Sechs Millionen Euro für digitale Verkehrssysteme

Ludwigsburg wird vom Bund im Sofortprogramm „Saubere Luft“ gefördert

Die Stadt will Maßnahmen ergreifen, um die Luftqualität zu verbessern und öffentliche Verkehrsmittel zu stärken. In Berlin haben die Ludwigsburger dafür jetzt Fördermittel für neue Technologien bekommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat vergangene Woche einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 6,1 Millionen Euro an Ludwigsburg überreicht. Zur „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ erhält die Stadt Fördermittel des Bundes. Damit kann Ludwigsburg über die höchste Summe unter den baden-württembergischen Kommunen verfügen, die sich im Rahmen des Sofortprogramms „Saubere Luft 2017-2020“ für Städte mit erhöhten Stickoxid-Werten beworben haben.


Bei der Übergabe des Förderbescheids in Berlin (von links): Staatssekretär Steffen Bilger, Jürgen Vogt (Landkreis Ludwigsburg), Heinz Handtrack (Stadt Ludwigsburg) und Bundesminister Andreas Scheuer. (Foto: BMVI)

Oberbürgermeister Werner Spec freute sich sehr über den positiven Bescheid, der auch eine Anerkennung für die bislang geleistete Arbeit sei: „Wir wollen wie schon bei der Einführung der Elektromobilität die Chancen einer digitalen Verkehrsinfrastruktur im Sinne der Menschen, die in Ludwigsburg wohnen und arbeiten, aktiv gestalten. Dabei wollen wir die Kompetenzen im digitalen Bereich, die die hier angesiedelten bedeutenden Unternehmen aufgebaut haben, nutzen.“

Digitale Steuerung für den Stadtverkehr

Im Förderantrag der Stadt sind vor allem Maßnahmen enthalten, die eine weitere Digitalisierung der Verkehrsleittechnik betreffen: Mit den bewilligten Fördergeldern können die ersten schon vollzogenen Schritte zur Digitalisierung der Verkehrsinfrastruktur flächendeckend umgesetzt werden. Dazu zählt zum Beispiel, dass bestimmte Gruppen von Fahrzeugen Vorfahrt an Ampeln genießen. Außerdem werden die Voraussetzungen für autonomes Fahren geschaffen und für Systeme, die helfen, unnötigen Parksuchverkehr zu vermeiden. Die Ziele sind dabei, dass der Verkehr flüssiger fließt und sich die Luftqualität verbessert.

Mit deutlich mehr Zählschleifen auf stark befahrenen Straßen werden auch die Verkehrsströme und Fahrzeugkategorien in Zukunft besser erfasst. Durch diese zusätzlich gemessenen Daten können Ampeln dann optimal gesteuert werden.

Intelligente Ampeln mit Software

Die Ampelanlagen werden künftig flächendeckend mit intelligenten Verkehrsanalyse- und Prognosemodulen ausgestattet. So kann der motorisierte Verkehr beständiger durch die Stadt rollen: Kontrolliert vom neuen, leistungsfähigen Verkehrsleitrechner der Stadt lenkt die Ampel-Software je nach Verkehrsaufkommen die Fahrzeuge durch Ludwigsburg.

Einer der wichtigsten Effekte dabei: Durch die intelligente Steuerung des Pkw- und Lkw-Verkehrs stoßen die Fahrzeuge weniger Schadstoffe aus – damit werden Anwohner und Passanten auch weniger von den Auswirkungen des Verkehrs belastet.

Einsatzkräfte und ÖPNV bevorzugt

Durch das stadtweite Ausstatten der Anlagen mit Sensoren und Software können Rettungsfahrzeuge künftig im Noteinsatz durchgängig bevorzugt an Ampeln passieren – das wird bereits heute in Ludwigsburg erprobt. Hierbei erkennen die Sensoren den Fahrzeugtyp. Auf dieselbe Weise kann mit diesem Verkehrsleitsystem auch künftig der Öffentliche Personennahverkehr auf allen Linien bevorzugt werden.

Die Anlagen werden außerdem schon für sogenannte „car2x“-Kommunikationsmodule von automatisierten Fahrzeugen vorbereitet. Ludwigsburg erfüllt damit eine wichtige Voraussetzung für den ersten Einsatz derartiger Fahrzeuge und schafft die Basis für weitere zukunftsträchtige Arbeitsplätze in einem innovativen Umfeld.

Mit dem ebenfalls geplanten, stadtweiten Test von Umweltmessboxen sollen Schadstoff-Emissionen geografisch erfasst und der Verkehr dementsprechend umgelenkt werden. Weiter kann nun im Gewerbegebiet Weststadt ein digitales Parkplatzmanagement entwickelt werden, um damit später andere Stadträume mit Parkraumsteuerung auszustatten.

Infos aus der „Smart City Cloud“

Als Kernelement für die gesamte digitale Verkehrsleittechnik entwickelt die Stadt Ludwigsburg derzeit eine „Smart City Cloud“: Eine digitale Plattform, mit der zum Beispiel Emissiondaten und Infos zu freien Parkplätzen für alle einsehbar gespeichert werden können. Außerdem kann man mit der Cloud Software-Anwendungen steuern.

Um den ÖPNV noch attraktiver zu gestalten, sind zusätzliche Monitore in öffentlichen Gebäuden und bei interessierten Unternehmen oder Institutionen vorgesehen, um damit aktuelle Fahrgastinformationen anzuzeigen – außerdem sollen dort auch lokale Mobilitätsangebote abgerufen werden können.

Die Umsetzung dieses umfassenden geplanten Maßnahmenpakets muss bis zum 31. Dezember 2019 abgeschlossen sein. Die einzelnen Maßnahmen des Pakets wird die Stadtverwaltung bald dem Gemeinderat zur Beratung und Entscheidung vorlegen. (Clemens Flach)

Mitteilung vom 22. Juni 2018