure vor Ort zu stärken: Lokale Verwaltungen und Politiker, aber auch Forscher, Vereine oder Unternehmen können in ihrem direkten Umfeld schon sehr viel bewirken. Möglichst viele Gruppen in den Stadtgesellschaften sollen dabei eingebunden werden, von Jung bis Alt. Durch den direkten internationalen Austausch der Städte untereinander soll die nachhaltige Entwicklung energischer vorangetrieben werden.

„Wir müssen uns als Kommunen jetzt mit aller Kraft für den Klima- und Umweltschutz engagieren, für soziale Ausgewogenheit und die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger“, erklärt dazu Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec. „Denn die Entscheidungen der Stadtplaner von heute werden unser Zusammenleben über Jahrzehnte hinweg maßgeblich prägen.“ Der OB hat mit einer Ludwigsburger Delegation auf Einladung des Bundesentwicklungsministeriums an der Habitat-Konferenz teilgenommen und sich mit internationalen Partnern ausgetauscht.

Der Hintergrund ist: Die Städte spielen bei der Umsetzung der international beschlossenen Klima- und Entwicklungsziele eine entscheidende Rolle. Bereits heute leben mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung in Städten. Bis zum Jahr 2050 werden es zwei Drittel sein. Gleichzeitig werden 75 Prozent aller CO2-Emissionen in Städten verursacht. Die Verstädterung nimmt in den Entwicklungs- und Schwellenländern besonders rasant zu: Im Jahr 2030 wird es dort mehr als 3,9 Milliarden Stadtbewohner geben, rund 60 Prozent von ihnen unter 18 Jahren. Aber was ist die Lösung?

Einladung des Bundesentwicklungsministeriums

Oberbürgermeister Spec war vom Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit als Mitglied der Deutschen Delegation eingeladen worden, um die Erfahrungen von Ludwigsburg als Träger des „Deutschen Nachhaltigkeitspreises 2014 für mittelgroße Städte“ beispielhaft einzubringen. „Die Konferenz der Vereinten Nationen hat eindrücklich vor Augen geführt, dass der Weg hin zu einer nachhaltigeren Politik im wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Bereich wirkungsvoll ausgebaut werden muss“, erklärte Spec. Für Ludwigsburg stellt er fest: „Wir liegen mit unserem bisherigen Weg auf dem völlig richtigen Kurs, was ja auch die Verleihung des deutschen Nachhaltigkeitspreises gezeigt hat. Wir haben schon einiges erreicht, aber auch wir in Ludwigsburg haben noch zahlreiche Herausforderungen zu meistern.“

Der Oberbürgermeister schilderte seinen Eindruck der Konferenz: „Wir gehören aufgrund unserer langjährigen Erfahrungen im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung und konsequenter bürgerschaftlicher Beteiligung zu den Vorreiterstädten. Unsere Erfahrungen sind international sehr gefragt – wir hatten viele Anfragen für eine aktive Rolle im Programm der zahlreichen Veranstaltungen“, berichtet Spec. „Der internationale Zuspruch bei den Veranstaltungen war groß, und es gab immer wieder interessierte Rückfragen und positive Rückmeldungen.“

Eine der entscheidenden Erkenntnisse für ihn sei es gewesen, dass der internationale Erfahrungsaustauch weiter verstärkt werden müsse: „Falls es nicht gelingt, die Umwelt- und Klimaprobleme wirksam zu meistern, wird sich das Potential an Flüchtlingsströmen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten deutlich verstärken. Deshalb muss jetzt aktiv und verantwortungsvoll gehandelt werden“, forderte Spec. Das sei die Kernbotschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen Ban Ki-Moon an die Adresse der Städte weltweit gewesen.

Intensiver Erfahrungsaustausch mit Ambato und Urcuquí

„Vor diesem Hintergrund haben wir mit den beiden ecuadorianischen Städten besprochen, dass wir mit unserem Netzwerk an Unternehmen, wie Bosch, Siemens, Porsche, Daimler, Züblin und universitären Einrichtungen in einen intensiven Erfahrungsaustausch eintreten wollen“, führte der OB näher aus. „Nicht zuletzt bietet sich unseren Unternehmen mit umweltfreundlichen Zukunftstechnologien die Chance, Arbeitsplätze zu halten und weiter auszubauen.“ Die Bundesregierung und die Europäische Union brächten dazu mit Förderprogrammen ihr erhebliches Interesse am internationalen Austausch der Städte zum Ausdruck.

