20 Jahre Runder Tisch gegen häusliche Gewalt: Podiumsdiskussion zum Jubiläum

Der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt feiert sein 20-jähriges Bestehen. Am Montag, 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen, findet deshalb um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion im MIK in der Eberhardstraße 1 statt.

Die Diskutierenden blicken zum einen auf die 20-jährige Arbeit des Runden Tischs zurück. Zum anderen sprechen sie darüber, wie Frauen heute gegen Gewalt geschützt werden können – zum Beispiel im familiären Umfeld oder auch am Arbeitsplatz.
 
An der Podiumsdiskussion nehmen Gertraud Selig (Stadt Ludwigsburg, Gründungsmitglied des Runden Tisches häusliche Gewalt), Karin Stark (Opferschutzkoordinatorin beim Polizeipräsidium Ludwigsburg), Arezoo Shoaleh (pädagogische Leitung Frauen für Frauen e.V.), Andrea Hödebeck-Höfig (Leiterin Personalentwicklung bei der Kreissparkasse Ludwigsburg und stellvertretende Vorsitzende des Kinderschutzbundes Ludwigsburg), Ingrid Hönlinger (Rechtsanwältin) und Jörg Maihoff (Leiter der katholischen Familienbildung) teil. Judith Raupp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, moderiert die Diskussion.
 
Im Oktober 1998 beschloss der Ludwigsburger Gemeinderat auf Initiative von Frauen für Frauen e.V. und dem Büro für Frauenfragen, die Kampagne „Aktiv gegen Männergewalt an Frauen, Mädchen und Jungen“ zu unterstützen. Einer der Arbeitskreise der Kampagne hieß „Justiz, Strafverfolgung, Anti-Gewalt-Projekte“. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, bei Fällen häuslicher Gewalt die Zusammenarbeit aller an der Interventionskette beteiligten Institutionen zu stärken und besser zu vernetzen. Durch die Etablierung eines lückenlosen Unterstützungsangebotes sollten Opfer häuslicher Gewalt besser geschützt werden. Beteiligt waren damals neben den Initiatorinnen hauptsächlich die Polizei und die Ortspolizeibehörde – heute der Fachbereich Sicherheit und Ordnung.

Zwei Vorgänge gaben der weiteren Arbeit des Gremiums die entscheidende Richtung: die Einbringung des Entwurfes eines Gewaltschutzgesetzes durch die Bundesregierung sowie der Beginn des Modellversuchs „Platzverweis“ des Landes Baden-Württemberg.
 
Die Polizei hatte das Konzept des Platzverweises, bei dem der gewalttätige Mann der Wohnung verwiesen wird, bereits vor dem Modellversuch im Ludwigsburger Arbeitskreis vorgestellt. Dieser entschied sich dafür, allen Kommunen im Kreis Ludwigsburg die Teilnahme am Modellversuch zu empfehlen. Tatsächlich beteiligten sich alle Kreiskommunen. Somit waren von den 84 Kommunen, die landesweit teilnahmen, allein 39 aus dem Kreis Ludwigsburg. Zur fachlichen Begleitung der Kommunen im Landkreis wurde der Arbeitskreis Ende 1999 in „Runder Tisch häusliche Gewalt“ umbenannt.
 
Die Mitglieder des Gremiums waren sich darüber einig, dass das ganze Platzverweis-Verfahren nur dann sinnvoll sein kann, wenn es Unterstützungs- und Beratungsangebote gibt – sowohl für die Opfer als auch für die Täter, die der Wohnung verwiesen wurden. Dazu wurde eine gemeinsame Konzeption zum vernetzten Vorgehen aller beteiligten Institutionen erstellt. Bestandteil dieser Konzeption war die Einrichtung einer Interventionsstelle zur Beratung betroffener Frauen und Kinder, die an das Frauenhaus angedockt wurde. Die Sozialberatung Ludwigsburg e.V. erklärte sich bereit, für Täter Beratungen und ein Anti-Gewalt-Training anzubieten. Die gemeinsamen Anstrengungen und das einheitliche Vorgehen führten schließlich dazu, dass die Konzeption umgesetzt wurde und sowohl die Interventionsstelle als auch die Täterarbeit langfristig finanziell abgesichert wurden.
 
Diese Form der Umsetzung des Modellversuchs war in Baden-Württemberg einmalig – und ist sicherlich auf die Ludwigsburger Kampagne „Aktiv gegen Männergewalt an Frauen, Mädchen und Jungen“ zurückzuführen. Seitdem arbeiten folgende Einrichtungen im Runden Tisch gegen häusliche Gewalt an der Weiterentwicklung des Themas zusammen:

  • Stadt Ludwigsburg: Kommunale Kriminalprävention, Fachbereich Sicherheit und Ordnung, Gleichstellungsbeauftragte
  • Polizeipräsidium Ludwigsburg: Referat Prävention, Sachbearbeitung Gewalt im sozialen Nahraum beim Polizeirevier Ludwigsburg
  • Landkreis Ludwigsburg: Allgemeiner Sozialer Dienst des Fachbereiches Kinder, Jugend und Familie, Psychologische Beratungsstelle, Gleichstellungsbeauftragte, Klinikum Ludwigsburg
  • Justiz: Anwaltschaft, Amtsgericht, Staatsanwaltschaft, Gerichtshilfe, Zeugenbegleitung
  • Beratungslandschaft: Frauen für Frauen e.V., Sozialberatung Ludwigsburg e.V., Weißer Ring e.V., Psychologische Beratungsstelle der Caritas, Silberdistel e.V.

In den letzten 20 Jahren hat der Runde Tisch weitere Angebote entwickelt, wie zum Beispiel das KIZ-Projekt, ein Gruppenangebot für Kinder, die in ihrer Familie häusliche Gewalt erlebt haben. Im Projekt „Gewalt im Leben älterer Menschen“ wurde ein Leitfaden für stationäre Einrichtungen sowie eine Arbeitshilfe für ambulante Dienste entwickelt. Darüber hinaus werden aktuelle Themen diskutiert, wie etwa die Möglichkeit einer verfahrensunabhängigen Spurensicherung nach einer Gewalttat im Klinikum Ludwigsburg.
 
Der besondere Erfolg des Runden Tisches ist nach wie vor das vernetzte Vorgehen in Fällen häuslicher Gewalt. Durch den regelmäßigen Info-Austausch der beteiligten Institutionen ist ein tragfähiges Hilfesystem entstanden, das auch an zukünftige Herausforderungen angepasst werden kann.
 
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens hat der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt ein Faltblatt herausgegeben. Darin stellen sich alle Mitglieder des Runden Tischs mit ihren Aufgaben und Ansprechpersonen vor. Das Faltblatt liegt unter anderem an der Rathaus-Information in der Wilhelmstraße 11 sowie bei den Beratungsstellen aus.
 
Die Ludwigsburger Kinos unterstützen den Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen ebenfalls: Als Vorfilm wird ein Spot des bundesweiten Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ gezeigt.

Rathausinfo

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Wilhelmstraße 11
71638 Ludwigsburg
Telefon: 07141 910-0
Fax: 07141 910-2737
rathaus@ludwigsburg.de

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