Stadtbahn soll von Markgröningen nach Ludwigsburg fahren

Nach dreistündiger Debatte hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 19. November zugestimmt, die Strecke von Markgröningen und Möglingen in den Bahnhof Ludwigsburg zu reaktivieren. Die geplanten Linien durch die Stadt lehnte das Gremium dagegen endgültig ab. Wie es zu dieser Entscheidung im Gemeinderat kam.

Visualisierung der geplanten Stadtbahn - mit Aufschrift LUCIE
Nach dem Willen des Gemeinderats soll die Stadtbahn nicht durch Ludwigsburg fahren. (Visualisierung: Zweckverband Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg)

Nach dreistündiger Beratung und mehreren Sitzungsunterbrechungen hat der Gemeinderat der Stadt Ludwigsburg nun entschieden: Mit 25 zu 14 Stimmen beschloss das Gremium, an der Reaktivierung der Strecke von Markgröningen über Möglingen in den Bahnhof Ludwigsburg festzuhalten. Eine ähnliche Mehrheit (25 Ja-, 13 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung) legte fest, alle weiteren Äste durch Ludwigsburg nicht weiter zu verfolgen – mit der Auflage an den Zweckverband der Stadtbahn, dazu alle Planungen und Ausgaben sofort zu stoppen. Die Stadtverwaltung hatte zuvor dem Gemeinderat vorgeschlagen, die Strecken durch Ludwigsburg zehn Jahre ruhend zu stellen.

Der Gemeinderat entschied überdies, dass die Stadt Ludwigsburg im Zweckverband Stadtbahn bleibt. Sie soll aber eine Anpassung des weiteren Projektfortschrittes im Sinn der oben gefassten Beschlüsse geltend machen. Das bedeutet: Die Vertretungen der Stadt Ludwigsburg in der Verbandsversammlung und im Verwaltungsrat des Zweckverbandes sind aufgefordert, dort auf Grundlage des Gemeinderatsbeschlusses abzustimmen, die notwendigen Anträge einzubringen und eine entsprechende Beschlussfassung herbeizuführen.

„Mit dem Beschluss des Gemeinderats sichern wir langfristig die Handlungsfähigkeit und den Investitionsspielraum der Stadt Ludwigsburg“, betonte Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht. „Neben dem Beschluss zur Reaktivierung setzen wir kluge Prioritäten im Bereich Mobilität mit dem Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB), der zweiten Bahnhofsunterführung, mit neuen Radwegen und dem Ausbau der Businfrastruktur. Das ist verantwortungsvoll und zukunftsorientiert.“

Die Stadtverwaltung hält an der Einfahrt der Stadtbahn in den Bahnhof fest. Sie sieht darin große Vorteile, weil ein Vorlaufbetrieb an Gleis 5 und Gleis 6 möglich ist. Um die Förderfähigkeit zu gewährleisten, spricht sich die Stadt Ludwigsburg zudem für einen barrierefreien Zielzustand aus, der einen möglichst dichten Takt sowie den Einsatz von Zügen mit einer Länge von 80 Metern erlaubt. Daher muss aus Sicht der Stadt der finale barrierefreie Halt der reaktivierten Strecke im Bahnhof Ludwigsburg liegen.

Zweckverband soll Einfahrt auf den Bahnsteig „Gleis 7“ prüfen

Um dort die notwendigen Kapazitäten zu schaffen, könnte dieser an einem neuen Bahnsteig „Gleis 7“ enden (Höhe Kepler-Areal auf den Flächen der alten Betriebsgleisen des Franck-Areals). Nach einer ersten Einschätzung der Stadtverwaltung scheint dies möglich, ohne Projekte wie die zweite Bahnhofsunterführung und die Entwicklung des Kepler-Areals zu beeinträchtigen. Eine detaillierte Prüfung und Planung muss durch den Zweckverband Stadtbahn erfolgen.

Eine vom Zweckverband vorgeschlagene Streckenführung durch die Weststadt über die Talallee, Kurfürstenstraße und Martin-Luther-Straße zum Bahnhof lehnt die Stadtverwaltung ab, weil dies aus ihrer Sicht nicht zielführend und umsetzbar ist. Der damit verbundene Halt am Westausgang kann aufgrund von Projekten wie dem Umbau des ZOB oder der Neubau der zweiten Unterführung mit deren Baumaßnahmen und Umleitungsverkehren bis ins Jahr 2035 nicht in Angriff genommen werden.

Planerische Hindernisse bei Halt der Stadtbahn am Westausgang

Aber auch von zeitlichen Fragen abgesehen, wirft ein Zielzustand in der Pflugfelder Straße aus Sicht der Stadtverwaltung enorme planerische Hindernisse auf und wird daher abgelehnt. So gibt es im Zusammenspiel mit der Radroute Richtung Weststadt und Bildungszentrum West, der Thematik der Leitungen und dem Verkehr sehr große Herausforderungen.

Die 2022 beschlossenen Trassen durch die Leonberger- und Hindenburgstraße sind für die Stadt aufgrund der massiven verkehrlichen Herausforderungen wie beispielweise der Querung der B27 und den weiteren großen Verkehrsachsen am ZOB und der Bahnhofstraße sowie den Eingriffen in die Alleenstruktur und die zahlreichen öffentlichen Stellplätze nicht vorstellbar. Dies hat insbesondere große Auswirkungen auf die überörtlichen Verkehre und die Planungen für die Friedrichstraße, für die es bisher auch keinen Beschluss des Ludwigsburger Gemeinderates oder der Verbandsversammlung des Zweckverbandes gibt.

Stadtbahnprojekt auch aus Kostengründen nicht leistbar

Überdies sind die Kosten, die die Stadt direkt über die Umlage an den Zweckverband und indirekt über die Kreisumlage zur Mitfinanzierung aufbringen muss, aus städtischer Sicht in der gegenwärtigen schlechten finanziellen Situation nicht leistbar.

Die Stadtverwaltung zieht ihren ursprünglichen Vorschlag zurück, einen Expressbus zwischen dem Bahnhof Ludwigsburg und Pattonville einzurichten. Das Vorhaben ist laut Verkehrsministerium nicht förderfähig. Sie hält aber an ihrer Idee alternativer, auch autonomer Mobilitätslösungen fest und wird diese unabhängig vom Stadtbahnprojekt weiterverfolgen.

Ziel ist es, unter anderem die Anbindungen des Blühenden Barocks und umliegender Bereiche attraktiver zu gestalten etwa durch die Prüfung eines autonomen Buskonzepts. Nach einer detaillierten Analyse wird die Verwaltung entsprechende Vorschläge in die Gremien des Gemeinderats einbringen. Diese Alternativen sind keine Bestandteile des Stadtbahnprojekts. (Peter Spear)

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