Sanierungsgebiet "Untere Stadt"

Neugestaltung der Lindenstraße

Nach der Neugestaltung der Kronenstraße, der Kirchstraße und des Reithausplatzes wird nun auch die Lindenstraße zwischen Holzmarkt und Körnerstraße aufgewertet.
Es handelt sich um einen der letzten unsanierten Straßenab­schnitte, der schon lange zum Umbau ansteht. Die geplan­te Erweiterung des Fernwärmenetzes sowie die dringend anstehende Erneuerung der Wasser- und Gasleitungen samt der Sanierung des Abwasserkanals sollen zur grundlegenden Neugestaltung der Lindenstraße genutzt werden. Die Reali­sierung ist für Mitte 2017 geplant.

Mit dem vorliegenden Entwurf können mehrere Ziele erreicht werden:

  • eine Aufwertung des Stadtraums durch eine attraktive Neugestaltung mit hochwertigen Materialien im Duktus der angrenzenden Stadträume am Kaffeeberg und in der Kirchstraße
  • eine Steigerung der Aufenthaltsqualität durch die geplan­te Reduzierung der Stellplätze im öffentlichen Raum zugunsten breiterer Fußgängerseitenbereiche und einer E-Bike-Ausleih- und Ladestation
  • eine attraktive Grüngestaltung durch die Aufwertung des Grünstreifens in der Straßenmitte verbunden mit der Ausbildung einer Baumreihe aus Silberlinden analog zum historischen Straßenprofil
  • eine Aufwertung der Fußgängerzone durch die Sanie­rung und Neugestaltung des Fußgängerübergangs an der Kirchstraße (als letzter „Lückenschluss“ in der Fußgän­gerzone)
  • eine bessere Anbindung der Geschäftslagen rund um das Marstall-Center an die südlichen Bereiche der Hauptein­kaufszone in der Kirchstraße und an den Marktplatz

Marstallcenter und Umgebung

Marstall Areal vor der Umgestaltung
Marstall Areal nach Umgestaltung

Nördliches Umfeld

Die Charlottenstraße und der östliche Bereich der Bau­hofstraße waren der erste Teil eines in den 1970er Jahren geplanten großen Innenstadtrings. Mit ihren überdimensi­onierten, stadträumlich nicht integrierten Straßenräumen waren sie geprägt vom Leitbild der „autogerechten Stadt“. Sie verfügten über keinerlei Aufenthaltsqualitäten. Eine lange und hohe Stützmauer in der Straßenmitte bildete eine für Fußgänger und Radfahrer nur schwer zu überwindende räumliche Barriere zwischen der nördlichen Innenstadt und der Unteren Stadt.

Aber auch die verkehrliche Situation, insbesondere die Zufahrt zum Marstall-Center, war sehr unübersichtlich und für den auswärtigen Besucher kaum nachzuvollziehen. Die Einfahrt war nur aus nördlicher und östlicher Richtung durch einen Tunnel und dann im Parkhaus im “Linksverkehr“ über Rampen wieder nach oben möglich; die Ausfahrt erfolgte an anderer Stelle über eine andere Rampe.

Angesichts der unübersichtlichen Zufahrt und ihres schlech­ten baulichen Zustands wurde die Marstall-Parkgarage trotz ihrer guten Lage und verschiedener Aktionen (Gratisparken bei Besuch des Blühenden Barocks etc.) von vielen Besu­chern gemieden. Die Auslastung entsprach bei Weitem nicht den anderen Parkgaragen in der Innenstadt. Auch der bauliche Zustand der Charlottenstraße und der Bauhofstraße nördlich des Marstall-Centers sowie der angrenzenden Stadträume war schlecht. Die Anwohner und anliegenden Geschäftsleute wünschten sich seit Jahren eine Aufwertung der verkehrlichen und stadträumlichen Situation.

