Stadtschreiberstipendium Ludwigsburg

2018 hat die Stadt Ludwigsburg erstmalig ein Stadtschreiberstipendium ausgelobt. Das Stipendium wurde mit der Förderung der Wüstenrot Stiftung 2020 erneut in einem eingeschränkten Verfahren von einer eigens hierfür gebildeten Fachjury ausgelobt.

Das Stadtschreiberstipendium ermöglicht es einer Autorin oder einem Autoren für mehrere Monate in Ludwigsburg Inspirationen zu sammeln und ein literarisches Werk zu erstellen.

Stadtschreiberin 2020: Ebru Nihan Celkan

Ebru Nihan Celkan
Foto: Aydan Çinar

Ebru Nihan Celkan trägt als zweite Autorin den Titel „Ludwigsburger Stadtschreiberin“ und war im Sommer und Herbst 2020 für mehrere Wochen in der Barockstadt zu Gast sein. Die 1979 in Adana geborene türkische Autorin wurde von einer Fachjury aus acht vorgeschlagenen Autorinnen und Autoren nominiert. Neben der erkennbar großen Bereitschaft, sich mit der Stadt Ludwigsburg auseinanderzusetzen, wurden auch die literarische Qualität und die Stärke der künstlerischen Haltung bewertet.

Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Dramatikerin unterrichtet sie dramatisches und performatives Schreiben an verschiedenen Universitäten und leitet Workshops zu den Themen Geschlechtergerechtigkeit und Diversität. Darüber hinaus schreibt sie seit 2014 für die türkische Tageszeitung Evrensel. In ihren Stücken setzt sie sich mit der urbanen Gesellschaft, deren Tabus und Missständen auseinander.

„Die türkische Autorin, Dramatikerin und Darstellerin versucht mit ihren Werken, anschaulich die gesellschaftlichen Konfliktsituationen zwischen Verantwortung und Aufbruch zu beschreiben.
Ihre gesellschaftlichen Analysen beeindrucken. Wie sieht der ‚andere‘ Blick auf unsere Gesellschaft aus? Was können wir darüber erfahren? Das war ausschlaggebend für die Wahl eines ungewöhnlichen neuen Schreibtalents, das gerade Sehnsucht und Eskapismus ausloten muss, um der politischen Situation eine künstlerische Haltung entgegenzubringen und uns einen Spiegel vorzuhalten.

Celkan ist mittlerweile eine gefragte Autorin: Derzeit arbeitet sie für das Gorki Theater in Berlin, ihr letztes Stück wurde am Schauspiel Stuttgart uraufgeführt, sie war Stipendiatin an der Akademie Schloss Solitude – sie kennt das Land Baden-Württemberg.

Ihre Eindrücke und ihre Auseinandersetzung mit der Stadt Ludwigsburg bergen die Chance, verschiedene Kulturen, die in dieser Stadt miteinander leben, zu beobachten und uns einen sicher differenzierten, gleichwohl emotionalen Blick ‚von außen‘ zu ermöglichen.“

So die Begründung der eigenes einberufenen Jury bestehend aus Dr. Martin von Arndt (Vorstand Verband deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg), Martin Bruch (Leitung Literaturhaus Freiburg), Prof. Dr. Roland Kamzelak (Stellvertretender Direktor Deutsches Literaturarchiv Marbach), Prof. Dr. Elisabeth Schweeger (Direktorin Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg), Thomas Stierle (Leitung Stadtbibliothek Ludwigsburg), so wie der Juryvorsitzenden Petra Bewer (Vorstand Buchkultur e.V.).

Stadtschreiberin 2018: Rike Scheffler

Mit Rike Scheffler konnte 2018 eine Berliner Lyrikerin, Performerin und Künstlerin gewonnen werden, eine schöne Reminiszenz an Ludwigsburgs berühmtesten Schriftsteller, dem Lyriker Eduard Mörike. Sie war im Mai und Juni des Jahres mehrere Wochen zu Gast in Ludwigsburg und hat die Stadt und ihre Bewohner aus literarischer Perspektive betrachtet.

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Scheffler ließ sich von Ludwigsburg, den Menschen, der besonderen Stadtgeschichte und Orten wie dem Residenzschloss und Märchengarten, dem Marktplatz, der Karlskaserne, der Weststadt und dem MIK inspirieren. So entstand ein vielstimmiges Soundstück, das seinen Ausgangspunkt in einem Remix der Dekrete und Aufrufe Herzog Eberhard Ludwigs findet – ein „Looppoem“ wie Scheffler es nennt, darüber was es heißt, gerade durch ein stetiges, demokratisches „Stadt Werden!“ vielfältige und weltoffene Stadt zu sein.