Augen auf!

Augen auf! - im August: Nicht jede „Biene“ macht Honig

Honigbiene oder Mistbiene, das ist hier die Frage!
GARTEN VOLLER LEBEN von Beate Steinmeyer

Schwebfliegen gehören zur Insektenordnung der Zweiflügler. Viele Naturfreunde haben schon ihren Schwirrflug beobachtet. Wie ein Hubschrauber können sie auf der Stelle fliegen, um zu entscheiden, welche Blüte sie besuchen wollen, oder um sich einen Menschen genau anzusehen.
Eine andere Schwebfliegen-Spezialität ist die Mimikry: Viele von ihnen sehen wie „jemand ganz anderes“ aus. So gibt es Hornissen-, Wespen-, Bienen- und Hummel-Schwebfliegen. Die meisten sind schwarz-gelb, was von vielen Tieren als „Vorsicht, gefährlich!“  interpretiert wird. In Wirklichkeit  sind sie alle völlig harmlos.

Eine recht unauffällige Art heißt korrekt Scheinbienen-Keilfleck-Schwebfliege. Fast jeder hat sie schon einmal mit einer Honigbiene verwechselt.  Die meisten Leute nennen sie einfach Mistbiene.
Dieser unschöne Name kommt daher, dass sich die Mistbienen-Larven zwar nicht direkt in Mist, aber meist in trüben Flüssigkeiten entwickeln, also in überdüngten Tümpeln, in Pflanzen-Jauche im Garten und überall, wo irgendwelche „Reststoffe“ im Wasser vergammeln. Da in solchen Pfützen der Sauer­stoff knapp ist, atmen sie mit einer Art Schnorchel.

Die erwachsenen Mistbienen (Abb. 2) trifft man jedoch wie Honigbienen (Abb. 1) von Februar bis November an warmen Tagen auf Blüten. Gelegentlich begegnen die beiden sich auf einer Pflanze, z.B. auf Winter­ling und Winterjasmin (Abb. 3a bzw. b), auf blühender Minze  (Abb. 4 a und b), auf Sommer­flieder (Abb. 5 a und b), auf Wegwarten (Abb. 6 a und b) auf Herbstanemonen (Abb. 7 a und b) und auf vielen anderen Pflanzen.
Sie sind wirklich leicht zu verwechseln, denn die Mistbienen sehen nicht nur bienenähnlich aus, sie verhalten sich auch so. Dies ist die beste Garantie dafür, von Mensch und Tier in Ruhe gelassen zu werden.  Dass Honigbienen stechen können, scheint sich herumgesprochen zu haben.

Wie kann man nun erkennen, ob man eine Mistbiene oder eine Honigbiene vor sich hat?

Honigbienen haben ziemlich lange Fühler (Antennen), Mistbienen dagegen sehr kurze. Die Augen der Honigbienen sind kleiner als die der Mistbienen. Die Taille der Honigbienen ist sehr schlank und beweglich: Mistbienen dagegen sind eher plump. Am Ende ihres Vorderleibs sitzt ein halbmondförmiges, behaartes Schildchen. Der Hinterleib der Honigbienen ist bei den meisten Rassen hellbraun, bei anderen trägt er gleich nach der Taille ein oder zwei durchgehende braune-orange Querstreifen. Mistbienen dagegen besitzen an der gleichen Stelle zwei braun-orange Flächen, die aber in der Mitte unterbrochen sind. Honigbienen sammeln unablässig Nektar und Pollen für ihre jüngeren Geschwister im Bienen­stock. Ihre Hinterbeine sind Sammelbeine, oft tragen sie daran jeweils einen dicken Pollen­klumpen. Die Imker sagen dazu „Höschen“. Mistbienen kümmern sich nicht um ihre Kinder (Larven) in den Dreckpfützen und benutzen die Blüten nur als Versorgungsstation für sich selbst. Mistbienen „verschwenden“ also keine Zeit für die Kinderbetreuung und haben es deshalb nicht so eilig wie die Honigbienen. Man kann sie oft in Ruhe beobachten: Dass sie in Wirklichkeit Fliegen sind, sieht man, wenn sie sich „zufrieden“ die Hände (Vorder­beine) reiben. – Typisches Fliegen-Verhalten, das man auch an jeder Stubenfliege studieren kann. 

Honigbiene und Mistbiene
Abb. 1: Honigbiene oder Mistbiene, das ist hier die Frage!   Tipp: Merkmale bei Abb. 1 und 2 vergleichen. Auflösung am Schluss!

Fotos von Beate Steinmeyer
Honigbiene und Mistbiene
Abb. 2: Welches ist die Honigbiene welches die Mistbiene?
3 auf Winterling / Winterjasmin  4 auf Pfefferminze  5 auf Sommerflieder  6 auf Wegwarte 7 auf Herbstanemone
Fotos von Beate Steinmeyer

Honigbiene oder Mistbiene, das war hier die Frage!
Auflösung Abb. 1: 1 Honigbiene und 2 Mistbiene im Vergleich 
Auflösung Abb. 2: Honigbiene 3a, 4a, 5b, 6a, 7b Mistbiene 3b, 4b, 5a, 6b, 7a

Augen auf! - im August: Huch eine Hornisse!

So kann man sich täuschen!GARTEN VOLLER LEBEN von Beate Steinmeyer

Hornissen und Hornissen-Schwebfliegen
Hornissen und Hornissen–Schwebfliegen 
1 Eine Hornissen-Schwebfliege stärkt sich mit Nektar und Pollen auf einer blühenden Pfefferminze. Typisch: große, gelbe „Nase“.
2 Die Hornisse ist erkennbar an ihren langen Antennen, ihrer schlanken Taille und ihren etwas kleineren Augen.
3 Auf diesem Foto sieht man, dass die Hornissen-Schwebfliege viel plumper gebaut ist.
4 Das würde keine Hornisse machen: Die Hornissen-Schwebfliege „sitzt“ auf ihrem Hintern, richtet sich auf und reibt sich die „Hände“.
5 Das würde keine Schwebfliege machen:  Eine Hornisse hat eine Hummel erbeutet und zerlegt sie nun. Dabei hängt sie kopfunter und hält sich nur mit den Hinterbeinen an einer Blüte  fest.
6 Erwachsene Hornissen ernähren sich hauptsächlich von süßen Pflanzensäften.
  