Nördliches Umfeld vorher

Nördliches Umfeld nachher
Nördliches Umfeld nachher
Nördliches Umfeld nachher

Nördliches Umfeld nachher

Südliches Umfeld

Bei dem historischen Reithausplatz handelte es sich um einen großen und gut proportionierten Stadtraum. Dieser wurde mit dem Bau des Marstall-Centers stark beeinträchtigt und auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe reduziert. Die direkte Wegeverbindung vom Reithausplatz über den Reit­hausberg zur Bauhof- und Charlottenstraße wurde zerstört. Aufgrund vieler unterirdischer Bauwerke (Lüftungsanlagen etc.) wurde der Platz auch stark topographisch überformt. Dadurch ergab sich ein „zerklüfteter“ und heterogener Rau­meindruck. Zudem wurde die Anbindung an den westlichen Platzrand zwischen Hermann- und Körnerstraße beeinträchtigt. Die Ge­bäude (u. a. die Brauerei Rossknecht) wirkten nicht als Teil des Platzes. Ihre ursprüngliche stadträumliche Bedeutung als prägende Platzrandbebauung konnte nur noch anhand der Adresse (Reithausplatz 21 etc.) nachvollzogen werden.

Insgesamt wirkte der Reithausplatz nicht repräsentativ, son­dern eher wie ein Hinterhof. Auch die Kronenstraße wurde durch den Bau des Mar­stall-Centers überformt und die Platzsituation an der Holz­marktstraße verkleinert. Der Gebäudekomplex dominierte mit seiner Größe und seinen abweisenden und geschlossenen Fassaden das gesamte Umfeld und stand im Kontrast zur kleinteiligen historischen Bebauung im Süden. Durch die Gebäudeversprünge war der historische Verlauf der Kronen­straße nur noch bedingt nachzuvollziehen, der Bereich an der Holzmarktstraße wirkte nicht mehr als „eigenständiger“ Platz und der Raumeindruck war sehr heterogen.

Die Kirchstraße entsprach in ihrer stadträumlichen Struktur noch weitgehend ihrer ursprünglichen Prägung – auch wenn in den letzten Jahrzehnten viele historische Bauten durch neue Gebäude ersetzt worden sind. Kennzeichnend sind der gerade Straßenverlauf des barocken Stadtgrundrisses und das nach Norden abfallende Gelände. Die bewegte Topo-graphie beinhaltete jedoch Probleme für die Gestaltung der öffentlichen Räume. Insbesondere der Übergang von der Kronen- zur Kirchstraße war durch ein starkes Gefälle ge­prägt. In Verbindung mit der beengten räumlichen Situation wirkte dieser Bereich wie ein „Nadelöhr“. Ein weiteres Problem stellte die Tieflage des Haupteingangs des Marstall-Cen­ters dar. Er „versank“ im Gelände und war daher nur wenig einladend. Auch die städtebauliche Gestaltung des Reithausplatzes, der Kronen- und der Kirchstraße war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr heutigen Qualitätsstandards. Der bauliche Zustand war schlecht und erforderte eine vollstän­dige Neugestaltung.

Aufwertung der öffentlichen Räume

Durch eine attraktive Grüngestaltung und die Wahl hochwer­tiger Materialien im Duktus der angrenzenden Straßenräume konnte eine umfassende Aufwertung der öffentlichen Räume und damit eine Steigerung der Aufenthaltsqualität erreicht werden:
Der Reithausplatz ist wieder ein attraktiver, urbaner Platz der nördlichen Innenstadt. Er ist als Stadtraum erlebbar und wird durch die angrenzenden Nutzungen bespielt. In Verbindung mit der Revitalisierung des Marstall-Cen­ters entstand eine großzügige Terrasse mit beleuchteten Sitzstufen, die für Außengastronomie genutzt wird. Von besonderer Bedeutung für die Aufenthaltsquali­tät, die Atmosphäre und die ökologische Funktion des Reithausplatzes ist die raumbildende zentrale Gruppe von Platanen. Sie wurde erhalten und durch neue Baum-felder bzw. -inseln mit integrierten Sitzelementen zu einem prägenden Gestaltungselement entwickelt. Ein weiteres wichtiges Gestaltungselement ist das Thema „Wasser“. Im Umfeld der historischen Marstallkaserne gab es früher eine Vielzahl von Brunnen, die weitgehend aus dem Stadtbild verschwunden sind. Neben dem Erhalt und der Inszenierung des historischen Trog-Brun­nens auf dem Reithausplatz konnte im südöstlichen Bereich des Reithausplatzes ein bodengleiches Was­ser-Sprudlerfeld ausgebildet werden, das in zeitgenös­sischer Form auf das Thema „Wasser“ verweist. Dieser Gestaltungsvorschlag wurde von der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger unterstützt, weil hierdurch eine besondere Atmosphäre entstehen kann und ins­besondere für Kinder ein starker Anziehungspunkt für Spiel und Aufenthalt geschaffen wird.

