Gesplittete Abwassergebühr

Bisherige Gebührenerhebung

Zur Deckung der Kosten der öffentlichen Abwasserbeseitigung ist es notwendig, Abwassergebühren zu erheben.

Um dem Verursacherprinzip gerecht zu werden, werden die Kosten für die Beseitigung des Schmutzwassers von denen für die Beseitigung des Niederschlagswassers unterschieden. Die beiden Gebührenanteile - Schmutzwassergebühr und Niederschlagswassergebühr - decken dabei die Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung ab.

Schmutzwassergebühr

Grundlage des Schmutzwassergebührenanteils ist die bezogene Frischwassermenge. Wird Niederschlagswasser als Brauchwasser im Haushalt verwendet (Toilettenspülung o. ä.), so fällt hierfür ebenfalls die Schmutzwassergebühr an. Hierzu ist, auf eigene Kosten, eine geeignete Messeinrichtung (Wasserzähler) anzubringen und zu unterhalten. Wird bei einer Nutzung von Niederschlagswasser als Brauchwasser auf eine solche Messeinrichtung verzichtet, so wird der Gebührenermittlung eine pauschale Schmutzwassermenge von 13 m³ je Jahr und Person zugrunde gelegt.

Sollte die bezogene Frischwassermenge größer sein, als die tatsächlich eingeleitete Schmutzwassermenge, beispielsweise bei umfangreichen Bewässerungsmaßnahmen mit Frischwasser, so können auf Antrag Absetzungen von der Schmutzwassergebühr erfolgen.

Merkblatt zur Absetzung von der Schmutzwassergebühr (99,5 KiB)

Niederschlagswassergebühr

Den Maßstab für die Niederschlagswassergebühr bildet die Summe der überbauten und darüber hinaus befestigten Flächen auf dem Grundstück (= „versiegelte“ Flächen), von denen Niederschlagswasser in das öffentliche Kanalnetz eingeleitet wird. Die Einleitung kann entweder unmittelbar auf dem Grundstück oder mittelbar, zum Beispiel als Niederschlagswasser, das vom Grundstück in die Straßenentwässerung abfließt, erfolgen.

Gebührensätze der Stadt Ludwigsburg

Abwassergebühren bis 31.12.2014 gemäß Abwassersatzung (AbwS) vom 15.12.2011 

Niederschlagswassergebühr
0,28 €/Jahr je m 2 gebührenrelevante Fläche
Schmutzwassergebühr gem. §40 (1) AbwS *)
1,41 € je m 3 Schmutzwasser

Abwassergebühren ab 01.01.2015 gemäß der 1. Satzung zur Änderung der Abwassersatzung (AbwS) vom 18.12.2014

Niederschlagswassergebühr
0,20 €/Jahr je m 2 gebührenrelevanter Fläche
Schmutzwassergebühr gem. §40 (1) AbwS *)
1,14 € je m3 Schmutzwasser

*) bitte beachten: gesonderte Gebührensätze bei Bringsystemen (Kleinkläranlagen, Gruben etc.)

Versiegelte Grundstücksflächen

Versiegelte Grundstücksflächen sind überbaute Flächen wie Dachflächen von Häusern und sonstigen Gebäuden. Auch befestigte Flächen aus einem ganz oder teilweise wasserundurchlässigen Material wie zum Beispiel eine gepflasterte Hoffläche zählen zur versiegelten Fläche. Je größer die Wasserundurchlässigkeit einer Fläche ist, desto mehr Wasser gelangt in den Kanal und desto höher fällt die Niederschlagswassergebühr aus.

Die verschiedenen Versiegelungsarten werden in drei Abstufungen, sogenannten Abflussfaktoren, pauschaliert:

für voll versiegelte Flächen 1,0
(z.B. Ziegel-/Blech-/Glasdach, asphaltierte/betonierte Flächen, fugenlose Beläge)

für stark versiegelte Flächen 0,6
(z.B. Beläge ohne feste Verfugung, Porenpflaster, Gründach)

für wenig versiegelte Flächen 0,3
(z.B. Kies, Schotter, Rasengittersteine, Schotterrasen)

Für versiegelte Flächen anderer Art gilt der Abflussfaktor derjenigen oben beschriebenen Flächenart, der der betreffenden Versiegelung am nächsten kommt.

So ist beispielsweise bei Flachdächern und geneigten Dächern davon auszugehen, dass 100% des Niederschlagswassers auch der Kanalisation zufließen. Hier ist der Faktor mit 1,0 angesetzt. Von einem Gründach hingegen gelangt nur ein geringerer Niederschlagsanteil in den Kanal (rd. 60%), so dass hier die Fläche mit dem Faktor 0,6 gewichtet wird.

Zisternen/Versickerungsanlagen

Wird das Niederschlagswasser der Dach- und Grundstücksflächen nicht direkt in die öffentliche Kanalisation, sondern über eine Zisterne oder Versickerungsanlage eingeleitet, kann sich der Flächenansatz reduzieren.