Fotos von Beate Steinmeyer

Aber ist es wirklich eine? Viel langsamer, viel plumper, große braune Augen, Antennen (Fühler)  kaum sichtbar, sehr große, gelbe „Nase“ bis weit in die Stirn – und jetzt sitzt sie gemütlich da und reibt sich die Hände (Vorderbeine). – Nein, dieses Tier „tut“ nur so, als ob es eine Hornisse wäre. In Wirk­lich­keit ist es ein Zweiflügler, genau gesagt eine Hor­nis­sen-Schweb­fliege (Nr. 1, 3 und 4 im Bild), und  gar nicht verwandt mit der Hornisse.

Nicht nur wir Menschen lassen uns täuschen. Vermutlich haben auch viele Vögel, Libellen und andere mögliche Fressfeinde diese harmlose Fliege für eine wehrhafte Wespe gehalten und in Ruhe gelassen. So haben immer die Hornissen-ähnlichsten Schwebfliegen überlebt. Ohne es selbst zu ahnen, wurden diese harmlosen Tierchen den als gefährlich geltenden Hornissen immer ähnlicher.  So etwas nennt man in der Biologie Mimikry (Signaltäuschung). Man spricht von „Vorbild und Nachahmer“, aber die Schwebfliegen können gar nichts dafür. Es waren ihre Feinde, die sie so „gezüchtet“ haben.

Auch noch auf andere Art sind die Hornissen-Schwebfliegen von ihren „Vorbildern“ abhängig. Die Weibchen schleichen sich in deren Nester ein und legen dort ihre Eier ab. Warum sich die Hornissen dies gefallen lassen, ist nicht ganz klar. Wissen sie selbst nicht so genau, wie eine Hornisse aussehen muss? Man nimmt an, dass diese Schweb­flie­gen auch Hornissen­-mäßig riechen.  Vielleicht sind sie für diese auch nützlich, denn sie leben vom Abfall im Nest und beseitigen die Reste toter Beutetiere und Larven. Manchmal vergreifen sie sich aber wohl auch an lebenden Hornissenlarven.

Auf jeden Fall ersparen die Schwebfliegen sich selbst damit eine Menge Arbeit. Ihre „Wirtinnen“, die Hor­nis­sen, bauen ein Nest aus zerkauten Holzfasern, erweitern es ständig und kühlen es bei Hitze mit Wasser. Sie jagen andere Insekten, zerkauen sie und füttern damit die Larven in ihrem Nest. Kein Wunder, dass Hornissen ständig in Eile sind. Sie sind viel schwieriger zu fotografieren als ihre „Nach­ahmerinnen“, die Hornissen-Schwebfliegen. Nur wenn sie, kopfunter an ihren Hinterbeinen hängend, ein erbeutetes Insekt zerlegen, halten sie einige Minuten einigermaßen still.  

Wie kann man nun erkennen, ob man wirklich eine Hornisse vor sich hat? – Ist das Insekt vorne braun und hinten gelb-schwarz? Hat es lange Fühler und starke Kiefer? Ist seine Taille sehr schlank (Wespentaille)? Fliegt es unermüdlich die Pflanzen einer Wiese ab? Frisst es an Trauben und anderen Früchten? Dann ist es wahrscheinlich eine Hornisse (Nr. 2, 5 und 6 im Bild).

Panik ist aber auch in diesem Fall nicht angesagt: Als größte einheimische Wespe besitzt die Hornisse zwar etwas mehr Gift als die Deutsche und die Gemeine Wespe, die einen auf Balkon und Terrasse nerven. Sie ist aber lang nicht so stechfreudig wie diese und hält lieber Abstand zum Menschen. Ihr Gift ist etwa so stark wie andere Wespengifte.

Beobachtet man dagegen ein Hornissen-ähnliches Insekt auf den Blüten von Pfefferminze oder Sommerflieder, dann genau hinschauen: Plumper Körper, ganz kurze Antennen, große, gelbe Nase – Hornissen-Schwebfliege!

Augen auf! - im Juli: Kolibris in Ludwigsburg?

1 Das Taubenschwänzchen sieht wirklich fast wie ein Kolibri aus. Sogar eine Pupille scheint es zu haben.  
2 Im Flug kann der lange Rüssel platzsparend eingerollt werden 
3 Taubenschwänzchen Anfang März auf Winterschneeball  und 
4 im Sommer auf Phlox 
5 Sommerwiese mit gelb blühen­dem Labkraut 
6 Hummelschwärmer auf Sommerflieder
7 Raupe des Mittleren Wein­schwär­mers, eines nachtaktiven Verwandten des  Taubenschwänzchens
 
Bilder: Beate Steinmeyer

Ein Garten voller Leben

Garten voller Leben von Beate Steinmeyer

Huch, eine Hornisse!

Aber ist es wirklich eine? Viel langsamer, viel plumper, große braune Augen, Antennen (Fühler)  kaum sichtbar, sehr große, gelbe „Nase“ bis weit in die Stirn – und jetzt sitzt sie gemütlich da und reibt sich die Hände (Vorderbeine). – Nein, dieses Tier „tut“ nur so, als ob es eine Hornisse wäre. In Wirk­lich­keit ist es ein Zweiflügler, genau gesagt eine Hor­nis­sen-Schweb­fliege (Abb. 1, 3 und 4), und  gar nicht verwandt mit der Hornisse.

Nicht nur wir Menschen lassen uns täuschen. Vermutlich haben auch viele Vögel, Libellen und andere mögliche Fressfeinde diese harmlose Fliege für eine wehrhafte Wespe gehalten und in Ruhe gelassen. So haben immer die Hornissen-ähnlichsten Schwebfliegen überlebt. Ohne es selbst zu ahnen, wurden diese harmlosen Tierchen den als gefährlich geltenden Hornissen immer ähnlicher.  So etwas nennt man in der Biologie Mimikry (Signaltäuschung). Man spricht von „Vorbild und Nach­ahmer“, aber die Schwebfliegen können gar nichts dafür. Es waren ihre Feinde, die sie so „gezüchtet“ haben.

Auch noch auf andere Art sind die Hornissen-Schwebfliegen von ihren „Vorbildern“ abhängig. Die Weibchen schleichen sich in deren Nester ein und legen dort ihre Eier ab. Warum sich die Hornissen dies gefallen lassen, ist nicht ganz klar. Wissen sie selbst nicht so genau, wie eine Hornisse aussehen muss? Man nimmt an, dass diese Schweb­flie­gen auch Hornissen­-mäßig riechen.  Vielleicht sind sie für diese auch nützlich, denn sie leben vom Abfall im Nest und beseitigen die Reste toter Beutetiere und Larven. Manchmal vergreifen sie sich aber wohl auch an lebenden Hornissenlarven.

