Jugendliche planen ihr Ludwigsburg der Zukunft

Bericht von den Projekttagen zur Nachhaltigen Stadtentwicklung am Mörike-Gymnasium vom 21.-23. Mai 2012

„Wir sollten mehr Fahrradstationen in der Stadt haben“, schlägt einer der Schüler in der Diskussion vor. „Ein Klettergarten im Marstallcenter, das wär was“, meint ein anderer. „Und am Akademiehof fehlt ganz klar ein Pfandautomat für Flaschen“, so der Vorschlag einer Schülerin.

Am Mörike-Gymnasium sind sie in der Woche vor Pfingsten 2012 bei den Projekttagen aktiv. „Nachhaltige Stadtentwicklung“ ist der trockene Titel für das spannende Thema: Wie soll Ludwigsburg im Jahr 2050 aussehen, und vor allem: Was kann bis dahin in der eigenen Stadt besser werden?

Passanten in der Innenstadt befragt

48 Schülerinnen und Schüler haben sich drei Tage lang darüber Gedanken gemacht und Pläne entwickelt. Am Montag, 21. Mai ging es los: Die teilnehmenden Zehntklässler starteten vom Schulcampus erst einmal zu einem gemeinsamen Rundgang durch die Innenstadt, suchten nach Schwerpunkten, wo man dringend etwas verändern müsste. In drei Gruppen gingen sie dann an die Arbeit.

„Wir haben die Leute in der Stadt gefragt“, berichtet Alexander Heß. Der 15-jährige Schüler hat mit seiner Gruppe einen professionellen Fragebogen entworfen. Immer zu zweit sind sie dann in die Fußgängerzone und wollten von den Passanten wissen, was ihnen in der Stadt unter den Nägeln brennt.

Nicht nur eigene Wünsche

Dabei wurden sie nicht nur von ihren Lehrerinnen angeleitet, sondern auch von Mitarbeiterinnen des Referats für Nachhaltige Stadtentwicklung unterstützt – mit einem Computerprogramm und Tipps für die Umfrage auf der Straße.

Bei der Projektwoche geht es für die Jugendlichen darum, nicht nur die eigenen Wünsche zu sammeln, sondern auch die Vorstellungen von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern einzubeziehen. Eines der Ergebnisse: „Erwachsene sorgen sich mehr um das Marstallcenter, jüngere Leute wie wir interessieren sich besonders für Plätze wie die Bärenwiese oder den Akademiehof“, sagt der 17-jährige Yannick Armbrust.

Schmuddelecken und Probleme aufgedeckt

Wie wird das barocke und moderne Ludwigsburg seinen Besuchern präsentiert? Diese positiven Bilder stellt eine andere Projektgruppe den vereinzelten Schmuddelecken im Stadtkern gegenüber. In einer Fotopräsentation am Schluss der dreitägigen Schulveranstaltung zeigen sie ihre gesammelten Eindrücke – und kritisieren bauliche Mängel, Graffiti und Billigläden.

„Ins Marstallcenter könnte man neben ganz neuen Ideen auch einfach die trendigen Geschäfte holen, die in Ludwigsburg noch fehlen“, erklären sie den anderen Zehntklässlern bei ihrer Präsentation. Andere Stellen ließen sich einfacher verbessern, zum Beispiel den Schulcampus mehr begrünen oder Mülleimer mit größerer Öffnung und einer Möglichkeit zum getrennten Recycling versehen.

Vorschläge für mehr Lebensqualität

Die dritte Gruppe hat sich um die ganz großen Themen gekümmert: „Die Bundesstraße 27 sollte um das Zentrum herumgeführt werden, um den Stadtverkehr zu entlasten“, ist einer der Vorschläge, gemeinsame Sport- und Freizeitgruppen für Jung und Alt eine weitere Idee der Schüler, um die Generationen mehr zu verbinden.

