Corona und die Auswirkungen in den Ludwigsburger Partnerstädten

Corona dominiert den Alltag in allen Ludwigsburger Partnerstädten. Mit dem Ausbruch der Pandemie wurden sämtliche Austausche mit den Partnerstädten abgesagt. Noch im Januar 2020 war Oberbürgermeister Dr. Knecht zu seinem Antrittsbesuch in Montbéliard, auch der Technik-Austausch zwischen dem Friedrich-Schiller-Gymnasium und dem Gymnasium in Nový Jičín fand statt sowie im Februar eine Skiausfahrt zwischen der Ludwigsburger Sektion des deutschen Alpenvereins und dem Club Alpin Francais Montbeliard.

Aber schon der im März geplante Austausch des Friedrich-Schiller-Gymnasiums mit dem Collège St. Maimboeuf wurde wegen Corona kurzfristig abgesagt, wie nach und nach auch alle anderen geplanten Austausche und Feiern. 2020 ist für die Partnerstädte ein Jubiläumsjahr: 70 Jahre Ludwigsburg-Montbéliard, 60 Jahre Ludwigsburg-Caerphilly, 30 Jahre Ludwigsburg-Jevpatorija und 25 Jahre Ludwigsburg-St. Charles. Zur Venezianischen Messe waren Vertreter zu einer großen gemeinsamen Jubiläumsfeier aus allen Partnerstädten eingeladen, auch aus dem tschechischen Nový Jičín, mit dem Ludwigsburg erst 2012 den städtepartnerschaftlichen Vertrag unterschrieben hat. Die Venezianische Messe wurde abgesagt wie auch die traditionellen Stadtfeste in unseren Partnerstädten, darunter Big Cheese, das große mittelalterliche Spektakel um Caerphilly Castle mit zahlreichen Buden und Darbietungen und natürlich dem Käsewettrennen.
 
Auch die beiden szenischen Jubiläumskonzerte des Ludwigsburger Sinfonieorchester mit Tänzern aus dem Montbéliarder Konservatorium, die im Herbst sowohl in Ludwigsburg als auch in Montbéliard zur Aufführung kommen sollten, fielen der Pandemie zum Opfer. Sowohl in Ludwigsburg, als auch in Montbéliard durfte nicht geprobt werden und abgesehen davon, hätten die Sicherheitsabstände während der Aufführung nicht eingehalten werden können.

Für Oberbürgermeister Dr. Knecht ist es aber gerade in der jetzigen Krise wichtig, den Kontakt mit den Partnerstädten zu halten. So steht er in einem regen Briefverkehr mit den Bürgermeistern aus den Partnerstädten, in dem die getroffenen Maßnahmen beschrieben und verglichen werden. Dieses solidarische Interesse, das von Ludwigsburger Seite aus bekundet wurde, wurde lebhaft von den Staatsoberhäuptern aus Montbéliard, Caerphilly und Nový Jičín zurückgegeben. „Ich wünsche unseren beiden Ländern, unseren beiden Städten, dass sie so schnell wie möglich diese Krise überwinden“, schreibt Marie-Noelle Biguinet und „Sie können immer auf Montbéliard zählen, im Rahmen unserer Möglichkeiten, die freilich durch die derzeitigen Umstände eingeschränkt sind“.
 
Tatsächlich waren die Montbéliarder wesentlich eingeschränkter als die Ludwigsburger. Wie in ganz Frankreich durften sie das Haus nur zum Einkaufen oder für Arztbesuche verlassen. Nur die Menschen, die in einer Schlüsselposition tätig waren, durften zur Arbeit gehen und ihre Kinder wurden weiterhin in Schulen und Kindergärten betreut, während alle anderen Kinder zu Hause blieben. Für Bürgermeisterin Biguinet stand die Sorge um die älteren Mitbürger im Fokus. Hier ging es in erster Linie darum, die Versorgung von allein lebenden Rentnern mit Lebensmitteln und medizinischer Hilfe sicherzustellen. Fehlenden Schutzmasken für das ambulante Pflegepersonal und die Pflegekräfte in den Altenheimen bereiten ihr die größten Sorgen. Ein Problem, bei dem auch Ludwigsburg aufgrund eigener Engpässe zunächst nicht helfen konnte. Erst Mitte April konnte Oberbürgermeister Dr. Knecht seiner Kollegin mit einer Sendung von 1.800 Masken aushelfen.
 