Auf jeden Fall ersparen die Schwebfliegen sich selbst damit eine Menge Arbeit. Ihre „Wirtinnen“, die Hor­nis­sen, bauen ein Nest aus zerkauten Holzfasern, erweitern es ständig und kühlen es bei Hitze mit Wasser. Sie jagen andere Insekten, zerkauen sie und füttern damit die Larven in ihrem Nest. Kein Wunder, dass Hornissen ständig in Eile sind. Sie sind viel schwieriger zu fotografieren als ihre „Nach­ahmerinnen“, die Hornissen-Schwebfliegen. Nur wenn sie, kopfunter an ihren Hinterbeinen hängend, ein erbeutetes Insekt zerlegen, halten sie einige Minuten einigermaßen still.

Wie kann man nun erkennen, ob man wirklich eine Hornisse vor sich hat? – Ist das Insekt vorne braun und hinten gelb-schwarz? Hat es lange Fühler und starke Kiefer? Ist seine Taille sehr schlank (Wespentaille)? Fliegt es unermüdlich die Pflanzen einer Wiese ab? Frisst es an Trauben und anderen Früchten? Dann ist es wahrscheinlich eine Hornisse (Abb. 2, 5 und 6).

Panik ist aber auch in diesem Fall nicht angesagt: Als größte einheimische Wespe besitzt die Hornisse zwar etwas mehr Gift als die Deutsche und die Gemeine Wespe, die einen auf Balkon und Terrasse nerven. Sie ist aber lang nicht so stechfreudig wie diese und hält lieber Abstand zum Menschen. Ihr Gift ist etwa so stark wie andere Wespengifte.

Beobachtet man dagegen ein Hornissen-ähnliches Insekt auf den Blüten von Pfefferminze oder Sommerflieder, dann genau hinschauen: Plumper Körper, ganz kurze Antennen, große, gelbe Nase – Hornissen-Schwebfliege!

Augen auf! - im Juli: Wie kann man Blütenstaub transportieren?

Garten voller Leben von Beate Steinmeyer

1 Die winzigen Maskenbienen transportieren den Pollen im Kropf
2 Blattschneiderbiene auf einer Gartenwicke zeigt ihre Bauchbürste 
3 Zaunrüben-Sandbiene noch fast unbeladen und 
4 voll beladen 
5 Furchenbiene transportiert Wegwarten-Pollen an ihren Sammelbeinen 
6 Honigbiene hat den Wegwarten-Pollen viel kompakter „verpackt“ 
7 Von der Hummel an der Gartenwicken-Blüte sieht man nur die Höschen 
8 Bienen-Männchen (hier ein Maskenbienen-Drohn) sammeln keinen Pollen
Bilder: Beate Steinmeyer

Bienenkinder bekommen jeden Tag das gleiche Essen: Blütenstaub (Pollen) und Nektar. Manche Arten, z.B. die Zaunrüben-Sandbiene (Abbildung 3 und 4), sammeln für ihre Larven den Pollen nur von einer einzigen Art oder von wenigen verwandten Pflanzenarten. Meist „eilen“ sie hektisch von Blüte zu Blüte, um genügend Nahrung für ihre Kinder oder jüngeren Geschwister zusammenzutragen. Aber wie kann man „Staub“ im schnellen Flug ins Nest transportieren, ohne unterwegs die Hälfte zu verlieren?
Am einfachsten: Schlucken. So machen es die kleinen, fast unbehaarten Maskenbienen (Abbildung 1). Sie benützen dazu eine Art Kropf und würgen den Pollen im Nest wieder hervor.

„Bauchsammlerinnen“ besitzen eine sogenannte Bauchbürste. Schon auf der Blüte sieht man sie ständig mit zweien ihrer drei Beinpaare arbeiten, um den Pollen in die Bürste zu befördern. Besonders gut kann man die Bauchbürste bei den Blattschneiderbienen ( Abbildung 2) sehen, wenn sie z.B. auf einer Wickenblüte sitzen: Sie klappen meist ihren Hinterleib nach oben, so dass die Unterseite sichtbar wird. Im Nest wird der Pollen wieder vom Bauch abgestreift.

Voll bepackt transportieren die „Beinsammlerinnen“ große Blütenstaub-Mengen an ihren behaarten Hinterbeinen. Diese Sammeleinrichtung besitzen die Furchenbienen (Abbildung 5) und die Sandbienen (Abbildung 3 und 4). Hosenbienen haben schon unbepackt auffällig dicke, pelzige Hinterbeine.

Besonders kompakt können die Hummeln (Abbildung 7) und die Honigbienen (Abbildung 6) den Pollen unterbringen, denn sie haben an ihren Hinterbeinen Pollenkörbchen aus Chitinborsten. Schon während des Sammelns kämmen und bürsten sie ständig ihren Pelz aus und schieben den Pollen in die Körbchen. Ein bisschen Nektar draufgegeben und schon hält’s zusammen. So entsteht an jedem Hinterbein auf einem Sammelflug ein dicker Pollenklumpen, der von den Imkern als Höschen (Abbildung 7) bezeichnet wird. Bis zu einem Drittel ihres eigenen Gewichts kann eine Honigbiene so transportieren. Sehr flott geht das Entladen der Körbchen im Hummelnest oder im Bienenstock.

Manchmal schaffen es die Honigbienen mit den Pollenhöschen gar nicht bis zu den Waben, denn viele Imker möchten den Blütenpollen ernten und als „Superfood“ für Menschen verkaufen. Sie bringen am Eingang des Bienenstocks ein feinmaschiges Gitter an, die Pollenfalle. Die heimkehrenden Bienen haben es so eilig, dass sie mit ihren Höschen daran hängen bleiben und sie abstreifen. Die Biene lässt sich davon nicht beirren. Sie liefert den gesammelten Nektar ab und startet zum nächsten Sammelflug.
Männliche Bienen (Drohnen) können keinen Pollen sammeln. Man sieht sie deshalb viel seltener auf Blüten. Die Männchen der Honigbiene bedienen sich an den Vorräten ihres Volkes und werden sogar von ihren Schwestern gefüttert.

Augen auf! - im Juli: Der Marienkäfer

Garten voller Leben von Beate Steinmeyer

1 Eier
2 Larve und
3 erwachsener Vierpunkt
4 zwei Harlekin-Marienkäfer
5 die Larve und
6 die Puppe dazu
7 Vierzehnfleck-Marienkäfer in einer Blattlauskolonie
8 Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer
9 kein Marienkäfer, sondern ein Ameisen-Sackkäfer
Bilder: Beate Steinmeyer

Zwei, sieben, viele Punkte!

