Ein Ingenieur als Sprachtalent

Mohammed Alsheikh arbeitet im Fachbereich Stadtplanung und Vermessung

Zwei Vermessungsingenieure: Michael Wilhelm und Mohammed Alsheikh (rechts).

Der Krieg in Syrien hat die Berufspläne von Mohammed Alsheikh zunichte gemacht. Doch jetzt arbeitet der Bauingenieur in Ludwigsburg beim Vermessungsamt und zeigt dort, was er kann. Unter anderem schwäbisch.

Zwei Männer mit orangefarbener Weste stehen vor einem Tachymeter am Schorndorfer Torhaus in der Tügelstraße. Es sind Vermessungsingenieure: Michael Wilhelm und Mohammed Alsheikh. Sie sind bei der Bestandsaufnahme. Im nächsten Jahr soll hier der Straßenbelag erneuert werden, vorher muss der Ist-Zustand dokumentiert werden, die Gebäude werden aufgenommen und vermessen.

Mohammed Alsheikh hat in Syrien Bauingenieurswesen mit dem Schwerpunkt Vermessung studiert. 2010 hat er sein Studium abgeschlossen, 2011 begann der Krieg. „Zum Glück sind die Geräte überall auf der Welt gleich“, sagt Alsheikh. Als der 31-Jährige sich auf seine jetzige Stelle in Ludwigsburg beworben hat, war er dennoch wenig optimistisch. „Ich hatte keine Hoffnung.“

Zu dieser Zeit war er noch beim Landratsamt in Waiblingen als Praktikant beschäftigt. Dort hat sein jetziger Vorgesetzter angerufen – und nur Gutes über ihn gehört. Den Eindruck, den Alsheikh in Waiblingen hinterlassen hat, hat ihm auch die Tür für die Arbeit beim Fachbereich Stadtplanung und Vermessung in Ludwigsburg geöffnet.

Neues Programm schnell gelernt

Im Moment arbeitet er vor allem im operativen Bereich mit und bringt sich in Sachen Auto-Cad auf den neusten Stand. Dieses Programm ist neu für ihn, doch mittlerweile kann er auch damit umgehen und die Daten vom Feldrechner übertragen und ausspielen. Mohammed Alsheikh hat einen immensen Ehrgeiz.

Der Ingenieur hat in den vergangenen eineinhalb Jahren, seit er in Deutschland ist, so gut deutsch gelernt, dass er die Stufe C1 beim Spracherwerb erreicht hat. Arabisch und englisch spricht er sowieso. Er könnte sich auch vorstellen in seiner Freizeit als Dolmetscher zu arbeiten, die werden schließlich oft gebraucht.

Der Ingenieur aus Syrien ist mit einem Cousin zusammen geflüchtet. „Es ist wahrscheinlich als Single leichter, sich am Anfang in einem fremden Land einzuleben“, sagt Alsheikh. „Ich habe ein Ziel gehabt – dass ich innerhalb von einem Jahr einen Job finde“. Es ist ihm gelungen.

Dem ernsthaften Mann ist es aber wichtig, sich zu bedanken – bei Freunden, die ihm hier geholfen haben, sich zurecht zu finden. Ohne seine Nachbarn in Neustadt, Ute und Jörg Warth, wäre ihm manches schwerer gefallen. Die trifft er nach wie vor regelmäßig am Wochenende, ansonsten liest er gerne – natürlich auf deutsch – Thriller von Dan Brown, geht joggen oder spielt Tischtennis.

„Wir dachten in Syrien, die Deutschen sind zurückhaltend. Das Gegenteil ist der Fall, sie sind freundlich und offen“, sagt er über seine neuen Landsleute. Das sagt auch sein Kollege und Vorgesetzter Thomas Fleischer über ihn: „Er saugt alles auf, ist interessiert und denkt mit. Aber man kann mit ihm auch Witze machen. Und er versteht sogar schwäbisch.“

 

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