Auch die Einzelhändler dort werden von der Montbéliarder Stadtverwaltung unterstützt. Sie erhalten nun Schutzmasken vom City-Manager und die Summe von 20.000 Euro in vier Tranchen á 5000 Euro ausbezahlt. Außerdem wurden die Einwohner unter dem Motto: „Ich unterstütze meine Läden“ aufgefordert, Gutscheine zu kaufen, die jetzt bezahlt werden, aber später zum Beispiel in Form eines Geburtstagsgeschenks eingelöst werden können.
 
Seit dem 18. Mai haben in Montbéliard zumindest die Grundschulen wieder geöffnet. Die Kinder, deren Eltern in Schlüsselpositionen arbeiten, werden wie bisher ganztags betreut, die anderen zumindest vormittags unterrichtet, und natürlich unterliegen alle strengen hygienischen Maßnahmen. Kindergärten und Kitas sollen am 2. Juni wieder ihre Türen für alle öffnen, die Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen werden weiterhin digital unterrichtet.
 
Der Bürgermeister von Caerphilly, Julian Simmonds, schreibt, dass sie ähnliche Beschränkungen wie in Ludwigsburg haben. Die Stadtverwaltung hat die Mitarbeiter zu neuen Teams formiert, die während der Krise die Bevölkerung unterstützen, wobei das Augenmerk insbesondere den Kindern und den älteren, hilfsbedürftigen Menschen gilt. Zwar werden seit der Schulschließung am 23. März nur noch Kinder in der Kita oder den Schulen betreut, deren Eltern in Schlüsselpositionen arbeiten, aber alle anderen Kinder werden konsequent virtuell zu Hause unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler, denen das entsprechende technische Equipment fehlte, haben es kostenlos von den Schulen zur Verfügung gestellt bekommen.
 
Für die 5000 Kinder, die bislang kostenlose Mahlzeiten in der Schule erhielten, hat sich Caerphilly etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie bekommen ihr Essen an fünf Tagen in der Woche direkt vor die Haustüre geliefert. Dabei erhalten sie nicht nur ein Mittagessen, sondern auch frisches Obst oder Salat, Milch und Bort. Dafür hat Caerphilly ein eigenes Team in der Verwaltung zusammengestellt und Partnerschaften mit lokalen Händlern geschlossen. 52 Lieferwägen sind täglich im Einsatz, sie werden teilweise von Einzelhändlern gefahren, deren Geschäfte oder Restaurants geschlossen sind oder von städtischen Mitarbeitern, deren Bereiche aufgrund von Corona stillgelegt wurden. Diese Essensauslieferung, die eine unglaubliche logistische Herausforderung darstellt, findet in dieser Form übrigens keineswegs in ganz Großbritannien oder Wales statt: “Hier unterscheiden wir uns von anderen Kommunen im Vereinigten Königreich, die stattdessen einen Geldbetrag oder Gutscheine ausgeben“, erklärt uns Kelsey Watkins mit dem schönen Titel “communication and tenant engagement manager of the Caerphilly County Borough Council, die also zum einen für die Kommunikation oder Öffentlichkeitsarbeit in der Verwaltung des großen Bezirks um Caerphilly zuständig ist, aber auch dafür, die vielen Mieter in den zahlreichen städtischen Wohnbauten zur aktiven Mitarbeit zu motivieren. „Das Feedback der Menschen, die von unserem Service profitieren, ist überwältigend“, versichert sie, und das ist noch nicht alles, was die Verwaltung tut.
 
