Projekt NEULAND: Die Gewinnerinnen des Open Call „Urban Senses“ stehen fest

Die Entscheidung der Jury ist gefallen: Die drei Gewinnerinnen aus dem Open Call „Urban Senses“ stehen fest: Ines Fiegert, Sarah Degenhardt und Karima Klasen. Der Open Call ist Teil von NEULAND, einem gemeinsamen Projekt der Stadt Ludwigsburg und der Wüstenrot Stiftung.

Die drei prämierten Konzepte stehen gleichwertig nebeneinander und werden nun während einer Realisierungsphase im Sommer finalisiert, konkretisiert und vom 24. bis zum 26. September 2021 – während der Laufzeit von NEULAND ­– dem Publikum auf dem Franck-Areal in Ludwigsburg gezeigt.

In einem jurierten Verfahren wurden die drei besten Konzepte aus einem Pool von 39 Bewerbungen ausgewählt. Zentrales Kriterium für die Prämierung war die Frage, inwiefern sich ein altes Fabrikgelände mit allen Sinnen für ein Publikum erschließen lässt, für das sich das Gelände im September 2021 zum ersten Mal öffnet: Welcher Geruch bleibt in der Nase hängen, wenn man das Franck-Areal am Ludwigsburger Bahnhof betritt? Wie fühlen sich die rauen Betonwände der alten Lagerhäuser an? Welche Geräusche macht eine verstummte Abfüllmaschine? Kann man das Malz für die Caro-Kaffee-Produktion in der Luft noch schmecken?

Die Jury begründet ihre Wahl wie folgt (gekürzte Version):

„Ines Fiegert entwirft mit BLAST FROM THE PAST eine interaktive Soundinstallation, die die Besucher des Franck-Areals aktiv in die Konzeption ihres Kunstwerkes einbindet. Ausgangspunkt ihrer Arbeit ist das Bild eines Spinnennetzes, das sie mittels Nylonschnüren und Tonabnehmern in den Raum überträgt – als eine Art Informations- und Kommunikationsnetz der Vergangenheit. Die Künstlerin legt mit ihrer Installation Verbindungslinien zwischen vergangenen Zeiten und der unmittelbaren Gegenwart, zwischen Erinnerung und Imagination. Ihre ortsspezifische Auseinandersetzung mit dem Gebäude verwandelt den Raum in Projektionsflächen und Klangkörper. Vor allem aber macht sie die Menschen, die das raumgreifende Instrument bespielen, zu Hauptakteuren des Geschehens. Sie sind diejenigen, die das Gebäude wieder zum Leben erwecken.

Sarah Degenhart konzentriert sich in ihren Arbeiten auf die architektonische Beschaffenheit von Ausstellungsräumen und befragt deren Architektur nach ihrem Einfluss auf den Menschen und sein Verhalten. Ausgangspunkt ihrer Arbeit Substitute bildet eine animierte Wandstruktur, die dem tatsächlichen Raum, einer Wand auf dem Gelände des Franck-Areals, filmisch entnommen ist. Diese Struktur wird in einem digitalen Transformationsprozess zur Oberflächen-Textur eines animierten Kubus, der auf den Ort seiner Abnahme zurückprojiziert wird. Das Kunstwerk ersetzt die ursprüngliche Wandfläche durch ihr eigenes, verändertes Abbild, es wird zum „Substitut“. Das Kunstwerk kommt nach einer ganzen Reihe von Übertragungen – vom Blick zum filmischen Auge, von der Wandfläche zur Dreidimensionalität des Kubus, von der Projektion zur Überschreibung der Wand – bei sich selbst an: Es wird zum Zeichen für die Möglichkeiten von Übersetzungs- und Transformationsprozessen durch die Kunst.

Mit ihrer Arbeit The Sun always shines in the Factory – Fabrikleuchten lädt Karima Klasen das Publikum ein, sich auf dem Franck-Areal zu verorten, das Gelände zu erkunden und in seiner ursprünglichen wie zukünftigen Funktion zu hinterfragen. Ihre konzeptuellen Rauminterventionen markieren den Ort und machen ihn als solchen erst sichtbar. Hell leuchtende, große, gelbe Kreise ziehen sich über das gesamte Areal und breiten sich darauf aus. Klasens spannungsgeladene Arbeit reflektiert damit die Welt der Arbeitsbedingungen und markiert Nicht-Orte, die das menschliche Leben organisieren und rahmen. Darüber hinaus fragt sie subtil danach, was in Zukunft mit einem ortsspezifischen Kunstwerk passiert, wenn sich die Funktion des Ortes verändert.“

Die Jury, bestehend aus Harald Jahnke, Vorsitzender des Kunstvereins Kreis Ludwigsburg e.V., Prof. Philip Kurz, Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung, Dr. Axel Lapp, Leiter der MEWO Kunsthalle sowie des Strigel- und Antoniter-Museums im Memmingen, Wiebke Richert, Leiterin des Fachbereichs Kunst und Kultur der Stadt Ludwigsburg, und Dr. Ellen Strittmatter, Leiterin der Abteilung Kunst des Instituts für Auslandsbeziehungen am Stuttgarter Charlottenplatz, hat die Entscheidung am 25. Mai 2021 in den Räumen des Kunstzentrums Karlskaserne getroffen. Den Juryvorsitz hatte Dr. Ellen Strittmatter.