Wie viele Punkte hat ein Marienkäfer? „Sieben“, wäre wohl die häufigste Antwort auf diese Frage. Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist der bekannteste. Wenn es nicht zu kalt ist, sieht man ihn oft schon im Februar und auch noch im Oktober, denn er überwintert als “fertiger“ Käfer. Nach der Paarung sucht sich das Weibchen Pflanzen mit Blattläusen und legt darauf seine Eier ab. Wenn die Larve schlüpft, macht sie sich sofort über die Blattläuse her und frisst, bis ihre Haut zu eng wird und sie sich häuten muss. Danach kommen die nächsten Blattläuse dran, die nächste Häutung... Dreimal schlüpft wieder eine Larve aus der zu eng gewordenen Haut, beim vierten Mal klebt sie sich mit mehreren kurzen Fäden auf einem Blatt fest und muckst sich bis zu zwei Wochen nicht mehr. Das Innere dieser Puppe ist eine einzige große Baustelle, es entsteht praktisch ein neues Tier, das völlig anders aussieht und sich anders verhält: Es kann fliegen, sich paaren, Eier legen... Nur der Appetit bleibt gleich: Lieblingsspeise Blattläuse, Beilage bei Bedarf Spinnmilben und andere kleine Pflanzensauger. Hunderte davon verspeist ein einziger Marienkäfer. So kann man oft beobachten, wie verlauste Rosenknospen innerhalb einer Woche völlig „clean“ werden.

So ähnlich machen es die meisten Marienkäfer. Einen anderen Geschmack haben die gelben Zwei­und­zwanzig­punkt- Marienkäfer, sie leben als Larve und als erwachsenes Insekt von Mehltau, einem Pilz, der Pflanzen im Garten befällt. Auch der Luzerne-Marienkäfer ist ein reiner Veganer. Er frisst kleine Löcher in die Oberseite von krautigen Pflanzen.

Wie steht es nun mit der Punktezahl?
Wenn man nach den Artnamen geht, wäre das Minimum zwei, denn es gibt einen Zweipunkt-Marienkäfer. Allerdings wird er manchmal vom Harlekin-Marienkäfer (auch Asiatischer Marienkäfer genannt) unterboten. Der hat manchmal null Punkte, kann aber auch zwei oder vier oder ganz viele haben. Anscheinend schauen die Tiere bei der Partnerwahl nicht darauf: Rot mit vielen schwarzen Punkten, schwarz mit zwei oder vier roten, einfarbig – egal, Hauptsache Harlekin.
Zählt man beim Zweiundzwanzigpunkt nach, so kommt man auf mindestens vierundzwanzig Punkte, aber der Käfer ist winzig und Vierundzwanzigpunkt hieß damals wohl schon der Luzerne-Marienkäfer. Beim schwarz-gelben oder gelb-schwarzen Vierzehnpunkt sind es eigentlich langgezogene Vierecke, die oft ineinander übergehen.

Marienkäfer sind meist leicht zu entdecken, denn sie sind überhaupt nicht getarnt. Ihre kontrast­reiche Färbung wirkt wie ein Warnschild und das mit gutem Grund: Bei Gefahr können Marienkäfer an ihren Gelenken eine gelbe Flüssigkeit abgeben. Sie soll bitter schmecken und vor allem riecht sie sehr unangenehm. Deshalb lieber nicht anfassen! Man bekommt den Gestank erst durch mehrmaliges gründliches Waschen wieder ab.

Einen etwas groß geratenen „Stretch-Marienkäfer“ kann man oft abends beobachten, wenn er sich für seine Nachtruhe an einem Gras oder einem Blatt festgebissen hat: Den Ameisen-Sackkäfer. Er hat aber nichts mit den Marien­käfern zu tun, denn  er gehört zur Familie der Blattkäfer. Er frisst Blätter von Bäumen. Die Weibchen legen ihre Eier in einer Hülle aus ihrem Kot am Boden ab. Die Larven entwickeln sich in Ameisennestern.

Augen auf! - im Juli: Arme Laus! - von Feinden umgeben

Eine Blattlaus ist nicht zu beneiden: Für eine große Anzahl anderer Tiere sind sie lediglich ein gefundenes Fressen. So ist es zu erklären, dass Pflanzen manchmal schwarz von Läusen sind – und dass man ein paar Wochen später nur noch ein paar kleine Blattlauskolonien unter den Blättern findet.

Foto: Beate Steinmeyer

Die Läuse gleichen das aus, indem sie sich unglaublich schnell vermehren. Sie haben dazu eine raffinierte Methode: Die Jungfernzeugung. Eine flügellose Blattlaus braucht keinen Partner, um sich fortzupflanzen, das kann sie ganz alleine. Also: Keine aufwendige und gefährliche Partnersuche, keine Balz, keine Paarung. Außerdem müssen sie dazu nicht erst „erwachsen“ werden, sondern können kurz nach ihrer eigenen Geburt schon wieder Junge bekommen. Sie schlüpfen auch nicht aus einem Ei, sondern werden lebend geboren und sind lebendgebärend, legen also keine Eier. „Vorne“ saugen sie mit ihrem Rüssel Pflanzensäfte, hinten scheiden sie süßen Honigtau aus und gebären pro Tag bis zu fünf Kinder. Erst ihre Urur...urenkelinnen legen nach einigen Wochen Eier, aus denen geflügelte Männchen und Weibchen schlüpfen. Diese paaren sich und die Weibchen legen Eier, aus denen ungeflügelte Weibchen schlüpfen.

Wie gesagt, viele Blattläuse werden von anderen Tieren gefressen. Darauf wollen sich aber die meisten Pflan­zen­freun­de nicht verlassen. Sobald sie ein paar Blattläuse entdecken, versuchen sie sie zu beseitigen: Absammeln, Zerdrücken, Abwaschen, Vergiften... Dann sind die Läuse erst mal weg und ihre Feinde ebenfalls zerdrückt, abgewaschen, vergiftet – oder verhungert. Ein paar Läuse haben aber überlebt und dank Jung­fern­zeu­gung produzieren sie im Nu hunderte Töchter, Enkelinnen und Urenkelinnen. Ihre Feinde mit ihrer umständlichen Fortpflanzung kommen da nicht mit – die Blattläuse haben gesiegt.

Tipp der Umweltakademie Baden-Württemberg: Der Grünfink

Bildnachweis: Archiv Umweltakademie Claus König

Kleiner Samenknacker – Der Grünfink

Es ist Bruthochsaison bei den Vögeln.

