„Ich würde die Energieerstberatung uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Klimaschutz in Unternehmen

Geschäftsführer Marco Schreier

Herr Schreier, Sie haben eine kostenlose Energieerstberatung für Unternehmen der Energieagentur Kreis Ludwigsburg in Anspruch genommen. Was hat Sie dazu bewogen?

Um diese Entscheidung zu verstehen, muss man ein Stück in die Entwicklung unserer Mineralienhandlung zurückgehen. Anfang der 1990er Jahre habe ich die Liegenschaft Im Osterholz 1 in Ludwigsburg erworben, um der Marco Schreier Mineralienhandlung GmbH Raum für weiteres Wachstum zu geben. Ab 1992 wurden die Gebäude in mehreren Bauabschnitten sehr aufwendig saniert – stets mit dem Ziel, die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig zeitgemäße Nutzungen zu ermöglichen.

Zunächst wurde die Scheune für die Mineralienhandlung umgebaut, anschließend folgten die ehemaligen Stallungen und Gesindewohnungen, die heute als Seminar- und Gästehaus genutzt werden. Diese beiden Bauabschnitte waren 1996 abgeschlossen und entsprachen damals energetisch und technisch dem Stand der Technik. Die eingesetzte Gasheizung und die damaligen Dämmmaßnahmen galten zu diesem Zeitpunkt als zukunftsfähig.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen jedoch grundlegend verändert. Viele der damaligen technischen Lösungen – insbesondere im Bereich Heizung und Energieeffizienz – sind heute nicht mehr zeitgemäß und stehen im Widerspruch zu aktuellen Anforderungen. Mit dem zum 01.01.2024 in Kraft getretenen Gebäudeenergiegesetz ist die Thematik zudem deutlich komplexer geworden.

Da nun erneut Sanierungsmaßnahmen an der Scheune sowie am Seminar- und Gästehaus anstehen und ich dabei sowohl rechtliche Vorgaben als auch wirtschaftliche und denkmalpflegerische Aspekte berücksichtigen möchte, war es mir wichtig, eine fundierte und unabhängige Ersteinschätzung zu erhalten. Die kostenlose Energieerstberatung der Energieagentur Kreis Ludwigsburg bot hierfür eine ideale Möglichkeit, Orientierung zu gewinnen und die nächsten Schritte fachlich fundiert anzugehen.

Bei der Beratung können Schwerpunkte je nach Bedarf (z. B. Gebäudehülle, Wärmeerzeugung, Produktion, Beleuchtung) analysiert werden – welche waren das bei Ihnen?

Im Rahmen der Energieerstberatung haben wir uns bewusst auf die Bereiche konzentriert, in denen wir den größten Handlungsbedarf sehen. Ein zentraler Schwerpunkt war dabei die Gebäudehülle, da Dämmung, Fenster und bauliche Substanz entscheidend für den Energieverbrauch der historischen Gebäude sind.

Ein weiterer Fokus lag auf der Wärmeerzeugung. Die bestehende Gasheizung stammt noch aus der früheren Sanierungsphase und entspricht weder den heutigen Effizienzanforderungen noch den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Hier wollten wir klären, welche zukunftsfähigen Alternativen grundsätzlich in Frage kommen.

Darüber hinaus wurde auch die Beleuchtung betrachtet. Gerade in Arbeits-, Lager- und Seminarräumen besteht Potenzial, durch moderne, energieeffiziente Beleuchtungssysteme den Stromverbrauch zu senken, ohne dabei die Qualität der Ausleuchtung zu beeinträchtigen.

Welche konkreten Learnings haben Sie aus der Beratung mitgenommen?

Ein zentrales Learning aus der Beratung war für uns die Erkenntnis, dass die Planung und Umsetzung einer energetischen Sanierung heute ein hochkomplexes Unterfangen ist. Im Vergleich zu früher lassen sich solche Maßnahmen sinnvoll nur noch mit spezialisierten Fachleuten realisieren, die sowohl die technische als auch die rechtliche Seite im Blick haben.

Ein konkretes Beispiel aus unserer Planung verdeutlicht das sehr gut: Um den laufenden Betrieb der Mineralienhandlung nicht zu unterbrechen, hatten wir vorgesehen, das Dach abzudecken, die Dämmung von außen einzubringen und anschließend das Dach wieder neu einzudecken. Uns war jedoch nicht bewusst, dass in Baden-Württemberg seit 2023 bei einer Neueindeckung des Daches die Installation einer Photovoltaikanlage verpflichtend ist.