76.000 Haushalte wurden angeschrieben, um zu ermitteln, wer in welcher Form Unterstützung braucht. 1.400 Bürgerinnen und Bürger haben auf das Angebot reagiert und werden nun mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt. Denn es ging darum, älteren oder vorerkrankten Menschen, die nicht auf die Hilfe von Freunden oder Familienangehörigen zurückgreifen können, die zwölfwöchige Quarantäne zu Hause zu ermöglichen. Auch Menschen, die durch die Krise in eine finanzielle Notlage geraten sind, werden nicht alleine gelassen. Für sie hat das Team, das normalerweise die Mieteinnahmen aus den kommunalen Wohnungen und Häusern verwaltet, extra eine spezielle Beratungsstelle eingerichtet. Sie erhalten zudem kostenlose Lebensmittelrationen aus sogenannten Lebensmittelbänken, vergleichbar mit unseren Tafeln, die von der Verwaltung vorübergehend an mehreren Stellen kurzfristig errichtet wurden.
 
Man spürt in diesen Aktionen noch deutlich den Geist der Miners, der Bergarbeiter, der sich in den 150 Jahren herausgebildet hat, in denen die Kohle der wichtigsten Wirtschaftszweig in Südwales war und das Zusammen- und Überleben in den Bergwerkssiedlungen von der gemeinsamen, lebensgefährlichen Arbeit in den Bergwerken, aber auch von einer ganz besonderen gegenseitigen Unterstützung und Solidarität geprägt war. Die Unternehmen, die während der Krise schließen mussten, erhalten in Caerphilly wie überall in Großbritannien, staatliche Zuschüsse. Verwaltet und ausbezahlt werden aber auch diese von den Finanzteams der Verwaltung des Caerphilly County Boroughs.
 
Die Kommunikation mit Jevpatorija ist seit der Annektierung der Krim an die Russische Föderation erschwert. Wir wissen zuverlässig, dass es auch dort Infizierte gibt und die Schulen und Kindergärten geschlossen sind. Als offiziell registrierte Covid-19-Fälle wurde uns die Zahl 355 (Stand 26.5. 29) für die gesamte Krim genannt. Davon seien 73 Personen aus Russland und 26 Ausländer betroffen. Die Sanatorien werden genutzt, um Menschen aufzunehmen, die sich in Quarantäne begeben müssen. Auch in Jevpatorija wurden öffentliche Kulturveranstaltungen wie die alljährliche Eröffnung der Kursaison abgesagt.
 
In Nový Jičín gelten wie in ganz Tschechien strenge Ausgangsbeschränkungen, obwohl es in der Stadt selbst nur zwei nachgewiesene Covid-19 Fälle gab. Alle Schulen und Kindergärten wurden bis auf die Notbetreuung für Kinder der Mitarbeiter in wichtigen Positionen geschlossen, alle Kultur-und Sportveranstaltungen abgesagt. Die Bürger aus Nový Jičín tragen einen Mundschutz, wenn sie das Haus zum Einkaufen oder für einen Arztbesuch verlassen, denn Tschechien gehört zu den ganz wenigen europäischen Ländern, die schon sehr früh die Maskenpflicht im öffentlichen Raum eingeführt haben. Der stellvertretende Gesundheitsminister und Hauptkoordinator im Kampf gegen das Coronavirus in Tschechien, Roman Prymula, hatte sich damals bewusst gegen die zu dieser Zeit noch herrschende Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation entschieden und für Tschechien das Tragen von Schutzmasken verfügt. In Tschechien, so betonte er, gäbe es keinen Mangel an Masken, da die Bürger selbst Mundschutzmasken aus Baumwolle herstellen würden. Dies ist auch in Nový Jičín der Fall, auch hier gibt es viele Bürger, die Masken nähen und mehrere Stellen, bei denen sie die selbstgenähten Masken abgeben, damit sie an Polizisten, Krankenpfleger und Senioren verteilt werden können. Zudem informiert die Stadt regelmäßig die Einwohner per Rundfunk über die wichtigsten Maßnahmen und Änderungen in der Corona-Krise.
 