Der Grünfink (Carduelis chloris) ist auf dem Weg zu seinem gut versteckten, napfförmigen Nest an einer bewachsenen Hausfassade. Der einstige Bewohner von lichten Baumbeständen und Waldrändern besiedelt heute die verschiedensten Siedlungsformen des Menschen. Hecken in Gärten, begrünte Hausfassaden, Streuobstwiesen und Parkanlagen in Großstädten: der Singvogel kommt dort vor, wo sich dem Brutpaar gute Verstecke für den Nistplatz bieten.

Der 14 bis 16 Zentimeter große und 23 bis 34 Gramm schwere Singvogel gehört, wie der Name Grünfink bereits vermuten lässt, zu der Familie der Finken, zu der auch der Buchfink, der Bergfink und der Gimpel zählen. Die gelbgrün bis graugrünen Männchen unter-scheiden sich anhand der Färbung etwas von den Weibchen, die insgesamt deutlich matter daher flattern. Bei beiden sind die Handschwingen auffällig gelb gefärbt und die schwarzen Flügelspitzen setzen sich vom restlichen grünen Gefieder ab. Das Gelege, in den aus Halmen und Zweigen gebauten Nestern, besteht aus fünf bis sechs weißlichen Eiern mit dunklen Punkten, die von den Grünfink-Weibchen ausgebrütet werden, während es vom Männchen mit Nahrung versorgt wird. Nach Angaben der Umweltakademie lebt die Brutvogelart fast ausschließlich vegetarisch und ernährt sich mit einem dafür bestens ausgerüsteten Schnabel von Samen, Knospen und Beeren. Zu seinen Leibspeisen zählen aber auch die Früchte der Hagebutte. Die nach dem etwa zweiwöchigen Brüten geschlüpften Jungvögel werden mit vorgeweichten Samen aufgepäppelt, bis sie das Nest verlassen.

Der Gesang des Grünfinks ähnelt dem eines Kanarienvogels und auf mehre kurze, kräftige „jüpp“ folgt oft ein gesteigertes Trällern, das am Ende in ein lang gezogenes „quäääääk“ mündet.

Tipp der Umweltakademie: Immer wieder werden zu dieser Jahreszeit angeblich verlassene Jungvögel gefunden. Jedoch verlassen die Jungen vieler Brutvogelarten den Brutplatz schon bevor ihr Gefieder vollständig ausgewachsen ist und sie richtig fliegen können. Beobachten Sie die Umgebung, ob weitere Grünfinken zu entdecken sind und helfen Sie lediglich Jungvögeln an Straßenrändern zur Seite. Lassen Sie die Tiere aber an Ort und Stelle, denn in den meisten Fällen werden sie durch ihre Eltern weiter versorgt.

Wichtig!
Es ist Brutzeit und die Zeit des Aufwuchses. Bleiben Sie daher auf den Wegen. Die Natur benötigt Ruhe und Schutz.

Quelle: Umweltakademie

Augen auf! - im Juni: Zwei Löwen im Garten

Links oben: Das gestielte Ei der Flor­fliege. Daraus schlüpft der „Blatt­laus­löwe“ (links unten).  Oben Mitte: das erwachsene Insekt (Florfliege = Goldauge).
Rechts oben: Sechs  Fangtrichter des Ameisenlöwen, Rechts unten: ausgegrabener Ameisenlöwe
Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir den Spaziergang mit aktuellen Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp für den Juni:

Zwei Löwen im Garten

Blattläuse im Garten? Kein Problem, ein Blattlauslöwe kann Hunderte davon mit seinen imposanten Zangen packen und aussaugen. Er ist die Larve einer Florfliege. Ob sich bald Blattlauslöwen auf Blüten , Blättern und Stängeln tummeln werden, kann man erkennen, wenn man die Umgebung genau absucht nach winzigen grünlich-weißen Eiern auf langen, biegsamen Stielen. Hunderte von Eiern kann ein Florfliegen-Weibchen in der Nähe von Blattlauskolonien an die Pflanzen heften.

Die erwachsenen Tiere, die auch Goldaugen genannt werden, sitzen tagsüber meist unbeweglich unter Blättern oder kleinen Zweigen. Man übersieht sie leicht, denn sie sind blassgrün gefärbt. Ihre vier durchsichtigen Flügel sind von feinen Adern durchzogen. Nachts werden die Tiere aktiv und versorgen sich an den Blüten verschiedener Pflanzen mit Pollen und Nektar. Florfliegen können anscheinend Ultraschall hören und sich damit verständigen. Wenn sie die Ortungs­laute der Fledermäuse hören, legen sie ihre Flügel zusammen und lassen sich fallen. Im Herbst werden die Florfliegen blassbeige und verkriechen sich z.B. in der Laubstreu, wo sie überwintern.

Ameisenlöwen bekommt man normalerweise nicht zu Gesicht, denn sie verbringen ihr Leben eingegraben am Grund ihres Fangtrichters. Oft findet man diese Trichter  in Gruppen an Stellen mit sehr feinem, trockenem Sand, z.B. an regengeschützten Stellen vor einer Gartenhütte. Die Trichter messen etwa fünf Zentimeter im Durchmesser und sind sehr gleichmäßig und exakt gearbeitet. Die Ameisenlöwen haben ihre Gruben selbst gebaut, indem sie Sand mit ihren kräftigen Zangen nach oben schleuderten. Diese Zangen sind das Einzige, was man mit guten Augen (oder auf einem Foto) unten in einem solchen Trichter erkennen kann. Sie sind sandfarben und perfekt getarnt.

Läuft nun zufällig eine Ameise durch den Trichter, dann wirft der „Löwe“ mit seinen Zangen Sand nach ihr, so dass sie ins Rutschen kommt. Gerät sie dabei auf den Boden des Trichters, dann ist sie verloren: Der Ameisenlöwe packt sie,  lähmt sie mit Gift und saugt sie aus. Wie auch der Blattlauslöwe entwickelt sich der Ameisenlöwe über ein Puppenstadium zum fertigen Insekt. Es heißt Ameisenjungfer, obwohl es keine Ameisen frisst, sondern Blattläuse und kleine Nacht­schmetter­linge. Sie sieht aus wie eine kleine Libelle mit Antennen (Fühlern). Da sie sehr versteckt leben und nachtaktiv sind, bekommt man die Ameisenjungfern nur sehr selten zu sehen. Ich habe noch nie eine gesehen!