Solche fehlenden Kenntnisse können in der Praxis dazu führen, dass Ausschreibungen erstellt werden, die nicht allen gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Das wiederum kann erhebliche Nachbesserungen und Mehrkosten nach sich ziehen. Genau hier hat uns die Energieerstberatung die Augen geöffnet.

Wir können daher jedem Unternehmen nur dringend empfehlen, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema energetische Sanierung auseinanderzusetzen und die kostenlose Energieerstberatung in Anspruch zu nehmen. Im Anschluss sollte man sich zeitnah um einen geeigneten Energieberater bemühen. Die Nachfrage ist aktuell sehr hoch, die Auftragsbücher sind entsprechend gut gefüllt und es muss mit längeren Wartezeiten gerechnet werden.

In unserem Fall kam der Kontakt zu unserem Energieberatungsunternehmen über unseren Gas-Wasser-Installationsbetrieb zustande – ein Weg, der sich für uns als sehr hilfreich erwiesen hat.

Welche Maßnahmen haben Sie in Anschluss an die Erstberatung in Angriff genommen und zeigen sich bereits erste Erfolge?

Im Anschluss an die Energieerstberatung sind wir sehr systematisch vorgegangen. Im ersten Schritt haben wir gemeinsam mit einem Energieberater den Ist-Zustand der Gebäudehüllen sowie der bestehenden Heizungsanlagen detailliert erfassen und bewerten lassen. Diese Bestandsaufnahme war die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen.

Darauf aufbauend wurde im zweiten Schritt der zukünftige Energiebedarf ermittelt, insbesondere im Hinblick auf eine neue, nachhaltige Wärmeerzeugung. So konnten wir klären, welche Leistung die neue Heiztechnik tatsächlich erbringen muss.

Im dritten Schritt wurde geprüft, inwieweit die vorhandenen Heizkörper und Leitungen bei der favorisierten Wärmepumpenlösung weiter genutzt werden können oder wo ein Austausch technisch sinnvoll beziehungsweise notwendig ist. Auch das ist ein wichtiger Punkt, um Kosten realistisch zu planen und unnötige Eingriffe zu vermeiden.

Sobald die endgültige Entscheidung zur neuen Wärmeerzeugung getroffen ist, wird ein detaillierter Bauablaufplan erstellt und auf dieser Basis die Ausschreibungen vorbereitet. Unser Ziel ist es, die wesentlichen Baumaßnahmen bis Herbst 2026 abzuschließen, sodass wir zur nächsten Heizsaison mit einer modernen, umweltfreundlichen Heiztechnik in Betrieb gehen können.

Auch wenn sich die Maßnahmen noch in der Planungs- und Vorbereitungsphase befinden, zeigt sich bereits jetzt ein klarer Erfolg: Wir haben Transparenz über den energetischen Zustand unserer Gebäude, eine realistische Entscheidungsgrundlage und einen klaren Fahrplan für die nächsten Schritte.

Würden Sie die Erstberatungen anderen Unternehmen weiterempfehlen?

Ja, absolut – ich würde die Energieerstberatung anderen Unternehmen uneingeschränkt weiterempfehlen. Schon allein die Auswahl der passenden Energieträger und die Vielzahl möglicher Heizungsanlagen ist heute äußerst unüberschaubar. Hinzu kommt, dass energetische Sanierungen fast immer mit notwendigen und flankierenden baulichen Maßnahmen verbunden sind, deren Auswirkungen man als Unternehmer kaum vollständig überblicken kann.

Genau hier ist die Energieerstberatung ein sehr hilfreiches Instrument, um eine erste realistische Einschätzung zu bekommen: Was ist grundsätzlich machbar, wo liegen die größten Stellschrauben und welche Themen sollte man priorisieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die enorme Zeitersparnis. Der Aufwand, sich selbst durch Gesetzestexte, technische Optionen und widersprüchliche Informationen zu arbeiten, ist erheblich. Im Vergleich dazu ist die Inanspruchnahme der Energieerstberatung deutlich effizienter und zielführender. Sie schafft Klarheit, Orientierung und eine solide Grundlage für die nächsten Schritte.

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