Ab einer Mindestgröße von 2 m³ werden Zisternen und Versickerungsanlagen, die über einen Notüberlauf in die Kanalisation verfügen, mit einem Flächenabzug begünstigt:

  • Bei Zisternen erfolgt grundsätzlich ein Flächenabzug von 5 m² je m³ Zisternenvolumen, maximal jedoch 100% der angeschlossenen Fläche.
  • Bei Zisternen speziell mit Brauchwassernutzung im Haushalt wird ein Flächenabzug von 15 m² je m³ Zisternenvolumen, maximal 100% der angeschlossenen Fläche, vorgenommen.
  • Bei Versickerungsanlagen findet ein Flächenabzug von 15 m² je m³ Volumen statt, maximal 100% der angeschlossenen Fläche.

Flächen, die an Zisternen oder Versickerungsanlagen ohne Notüberlauf in die öffentliche Kanalisation angeschlossen sind, bleiben bei der Niederschlagswassergebühr unberücksichtigt. Voraussetzung hierfür ist, dass das Überlaufwasser auf dem Grundstück schadlos versickern kann.

Die Niederschlagswassergebühr für ein Grundstück kann daher durch geeignete Entsiegelungs-, Regenrückhalte- oder Versickerungsmaßnahmen gesenkt werden. Tipps und Anregungen hierzu können bei der Stadtentwässerung Ludwigsburg (SEL) eingeholt werden.

Selbstauskunft

Grundlage für die Niederschlagswassergebühr war die Ermittlung der versiegelten Grundstücksflächen anhand von Luftbildauswertungen. 

Zur Flächenermittlung wurden Luftbilder des Stadtgebiets aus dem Frühjahr 2010 herangezogen. So konnte die Flächenversiegelung für jedes einzelne der zirka 16.000 Grundstücke in Ludwigsburg ermittelt werden.

Um herauszufinden ob die Flächenansätze richtig ermittelt wurden, führte die Stadtentwässerung Ludwigsburg im Juli 2011 ein sogenanntes Selbstauskunftsverfahren durch. Im Rahmen dieser Selbstauskunft sollte die Luftbildauswertung durch die Grundstückseigentümer überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Wenn das anfallende Regenwasser vor Ort versickert, gesammelt und eventuell genutzt wird, konnte dies entsprechend vermerkt werden.

Auf Basis der Luftbild-Flächenauswertung wurde für jedes erfasste Grundstück ein zweiteiliger Erhebungsbogen, bestehend aus Kartenteil und tabellarischer Zusammenfassung, erstellt. Anhand des Bogens konnten die Grundstückseigentümer die ermittelten Flächenansätze überprüfen und gegebenenfalls korrigieren. Außerdem konnten sie Angaben zu Versickerung, Sammlung und/oder Nutzung von Niederschlagswasser machen.

Stimmten die von der Stadtentwässerung ermittelten versiegelten Flächenanteile mit den Feststellungen der Grundstückseigentümer überein, war keine Rückmeldung erforderlich.

Korrekturbeispiele:

Formulare:

Änderungen am Grundstück wie Neubau, Umbau, Ver- und Entsiegelung oder andere Eigentumsverhältnisse müssen gemeldet werden. 

Erläuterung zur Erklärung über die Veränderung versiegelter Flächen (829,1 KiB)

Erklärung über die Veränderung versiegelter Flächen (120,1 KiB)
Änderungen am Grundstück wie Neu-, Umbau, Ver-, Entsiegelung

Eigentumsänderung (87,2 KiB)
Änderung der Eigentumsverhältnisse

Besonderheiten bei Grundstücken mit mehreren Eigentümern

Bei Mehrfamilienhäusern beziehungsweise Eigentümergemeinschaften hat die Stadtentwässerung Ludwigsburg im Rahmen des Selbstauskunftsverfahrens, sofern bekannt, die Hausverwaltung angeschrieben. War keine Hausverwaltung bekannt, so wurde, stellvertretend für alle anderen, ein Miteigentümer angeschrieben. (Vgl. §37 Abwassersatzung der Stadt Ludwigsburg).

Abwassersatzung (220,5 KiB)

Informationsmöglichkeiten

Es besteht die Möglichkeit, direkt bei der Stadtentwässerung
Ludwigsburg, Mathildenstraße 29/1, Zimmer 142, Hilfe zu erhalten. Um
eine telefonische Abstimmung unter 0 71 41/910-32 28 oder 910-26 31 wird
gebeten.

Begriffserläuterungen

zur Seite Begriffserläuterungen


Weitere Informationen gibt es hier:

  • "Verordnung über die dezentrale Beseitigung von Niederschlagswasser", März 1999, Ministerium für Umwelt und Verkehr
  • Arbeitsblatt DWA-A 138 "Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser", April 2005, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA)
  • Merkblatt DWA-M 153 "Handlungsempfehlung zum Umgang mit Regenwasser", August 2007, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA)
  • "Arbeitshilfen für den Umgang mit Regenwasser in Siedlungsgebieten", Mai 2005, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)
  • DIN 1989-1 "Regenwassernutzungsanlagen - Teil 1: Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung", April 2002
  • Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. (fbr), http://www.fbr.de/
  • http://www.service-bw.de/
  • http://www.landesrecht-bw.de/
 

Kontakt

Stadtentwässerung Ludwigsburg
Mathildenstraße 29/1, Zimmer 142

Telefon: 07141/910-3228
und 910-2631

Falls Sie eine persönliche Beratung wünschen, vereinbaren Sie bitte einen Termin mit uns.