„Was auf großes internationales Interesse stößt, ist die Tatsache, dass wir schon vor vielen Jahren die organisatorischen Maßnahmen in der Verwaltung für eine strukturierte übergreifende Zusammenarbeit vorgenommen haben, auch notwendige Softwarelösungen für integrierte Prozesse in den Stadtverwaltungen entwickelt haben, die bislang am Markt noch nicht verfügbar waren.“ Auch die Methodik von bürgerschaftlichen Beteiligungsprozessen wie bei den Ludwigsburger Zukunftskonferenzen stoße international auf großes Interesse: „Viele Städte wollen weltweit solche Wege neu beschreiten oder ausbauen und sind deshalb sehr interessiert an erfolgreichen Umsetzungsstrategien“, erklärte OB Spec.

Bei der Konferenz hatte die Ludwigsburger Hochschule für öffentliche Verwaltung außerdem einen Austausch von Lehrenden und Studierenden mit der Universidad Técnica de Ambato vereinbart.

"New Urban Agenda" mit Zielen für nachhaltige Entwicklung

In den 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals - SDGs) der „Agenda 2030“ wurden im September 2015 zunächst allgemeine politische Bestrebungen der Vereinten Nationen für alle Staaten festgeschrieben: Es geht darum, Armut und Hunger weltweit zu beenden, gute Gesundheit und Bildung zu gewährleisten sowie ein friedliches Zusammenleben, soziale Gerechtigkeit und würdige Bedingungen für alle Menschen herzustellen. Über eine eigene „New Urban Agenda“, verabschiedet von der „Habitat III“-Konferenz im Oktober 2016, sollen sich vor allem die Städte und Siedlungen durch verstärkte globale Partnerschaft nachhaltig weiterentwickeln, das Klima und die Umwelt vor Ort schützen, faires Wirtschaften und Arbeiten ermöglichen sowie ihren Bürgerinnen und Bürgern leistungsfähige Infrastruktur und Energieversorgung zu günstigen Konditionen anbieten.

Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) empfiehlt konkret, dazu mehr auf die Entwicklung mittelgroßer Städte und Regionen zu setzen. Dezentrale Energieerzeugung, Kreislaufwirtschaft, digitale Ökonomie, kurze Wege in den Städten von der Wohnung zur Arbeit und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sollen hierbei zu besseren Lebensbedingungen der Menschen führen.

Im Frühjahr 2016 haben sich bereits mehr als 1.000 Experten beim „Deutschen Habitat Forum“ in Berlin dafür ausgesprochen, durch neue Partnerschaften und Netzwerke mehr Know-how und Erfahrung auf kommunaler Ebene auszutauschen – und ihre „Empfehlungen von Berlin“ gleich an Dr. Joan Clos, den Generalsekretät der „Habitat III“-Konferenz, übergeben. Werner Spec hat daran ebenfalls mitgewirkt – denn der Ludwigsburger Oberbürgermeister weiß, wovon er spricht: „Unsere Stadt ist bereits seit Jahren sehr aktiv und arbeitet erfolgreich mit einem umfassenden und integrierten Stadtentwicklungskonzept. Wir stehen dabei im ständigen internationalen Austausch.“

Schon 2004 haben sich Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft gemeinsam auf langfristige Ziele und Maßnahmen geeinigt, um Ludwigsburg zu einer nachhaltigen Stadt zu machen. 2014 wurde die Arbeit daran und das Engagement der Beteiligten mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis für Städte mittlerer Größe ausgezeichnet.

Der WBGU hat 2016 ein Gutachten für Habitat III herausgegeben.

Kontakt und weitere Informationen

Dezernat II - Bildung, Sport, Soziales
Wilhelmstraße 11
71638 Ludwigsburg
Telefon (0 71 41) 9 10-28 14
Fax (0 71 41) 9 10-27 83
Susanne Karstedt

Stellvertretende Fachbereichsleitung

Telefon (0 71 41) 9 10 24 83
Fax (0 71 41) 9 10 27 84
Gebäude Wilhelmstraße 9
Raum 8
Florian Tögel