Eine weitere wichtige Anregung aus dem Beteili­gungsverfahren war die Einbeziehung des westlichen Platzrands zwischen Hermann- und Körnerstraße in die Platzgestaltung und damit eine Erweiterung des Pla­nungsgebiets. Die Platzoberfläche wurde über die Straße hinweg bis zur Brauerei Rossknecht ausgedehnt. Um einen möglichst nahtlosen Übergang zwischen dem Reithausplatz und der Hermannstraße bzw. der Körner­straße zu gewährleisten, wurde die bestehende kleintei­lige Terrassierung im Westen des Platzes zurückgebaut. Eine Belebung dieses Bereichs kann wieder wie früher durch die Außengastronomie der Brauerei Rossknecht erfolgen. Insgesamt wurde – ähnlich wie in der historischen Situ­ation – eine durchgehende und großzügige Platzfläche geschaffen.

Die Kirchstraße knüpft an die Gestaltung der Fußgänger­zone im Süden an und ist in drei Bereiche zoniert: einen Bewegungsraum in der Mitte und zwei seitliche Zonen für Ladenauslagen. Eine besondere Herausforderung stellte die Topographie dar. Um auf Starkregenereig­nisse reagieren zu können, wurden in die Gestaltung mehrere Gitterroste integriert, die das ablaufende Was­ser auffangen können und damit eine Überflutung des Centers vermeiden. Auch das bestehende unterirdische Regenrückhaltebecken vor dem Haupteingang wurde in die neue Planung einbezogen.

In der Kronenstraße wurden die Ecksituationen durch kleine „Bauminseln“ gegliedert und gestaltet. Sie stellen eine Variante der großen Bauminseln auf dem Reithaus­platz dar. Während dort der Raumeindruck durch die bestehenden großkronigen Platanen geprägt ist, wurden hier kleinkronige Bäume gepflanzt, um den Raum der Kronenstraße nicht einzuengen. In Verbindung mit einer deutlichen Aufwertung und Öffnung der Fassade des Centers entstanden wieder attraktive Stadträume, die auch eine wesentliche Aufwertung für die südlichen Bestandsgebäude darstellen. Ähnlich wie in der Kirch­straße schließen der Bodenbelag und die Beleuchtung nahtlos an die Gestaltung der angrenzenden öffentli­chen Räume am Holzmarkt an.

Grünkonzept

Zu den wichtigsten Zielen des Entwurfs zählte die Entwick­lung eines attraktiven Grünkonzepts verbunden mit einem möglichst weitgehenden Erhalt der Platanen. Über den gesamten Planungs- und Ausführungszeitraum wurde zum Schutz der bestehenden Platanen Fachexper­tise hinzugezogen. Hier wurde abgestimmt, unter welchen Voraussetzungen ein Baumerhalt möglich ist und welche Maßnahmen beispielsweise in Bezug auf den Wurzelraum, die Erstellung von Wurzelvorhängen, notwendige Schnittmaß­nahmen etc. erforderlich waren; diese flossen in die weiteren Planungen ein.

So konnte die zentrale, raumprägende Gruppe von Platanen am Reithausplatz erhalten werden. Dies war jedoch nur unter erheblichem – auch finanziellem Aufwand – möglich (z.B. in Bezug auf die Integration der neu zu verlegenden Fernwärmeleitungen, den Einbau von Kabeltrassen etc.). Insgesamt stellt sich das Grünkonzept wie folgt dar: Alle gefällten Bäume wurden durch neue Bäume ersetzt – am Reithausplatz durch eine Platane und in der Kronenstraße durch drei japanische Zelkoven.