Und einen festen Ort der bürgerlichen Meinungsäußerung würden sie schaffen wollen: „Eine Art ‚Speakers’ Corner’, wo man öffentlich diskutieren kann“, so der Gedanke. „Auf der Bärenwiese zum Beispiel, da könnte man auch Wettbewerbe veranstalten, und ein ständiger Kummerkasten müsste da dann ebenfalls stehen.“

Läden um die Ecke, neue Sportanlagen

Neue Sportstätten in leerstehenden Fabrikhallen, günstigere Sommer-Tickets für öffentliche Verkehrsmittel oder kleine Lebensmittelläden zur Nahversorgung im Schlösslesfeld oder in Eglosheim – die Ergebnisse der drei Tage sind vielfältig und gehen oft bis in die Details.

Die Stadtverwaltung hat die Projektwoche gemeinsam mit der Schule organisiert und will diese Vorschläge aufgreifen: Die jungen Leute sollen auf der Zukunftskonferenz zur Stadtentwicklung im November ihre Vorschläge einbringen können. „Wir regen die jungen Menschen zum Nachdenken an und freuen uns auf ihre Ideen, aber auch auf ihre Bereitschaft, sich selbst an diesem Veränderungsprozess zu beteiligen“, sagt Albert Geiger, der Leiter des Referats für Nachhaltige Stadtentwicklung.

Förderprojekt der Bundesregierung

„Das Projekt ist gelebter Gemeinschaftskunde-Unterricht“, findet Jessica Liß, eine der Lehrerinnen am Mörike-Gymnasium. Ihre Kollegin Annette Peters, die auch die Projektwoche begleitet hat, betont: „Es ist den Jugendlichen wichtig, dass jemand ihre Vorschläge aufgreift.“

Auf einem Internet-Forum zur Bürgerbeteiligung sollen Projekte wie die der Schüler nun im Vorfeld der Zukunftskonferenz weiter verfolgt werden – mit Diskussionen, Videobeiträgen und in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Das Vorhaben wird unterstützt von der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“, einem Förderprogramm der Bundesregierung.

Online und Offline gut vernetzt

Vom Berliner Büro „Urbanizers“ für städtische Konzepte, das Initiativen der Bürgerbeteiligung im Auftrag des Bundes koordiniert, gab es schon mal ein positives Feedback zur Projektwoche am Mörike-Gymnasium: „Die jungen Leute haben wirklich einen klaren Blick auf ihre Stadt“, sagt Marie Neumüllers von den Urbanizers. „Sie haben in den drei Tagen das Maximale herausgeholt, was machbar war.“

Hier in Ludwigsburg seien die Vorhaben zu mehr Partizipation der Bürgerschaft insgesamt schon weit vorangeschritten und gut miteinander vernetzt. Die Schülerinnen und Schüler hätten nun erste Erfahrungen mit der Stadtentwicklung gesammelt: „Sie sind aktiv geworden. Nun gilt es, ihnen zu helfen, ihre eigenen Ziele dabei selbst mit umzusetzen.“

Bildergalerie vom dritten Projekttag:

Präsentation der Ergebnisse in der Runde der Teilnehmer, anschließend Diskussion mit den Lehrkräften und Mitarbeitern des Referats für Nachhaltige Stadtentwicklung.

 

Stadtentwicklungskonzept

Referat Steuerungsuntersützung
und Grundsatzthemen
Nachhaltige Stadtentwicklung

Hannah Seyfang
Wilhelmstraße 1
71638 Ludwigsburg

Telefon: 07141 910-4401
Telefax: 07141 910-3050
h.seyfang@ludwigsburg.de

Stadtteilentwicklung

Bürgerbüro Bauen
Stadtteilentwicklung

Sandra Bühler-Kölmel
Wilhelmstraße 5
71638 Ludwigsburg

Telefon: 07141 910-4269
Telefax: 07141 910-2401
s.buehler-koelmel@ludwigsburg.de

Stadterneuerung

Bürgerbüro Bauen
Stadterneuerung

Frank Lehmpfuhl
Wilhelmstraße 5
71638 Ludwigsburg

Telefon: 07141 910-4269
Telefax: 07141 910-2401
f.lehmpfuhl@ludwigsburg.de

KSIS

Das neue „Kommunale Steuerungs- und Informationssystem“ macht Stadtentwicklung transparent für alle.

Veröffentlichungen

Das Ludwigsburger Stadtentwicklungskonzept ist auch Thema in verschiedenen Fachzeitschriften.