Augen auf! - im Juni: Die Glockenblume

Links: Glockenblumen als Schlafstätte, oben zwei schlafende Bienen, unten eine um 11.14 Uhr erwachte Biene ; Rechts oben: Die seltene Braunschuppige Sandbiene;Rechts unten: Winzige Glockenblumen-Scherenbienen  - bei der Balz?Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir den Spaziergang mit aktuellen Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp für den Juni:

Nachtquartier Glockenblume

Glockenblumen-Bienen lassen es meist etwas ruhiger angehen: Gegen Abend, wenn Hummeln und Honigbienen noch fleißig am Sammeln sind, krabbeln sie in eine Glockenblumen-Blüte, verankern sich am Grund der Blüte mit ihren Mundwerkzeugen und begeben sich zur Ruhe. Sie sind aus­ge­spro­chene Langschläferinnen. Noch um elf Uhr habe ich eine Glockenblumen-Scherenbiene schlafend in einer Blüte gefunden. Erst Viertel nach Elf erhob sie sich langsam und saß noch verschlafen am Blütenrand, bevor sie zu ihrem Tagewerk aufbrach.

Glockenblumen sind besonders wichtig für Wildbienen. Mindestens vier Arten sammeln den Pollen für ihre Brut ausschließlich an Glockenblumen. Auch verschiedene andere Bienenarten finden sie offenbar attraktiv.

Besonders empfehlenswert ist die Pfirsichblättrige Glockenblume. Sie braucht kaum Pflege. Man kann die feinen Samen einfach ins Blumenbeet säen und dann jahrelang Freude an den Pflanzen haben. Sie säen sich auch gern selbst aus und wandern im Garten herum. Die blauen und weißen Blüten sind groß und da die Pflanzen bis 80 cm hoch werden, kann man die Bienen an und in den Blüten besonders gut sehen. Ihre Blütezeit passt gut zur Flugzeit der seltenen und hübschen Braunschuppigen Sandbiene,  die nur Glockenblumengewächse besucht.

Glockenblumen dürfen deshalb in keinem insektenfreundlichen Garten fehlen. Mit verschiedenen Arten (Polsterglockenblume, Pfirsichblättrige, Nesselblättrige...)  und wenn man sie nach der Blüte zurückschneidet, hat man eine monatelange Blühsaison.

Auf diesen Blüten kann man Wildbienen besonders gut beobachten. Man sieht dann, wie unter­schied­lich groß Wildbienen sein können – von der Erdhummel über die Honigbiene und die Braun­schuppige Sandbiene bis zur winzigen Glockenblumen-Scherenbiene. Die Blüten der verschiedenen Arten dienen den Bienen nicht nur als Schlechtwetter-Unterstand, als Schlafzimmer und als Futterquelle.  Gerade die kleinen Arten scheinen die Blüten auch als Balzplatz zu nutzen. Es sieht ganz so aus, als ob die Biene in dem Bild unten mit dem Zaunpfahl (Hinterbein) winken würde...

Augen auf! - im Juni: Der Klatschmohn

Der Klatschmohn ist beliebt bei Groß und Klein:
 Links Blaue Holzbiene, Mitte Dunkle Erdhummel, rechts zwei kleine Furchenbienen
Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir den Spaziergang mit aktuellen Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp für den Juni:

Nicht nur für Menschen attraktiv: Der Klatschmohn

Um zu sehen, was für eine interessante Pflanze da blüht, sollte man nicht zu spät aufstehen. In der Knospe sind die vier Blütenblätter zusammengeknautscht. Früh morgens fallen die beiden großen Kelchblätter ab und die vier großen Blütenblätter entfalten sich, bleiben aber etwas knittrig.
Sobald die Sonne draufscheint, beginnt das Gesumme: Die große, schwarze  Holzbiene mit ihren blau schillernden Flügeln, die Honigbiene und die Erdhummel mit ihren gelben Ringen und dem weißen Hinterende versuchen hektisch, möglichst viel Pollen zu sammeln.

Die Blüten klappen durch das Gewicht von Holzbienen und Hummeln oft nach unten, ohne dass die dünnen Stiele abknicken. Das ist ganz praktisch, denn nun brauchen die Hummeln nur mit angelegten Flügeln ihren „Flugmotor“ laufen zu lassen, man hört ein leises „Drrrr“, die Blüte vibriert und überschüttet sie mit schwarzem Pollen. Noch beim Weiterfliegen bürsten sie ihn aus ihrem Pelz, feuchten ihn an und drücken ihn in die Körbchen an ihrem dritten Beinpaar. Wie alle anderen Bienenarten versorgen sie damit ihre Brut. Das Eiweiß im Pollen liefert die Bausteine für das Wachstum der Larven.

Nektar bietet der Klatschmohn nicht. Diesen „Treibstoff“ besorgen sich Honigbienen und Hummeln gern, indem sie Akeleiblüten oben anbeißen.
Etwas später erscheinen die kleinen bis winzigen Bienenarten: Furchenbienen, Schmalbienen, Sandbienen, Blattschneider-Bienen...  Manche davon wälzen sich regelrecht im Pollen, den die „Großen“ in der Eile nicht eingesammelt haben. Auch andere Insekten, z.B. Heuschrecken, Käfer und Schwebfliegen besuchen die Klatschmohn-Blüten.

Schon nach wenigen Stunden in der Sonne sind jedoch alle Staubgefäße des Klatschmohns abgefallen und bald verliert er auch die Blütenblätter. Am nächsten Morgen öffnen sich weitere Blüten.

Der Klatschmohn kam wahrscheinlich mit den ersten Ackerbauern in der Jungsteinzeit nach Mitteleuropa. Als typisches „Ackerunkraut“ ist er einjährig und braucht bearbeiteten Boden. Im Staudenbeet oder in der Wiese kann er sich nicht behaupten. Besonders gut gedeiht er im Gemüsebeet. Wenn man im Mai die Zucchini auspflanzt, kann man einen Teil des Mohns stehen lassen, damit er sich aussät, bevor die Gemüsepflanzen den ganzen Platz für sich beanspruchen.

Augen auf! - im Mai: Der Bläuling

Drei Bläulingsarten, die man auch in naturnahen Gärten beobachten kann:
Ganz links Hauhechel-Bläuling Männchen, daneben das zugehörige Weibchen, Mitte rechts Faulbaum-Bläuling an einer Borretsch-Blüte, ganz rechts Kleiner Feuerfalter
Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir in den nächsten Wochen den Spaziergang mit Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp:

Nicht alle Bläulinge sind blau

Bläulinge sind etwas kleiner als Tagpfauenauge, Admiral oder Distelfalter. Vor allem die Männchen dieser Schmetterlingsfamilie kann man bei Sonnenschein in naturnahen Gärten, auf Wiesen und auf Heiden an ihrer schönen hellblauen Flügel-Oberseite gut erkennen. Ein weiteres Merkmal sieht man normalerweise nur auf Fotos: Ihre Antennen (Fühler) sind schwarzweiß geringelt.