St. Charles vermeldete bislang 712 Corona-Infizierte, wobei 51 Personen am Krankheitsverlauf verstarben. Insbesondere die Infektion von 64 Bewohnern und Mitarbeitenden des Pflegepersonals in einem Pflegeheim, von denen 19 Bewohner starben, traf St. Charles sehr. Aufgrund des erhöhten Gesundheitsrisikos und der verschärften Lage schloss sich Landrat Steve Ehlmann dem Gouverneur von Missouri an, der am 13. März den Notstand für den Bundesstaat ausrief. Neben der am 24. April erlassenen „Stay at Home“-Anweisung des Bundesstaats, ergriffen unsere amerikanischen Partner weitere Maßnahmen, die den unseren sehr ähneln.
 
Auch in St. Charles County wird der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,8 m eingehalten. Händewaschen ist auch hier oberstes Gebot und in den Pflege- und Seniorenheimen gibt es ein Besuchsverbot. Eine Mundschutzpflicht wie in Deutschland gibt es jedoch nicht. Den Bürgern wird lediglich dazu geraten, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Mittlerweile befinden sich der St. Charles County und der gesamte Bundesstaat Missouri in der Phase der Wiederherstellung des öffentlichen Lebens. Seit dem 4. Mai wird unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen, vor allem unter Einhaltung der Mindestabstände, allmählich die Wirtschaft und auch das soziale Leben wieder aktiviert, da der County das Risiko für die allgemeine Öffentlichkeit als gering einstuft. Die Schulen bleiben jedoch bis zum Ende des Jahres 2020 geschlossen und für die Schüler werden stattdessen Online-Unterrichtseinheiten angeboten.
 
Auch in diesen Zeiten bricht der Kontakt zwischen den deutsch-amerikanischen Freunden nicht ab. So berichtet eine Gast-Familie aus St. Charles Ihren Ludwigsburger Freunden, dass sie dieses Jahr das Osterfest anders als sonst verbracht haben. Sie haben jeder Familie ein gut bestücktes Osterkörbchen mit selbstgenähten Masken vor die Haustüre gestellt und der Familie per Telefon auf die Überraschung aufmerksam gemacht. Sobald das Geschenk vor dem Haus entdeckte wurde, schossen die „Osterhasen“ von der gegenüberliegenden Straßenseite ein Foto von den überraschten Gesichtern.
 
Besonders hart trifft es viele Amerikaner, dass die dort groß gefeierten Abschlüsse in den High-Schools und Universitäten samt und sonders Corona zum Opfer gefallen sind. Auch die Gottesdienste finden bislang nur online statt. Die Mitglieder des amerikanischen Partnerschaftsclubs bedauern außerordentlich, dass die Jubiläumsfeier zur Venezianischen Messe ausfallen muss. Hierzu hatte sich eine große amerikanische Delegation angemeldet, für die bereits genügend Gastfamilien in Ludwigsburg gefunden worden waren. Als kleine Aufmunterung für die Bewohner von St. Charles hat der lokale Fernsehsender das Konzert der Zithergruppe aus Ludwigsburg anlässlich ihres Besuchs im vergangenen August in St. Charles schon mehrmals ausgestrahlt. Der Zitherclub Oßweil war 2019 unter dem Motto „wunderbar together“ nach Missouri gereist und hatte dort vor einem begeisterten Publikum gleich mehrere Konzerte gegeben und sich in die Herzen unserer amerikanischen Freunde gespielt. So halten wir per Telefon, E-Mail, YouTube und WhatsApp, Kontakt mit unseren Freunden aus den Partnerstädten und freuen uns auf ein wirkliches, nicht virtuelles Wiedersehen.

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