Es läuft: Sauberes Wasser, saubere Energie

20 Jahre Entwicklungszusammenarbeit von Ludwigsburg und Kongoussi

Vier Jugendliche in Arbeitskleidung und mit Schutzhelmen montieren technische Bauteile an einem Tisch.
Azubis in Solartechnik der Berufsschule Kongoussi. (Foto: Stadt Ludwigsburg/Moukaila Compaoré)

Drei neue Brunnen mit Solarpumpen, 400 Solar-Home-Systeme für bedürftige Haushalte und eine Delegation aus Burkina Faso zu Gast in Ludwigsburg im Jubiläumsjahr – das sind die aktuellen Nachrichten: die Klimapartnerschaft zwischen der Stadt Ludwigsburg und der Stadt Kongoussi in Burkina Faso trägt weiter Früchte.

Anfang des Jahres wurden drei neue Tiefbrunnen mit solarbetriebenen Pumpen errichtet: an der Berufsschule Kongoussi, an der Bango-Grundschule sowie im Dorf Sorgho Yarcé. „Unsere alte Handpumpe war schwer zu bedienen und fiel immer wieder aus. Oft hatten wir mitten im Schultag nur wenig oder gar kein Wasser mehr. Jetzt läuft das Wasser zuverlässig – das ist für unsere Kinder und unser gesamtes Kollegium eine große Erleichterung im Alltag", freut sich Raaga Garba, der Schulleiter der Bango-Grundschule.

Im Dorf Sorgho Yarcé profitieren vor allem Frauen und Kinder von dem neuen Brunnen. Der Weg zum Wasserholen – bislang oft mehrere Kilometer weit – verkürzt sich erheblich, und das Risiko wasserbedingter Erkrankungen wie Durchfall sinkt spürbar.

Die drei neuen Brunnen sind das jüngste Kapitel einer Erfolgsgeschichte, die 2006 begann: Damals riefen Ludwigsburg, Kongoussi und die französische Partnerstadt Montbéliard eine trilaterale Entwicklungszusammenarbeit ins Leben. Seit 2014 vertiefen Ludwigsburg und Kongoussi diese Zusammenarbeit im Rahmen einer kommunalen Klimapartnerschaft mit konkreten Projekten zu Wasserversorgung, Energie und Bildung. 2026 jährt sich die trilaterale Zusammenarbeit zum 20. Mal.

Ein Kind dreht an einem Wasserhahn eines Trinkwasserbrunnens, während klares Wasser in ein Becken fließt.
Das Wasser fließt an der Grundschule Bango. (Foto: Stadt Ludwigsburg/Barthélemy Savadogo)

Solarstrom aus Schülerhand

Neben den Brunnen wurden 400 Solar-Home-Systeme an besonders bedürftige Haushalte übergeben – darunter Menschen in prekären Flüchtlingsunterkünften, die erstmals zuverlässig Licht haben, ihr Handy laden oder ein Radio betreiben können. Die Kleinstsolaranlagen wurden von Auszubildenden der Berufsschule in Kongoussi selbst hergestellt und installiert – als Teil ihrer praktischen Ausbildung in Solartechnik.

„Was mich an unserer Klimapartnerschaft mit Kongoussi besonders beeindruckt: Mit einem vergleichsweise geringen Eigenanteil der Stadt – 90 Prozent der Kosten werden vom Bund über Engagement Global gefördert – erreichen wir eine enorme Wirkung vor Ort. Und das nicht, weil wir Lösungen von außen importieren, sondern weil wir auf echten Kompetenzaufbau setzen. Wenn Auszubildende in Kongoussi die Solaranlagen selbst bauen, die dann ihre eigene Gemeinschaft mit Strom versorgen, dann ist das nachhaltige Entwicklung in ihrer wirksamsten Form. Wir investieren seit Jahren erfolgreich in Bildung und Klimaschutzprojekte vor Ort und stärken damit die Menschen nachhaltig. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht.

Zugleich ordnet Knecht die Partnerschaft auch geopolitisch ein: „Deutschland und Europa müssen sich den Konflikten dieser Welt stellen. Wir haben uns viel zu lange zu sehr auf uns selbst konzentriert. Gerade deshalb ist unser Engagement in Afrika – auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – von großer Bedeutung. Burkina Faso darf nicht weiter zum Spielball internationaler Mächte und des Terrorismus werden.“

Jubiläum im Oktober: Delegation aus Kongoussi zu Gast in Ludwigsburg

Zum 20. Jubiläum der Entwicklungszusammenarbeit wird im Oktober 2026 eine Delegation aus Kongoussi zu den Afrikatagen nach Ludwigsburg eingeladen, als Teil der aktuellen, zu neunzig Prozent vom Bund geförderten Projektphase. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit, gemeinsam auf zwei Jahrzehnte Partnerschaft zurückzublicken und neue Projekte zu planen. Ein wichtiger Pfeiler der Zusammenarbeit ist der Förderkreis Burkina Faso e.V., der seit 2008 als zivilgesellschaftlicher Partner seit Jahren eng mit der Stadt Ludwigsburg kooperiert und sich auch am städtischen Eigenanteil der Projektfinanzierung beteiligt. Der Förderkreis hat zum Beispiel die Berufsschule 2012 errichtet und finanziert seitdem den kompletten Betrieb. Zudem haben viele Patinnen und Paten aus Ludwigsburg das Schulgeld für die Auszubildenden übernommen. Während der Förderkreis die Zivilgesellschaft in Ludwigsburg repräsentiert, ist in Kongoussi der Verein Association Zood Nooma (AZND) ein unverzichtbarer Baustein der Zusammenarbeit.

Ausblick: Licht in den Krankenstationen

Als nächster Schritt ist die Ausstattung zweier Krankenstationen in Kongoussi mit Solaranlagen geplant. Damit wird künftig auch nachts eine zuverlässige Stromversorgung gewährleistet. Impfstoffe und Medikamente können sicher gekühlt, Notfälle auch im Dunkeln versorgt werden. Für eine Region, in der Stromausfälle zum Alltag gehören, ist das ein entscheidender Fortschritt.

Mehr Informationen zur Klimapartnerschaft erhalten Interessierte beim Referat Stadtentwicklung, Klima und Steuerungsunterstützung der Stadt Ludwigsburg bei Elisabeth Meier e.meier@ludwigsburg.de und auf www.ludwigsburg.de/internationales.

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