Wenn man sie fotografieren will, braucht man etwas Geduld. Sie fliegen meist sehr schnell und unberechenbar. So können sie Feinde "abschütteln". Haben sie sich jedoch auf einer Blüte niedergelassen, so kommt man – mit langsamen Bewegungen – auch mal nah genug heran für ein Handyfoto.

Blaue Bläulinge sind normalerweise Männchen. Die zugehörigen Weibchen sind dann in der Regel braun, manchmal mit einem blauen Schimmer. Die Außenseite der Flügel (Unterseite) verrät, um welche Art es sich handelt. Für die genaue Bestimmung der Art braucht man Erfahrung. Auch Fachleute irren sich da manchmal.

Hat der Bläuling auf der Flügel-Unterseite hell umrandete schwarze Punkte und am Flügelrand orange Flecken, kann man bei uns davon ausgehen, dass es ein Hauhechel-Bläuling ist. Dies ist hier bei weitem die häufigste Art. Sie wird deshalb auch Gemeiner Bläuling genannt. Diese Bezeichnung hat nichts mit dem Charakter des Schmetterlings zu tun, sondern bedeutet "Gewöhnlicher“, also häufigster Bläuling. Die Art ist nicht sehr anspruchsvoll und akzeptiert auch Gartenblumen als Nektarquelle. Auch der Faulbaumbläuling ist öfter im Garten zu sehen.

Etwas später im Jahr fliegt ein Bläuling ganz ohne Blau: Der Kleine Feuerfalter. Bei ihm sehen Männchen und Weibchen gleich aus.
Die meisten Bläulingsarten brauchen als Raupenfutter ganz bestimmte Pflanzen. Manche sind so selten, dass man an ihrem Vorkommen die Qualität eines Lebensraums ablesen kann, nach der Faustregel: Je mehr Bläulingsarten vorkommen, desto intakter und wertvoller ist das Gebiet. "In unserem Garten in konnte ich immerhin schon fünf Arten fotografieren.", so Beate Steinmeyer.

Für die Bestimmung von Schmetterlingen gibt es im Internet Bestimmungstafeln mit den wichtigsten Merkmalen.

Augen auf! - im April: Die gehörnte Mauerbiene

Gehörnte Mauerbiene  Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir in den nächsten Wochen den Spaziergang mit Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp:

Die Gehörnte Mauerbiene

Jetzt schwärmen sie wieder.

Wenn man bei Sonnenschein vor einem „Bienenhotel“ steht, kann man eine früh fliegende Wildbienenart in Aktion beobachten: Die Gehörnte Mauerbiene.

„Pflopp!“ die Verdeckelung eines Brutganges ist heraus gefallen. Sie besteht aus einem dicken Lehmpfropfen, mit dem die Bienenmutter vor einem Jahr die Öffnung verschlossen hat.

Der erste Weg der Männchen führt zu einem Weibchen, um sie zu begatten. Dabei kann ein richtiges Gerangel entstehen.

Für die Weibchen beginnt nun ein arbeitsreiches Leben: Zuerst müssen sie geeignete Nistgelegenheiten finden. Dies sind Bambusröhrchen, Bohrungen von Nisthilfen, alte Käfer-Bohrgänge oder verlassene Nester anderer Wildbienen.

Als nächstes wird Nektar und Pollen (Blütenstaub) gesammelt. Dabei sind die Mauerbienen nicht wählerisch: Fast alle Frühblüher sind ihnen Recht: Veilchen, Hyazinthen, Winterschneeball... Besonders ergiebig sind natürlich blühende Obstbäume. Den Pollen transportieren sie mit Hilfe ihrer Bauchbürste. Am Ende des Nestgangs deponieren sie ihn, spucken Nektar darauf und vermengen beides zu einem Futterbrei. Ist die Biene mit der Menge zufrieden, so wird ein Ei darauf gelegt und die Zelle mit einer Zwischenwand aus feuchtem Lehm verschlossen. Dann wird wieder Pollen und Nektar eingetragen, ein Ei auf den Brei gelegt, eine Zwischenwand gebaut, bis die Röhre voll ist und vorne mit Lehm verschlossen werden kann.

Die Mauerbiene kann selbst entscheiden ob sie eine Tochter oder einen Sohn bekommen möchte. Klemmt sie ihre Samentasche zusammen wird es ein Junge, öffnet sie diese, wird es  ein Mädchen.

Wie kann man den Mauerbienen helfen?

Tipps für Nisthilfen mit Anleitung zum Selbermachen findet ihr im Agenda-Diplom-Tipp Nr. 10

Tipp der Umweltakademie Baden-Württemberg: Bedrohte Brummer

Bildnachweis: Gerhard Dittes

Man kommt nicht herum sich zu fragen, wie diese flauschigen und dicklichen Tiere überhaupt in der Lage sind zu fliegen, doch sind Hummeln alles andere als plump. Sie verfügen über einen ausgeklügelten Flugmechanismus, können mit ihrem Körper durch Stoffwechselprozesse Wärme für ihr Nest erzeugen und leben in sozialen Staaten, betont man bei der Umweltakademie.

Bereits im März sieht man die Königinnen der dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) auf der Suche nach zuckerhaltiger Nahrung und einer geeigneten neuen Brutstätte umherfliegen. Nachdem sie den Winter in Erdhöhlen, z.B. verlassenen Mäusenestern, verbracht hat, benötigt sie für ihre erste Aufzucht den Nektar mehrerer tausend Blüten. Sie sammelt den Nektar von vielen verschiedenen Pflanzen wie von diversen Kleearten und anderen Schmetterlingsblütlern, Distelarten und auch von Kulturpflanzen wie dem Apfel.

