Ludwigsburg unterstützt Binnenflüchtlinge in Kongoussi

300 Familien werden mit Lebensmitteln versorgt

Ganz praktische Soforthilfe haben jetzt Ludwigsburg, seine französische Partnerstadt Montbéliard und der Förderkreis Burkina Faso in der burkinischen Stadt Kongoussi in Westafrika geleistet. Im Herbst 2019 kamen zehntausende Menschen auf der Flucht vor dschihadistischem Terror nach Kongoussi.

Geflüchtete mit ihren Habseligkeiten. (Foto: Welthungerhilfe)

Zur Unterstützung in dieser schwierigen Situation hat Montbéliard 10.000 Euro, die Stadt Ludwigsburg 5.000 Euro und der Förderkreis Burkina Faso weitere 10.000 Euro zur Verfügung gestellt.
 
An der Spendenaktion des Förderkreises Burkina Faso beteiligten sich viele Einzelspenderinnen und Einzelspender aus Ludwigsburg sowie örtliche Unternehmen. Die Mitarbeitenden der Stadt Ludwigsburg spendeten einen Teil der Einnahmen aus ihrem Weihnachtsmarkt im Kulturzentrum, außerdem buken sie Plätzchen, die dann auf dem Barock-Weihnachtsmarkt verkauft wurden. „Die 10.000 Euro sind eine stolze Summe“, so Erster Bürgermeister und Vorsitzender des Förderkreises Konrad Seigfried. „Ich bin sehr dankbar für das Engagement.“  
 
Kongoussi, eine Kommune mit insgesamt rund 70.000 Menschen, die in 56 Dörfern und der Kernstadt leben, ist seit 2006 im Rahmen einer trilateralen Entwicklungspartnerschaft mit Montbéliard und Ludwigsburg verbunden. Ein Konzept, das die Bundesregierung nicht nur begrüßt, sondern auch fördert. Daraus sind viele gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Lebensbedingungen (Trinkwasserbrunnen, Getreidemühlen, neue Felder und vor allem Schulen und Kleinstbetriebe) und weitere Projekte zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels (neue Trinkwasserbrunnen, Latrinen, bessere Bodenbearbeitung, Baumpflanzungen usw.) entstanden. Kommunen helfen sich so gegenseitig und lernen auch voneinander.
 
Zuletzt sind die Auswirkungen der politischen Krise in der Sahelzone, begleitet von einer massiven Zunahme dschihadistisch motivierten Terrors, auch in Kongoussi spürbar geworden. Aus den angrenzenden Regionen im Nordosten von Kongoussi sind seit letzten September, nachdem es 18 terroristische Morde allein in der Nachbarkommune Zimtanga gab, weit mehr als 40.000 Menschen nach Kongoussi geflohen. Das sind mehr Menschen als die Stadt Einwohner hat. Zuletzt, am 27. Januar 2020, wurden noch 45.472 Flüchtlinge registriert.
 
Sie leben zum großen Teil bei Freunden und Verwandten in deren Häusern und Hütten, aber auch im Freien oder in Zelten, die die UN zur Verfügung gestellt haben. Im Bezirk Tankoula, am nördlichen Rand von Kongoussi, leben etwa 50 Großfamilien in einem provisorisch errichteten Aufnahmezentrum auf einer Fläche von knapp einem Hektar. Die Familien leben in Zelten, und der Raum, der zwei Zelte trennt, ist selten größer als drei Meter. Die von UN-Organisationen und Hilfsorganisationen gestifteten Zelte aus Planen stehen inmitten weiterer überaus prekärer Unterkünfte, die von den Vertriebenen selbst gebaut wurden. Als Toiletten wurden Latrinen gebaut. Es gibt ein Dutzend solcher Lager in ganz Kongoussi.
 
Mit den 15.000 Euro aus Ludwigsburg, die jetzt der Welthungerhilfe übergeben wurden, erhalten 300 Familien in Kongoussi drei Monate lang Lebensmittel und andere lebenswichtige Dinge. 300 Familien sind nach burkinischer Lesart mehr als 2.000 Menschen (sieben Personen leben im Durchschnitt in einer Familie). Sie können derzeit noch nicht in ihre Dörfer zurückkehren und erhalten keine andere Unterstützung.

Schlange vor der Lebensmittelausgabe. (Foto: Welthungerhilfe)

„Wir helfen unseren Partnern strukturell – etwa bei den Schulen. Wir helfen aber auch in der Not, wenn das lokale Gemeinwesen überfordert ist“, so Konrad Seigfried, „und wir hoffen sehr, dass die Sicherheitslage bald wieder so stabil ist, dass die geflohenen Menschen in ihre Dörfer zurückkehren können.“
 
Einer der Binnenflüchtlinge, das Familienoberhaupt Abdoul Rhamane Kinda, ist mit seiner fast sechzigköpfigen Familie aus der Gemeinde Arbinda in der Sahelzone nach Kongoussi geflohen. Er berichtet: „Ich musste hilflos zusehen, wie meine 30 Ochsen gestohlen wurden. In der folgenden Woche kamen sie [die Dschihadisten] und eröffneten ohne Vorwarnung das Feuer auf die Familie. Sie wollten einfach so viele wie möglich ermorden. Fünf Mitglieder meiner Familie haben sie getötet. Seit wir in Kongoussi sind, haben wir zwar Getreide und Öl erhalten, aber das reicht bei Weitem nicht, um meine große Familie zu versorgen."
 
Für den 40-jährigen Younga Simporé, Kopf einer 23-köpfigen Gemeinschaft, der aus der Nachbarkommune Zimtanga kommt, kam es am 30. September 2019 zum furchtbaren Wendepunkt in seinem Leben: „Wir waren auf dem Markt, als bewaffnete Männer hereinstürzten. Sie fassten den Handwerker des Zentrums für Gesundheits- und Sozialförderung (CSPS), fesselten ihn und erschossen ihn. Es war furchtbar. Deshalb sind wir geflohen und haben all unsere Besitztümer aufgegeben: die Tiere und unsere erntereifen Felder. Wir sind geflohen, um unser Leben zu retten.“
 
Obwohl sich Younga und seine Großfamilie jetzt in Kongoussi sicher fühlen, ist das Leben nicht einfach. „Als wir in Kongoussi ankamen, wurden wir von Sozialdiensten empfangen. Man bot uns warmes Essen an, aber es gab nicht genügend Plätze für uns alle in den Gebäuden.“ Die Männer schliefen im Freien, in der Kälte und umschwirrt von Moskitos, Frauen und Kinder blieben in den Klassenzimmern. Wenn es regnet, sind sie auf engstem Raum zusammen. Aber sie sind den Helfern vom Sozialen Dienst dankbar für ihre Unterstützung in dieser Situation. Sie tun, was sie können, jedoch fehlen die Mittel für weiterreichende Maßnahmen.
 
„Unsere Projekte in Kongoussi setzen wir auch in der schwierigen Zeit erfolgreich fort“, erklärt Konrad Seigfried. „Mit neuen Schülerinnen und Schülern in der von uns errichteten Berufsschule geben wir jungen Menschen eine Perspektive und mit den neuen Mühlenhäusern mit Getreidemühlen in neun Dörfern leisten wir praktische Hilfe für die Frauen und gegen den Hunger.“

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