Auch die dunkle Erdhummel gehört wie alle Hummelarten zu den Wildbienen und verrichtet als Bestäuber vieler Pflanzenarten eine wichtige Aufgabe im Naturkreislauf. Die schwarze Hummel mit ihren charakteristischen zwei gelben Querbinden und dem weißen Hinterleib ist zwar die häufigste Hummelart in Deutschland, aber auch ihre Population geht stetig zurück. Neben dem fehlenden Nahrungsangebot und dem übermäßigen Pestizideinsatz in der modernen Landwirtschaft, setzt den pelzigen Tieren auch der Klimawandel zu. Dieser hat einen Einfluss auf den Rückgang von Hummelpopulationen, da die Populationen dort verschwinden, wo die Temperatur steigt. Mehr als die Hälfte der 30 in Deutschland beheimateten Hummelarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Tipp der Umweltakademie: Zum Schutz der Hummeln sollten Areale, in welchen sich natürliche Niststätten wie Böschungen, Bruchsteinmauern sowie verlassene Maus- oder Baumhöhlen befinden können, erhalten werden. Beim Fehlen natürlicher Nistmöglichkeiten kann die Natur nachgeahmt werden, indem ein künstlicher Hummelkasten im, auf oder über dem Boden bereitgestellt wird. Zusätzlich brauchen besonders die Hummelköniginnen im Frühjahr ein reiches Nahrungsangebot, welches durch eine angelegte Wildblumenwiese – mit Rotklee, Wiesensalbei und Herbstzeitlose – in der Nähe erreicht werden kann.

Wichtig!
Es ist Brutzeit und die Zeit des Aufwuchses. Bleiben Sie daher auf den Wegen. Die Natur benötigt Ruhe und Schutz. Verhalten Sie sich den Corona-Kontaktbeschränkungen entsprechend.

Augen auf ! - im Mai: Der Rosenkäfer

links: Wenn man sich nicht einigen kann, kommt keiner in die Blüte: Goldglänzender Rosenkäfer und Trauerrosenkäfer im Vergleich.   rechts: Drei Trauerrosenkäfer auf einer blühenden Küchenzwiebel. Der Käfer links dürfte der älteste der Drei sein. Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir in den nächsten Wochen den Spaziergang mit Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp:

Gemütlicher Brummer

Der Goldglänzende RosenkäferEin tiefer Brummton und dann „rrrumms!“ – das kann eigentlich nur ein Rosenkäfer sein. Wenn er geradeaus fliegen will, kriegt er vor einem Hindernis (z.B. einem Menschen) nicht immer die Kurve. Auch sonst ist er eher behäbig: Wenn er sich in einer Blüte „eingegraben“  hat, lässt er sich nicht so leicht stören. Man kann ihm vorsichtig mit einem Finger über die Deckflügel streichen und spürt dann, dass sie tatsächlich so glatt sind, wie sie aussehen. Sie haben einen wunderschönen grüngoldenen Glanz. Zusätzlich sieht man weißliche Fleckenzeichnungen auf den Flügeldecken. Es gibt auch kupferfarbene Exemplare.

Rosenkäfer können ihre Deckflügel nicht wie andere Käfer hochklappen, sondern strecken zum Fliegen die Hautflügel, also ihre Tragflächen, darunter seitlich aus. So kommen sie ganz gemütlich zur nächsten Blüte, wo sie sich mit Nektar und Pollen stärken oder an Blütenteilen knabbern. Obwohl manchmal mehrere Käfer zusammensitzen, bemerkt man eigentlich nie Schäden an den Pflanzen. Dass der Rosenkäfer ein Blatthornkäfer  ist, sieht man an seiner Larve: Sie sieht aus wie ein Maikäfer-Engerling, lebt aber im Gegensatz zu diesem von abgestorbenen Pflanzenteilen, z.B. im Kompost. Dort verpuppt er sich auch. Da er bis zu zwei Jahren als Larve lebt, findet man ihn oft beim Umsetzten des Komposts und sogar in Blumentöpfen. Tageslicht schadet ihm, deshalb sollte man die Larven  gleich wieder eingraben.

Ein kleinerer Verwandter des Goldglänzenden Rosenkäfers ist der Trauerrosenkäfer. Er wird wegen seiner schwarzen Farbe so genannt, hat aber viele weiße Flecken. Seine Lebensweise ist ganz ähnlich wie die des goldglänzenden „Vetters“, nur dass die Engerlinge an Wurzeln sitzen und nicht im Kompost.Wenn man genau hinsieht, kann man das Alter dieses Käfers schätzen: Frisch geschlüpfte Käfer sind behaart, bei einige Wochen alten Exemplaren haben sich die Haare abgenützt und die Flügeldecken wirken glatt. Eigentlich ist dies ein Käfer aus dem Mittelmeergebiet. In den letzten Jahrzehnten hat er sich aber in ganz Deutschland ausgebreitet und dieses Jahr scheint er besonders häufig zu sein.

Augen auf im Mai: Die Feuerwanze

links: Mit ihrem Rüssel sticht diese Wanze die Samenanlagen einer Malve an   rechts: Hier sonnen sich viele erwachsene Tiere zusammen Bildnachweis: Beate Steinmeyer

Mit "Augen auf" wollen wir in den nächsten Wochen den Spaziergang mit Naturbeobachtungstipps bereichern. Beate Steinmeyer aus Ludwigsburg hat folgenden Tipp:

Dieses Jahr konnte man sie schon Anfang Februar sitzen und wuseln sehen: Die lustigen rot-schwarzen "Feuerkäfer“, in Wirklichkeit Feuerwanzen. Mit dem Feuer hat ihr Name natürlich nichts zu tun, er bezieht sich auf ihre auffällige Warnfärbung. Vögel und andere Fressfeinde verstehen die als „Vorsicht, ich schmecke eklig!“ und lassen sie in Ruhe. Ob sie wirklich giftig sind ist nicht ganz klar.

Im Frühling schlüpfen winzige rote Larven (bei den Wanzen "Nymphen“ genannt), die mit viel Rot und wenig Schwarz schon Ähnlichkeit mit ihren Eltern haben, aber noch nicht das schicke Design der Erwachsenen. Mit jeder Häutung werden sie denen dann ähnlicher. Im Herbst findet man dann wie im Vorfrühling nur noch erwachsene Tiere (Imagines), die in Hohlräumen im Boden überwintern.

Wie manche anderen Wanzenarten "kuscheln“ die Feuerwanzen gern. Dabei sitzen "Kinder“ (Nymphen) und Erwachsene kreuz und quer. Man sieht sie dann an sonnigen Stellen an Mäuerchen und an Baumstämmen, wobei Linden besonders beliebt sind. Meist sitzen sie im unteren Bereich. Sie sind vorwiegend Bodenbewohner.

Auch wenn man Hunderte von Feuerwanzen im Garten hat, sind praktisch nie Schäden festzustellen. Sie saugen am liebsten an unreifen Samen von Malvengewächsen. Deshalb sitzen sie auch gern auf Stockrosen. Man kann sie auch gelegentlich beim Abtransportieren von Samen beobachten, z.B. unter dem Vogelfutter-Silo.