Objektive und subjektive Sicherheit im Fokus
Was Kommunale Kriminalprävention bedeutet
Mit der Einrichtung einer Stelle zur Kommunalen Kriminalprävention hat die Stadt Ludwigsburg vor knapp zwei Jahren deutlich gemacht, dass ihr das Thema Sicherheit ein wichtiges Anliegen ist. Präventive Maßnahmen werden eingesetzt, um die objektive Sicherheitslage zu optimieren und die Kriminalitätsfurcht der Bürger*innen an bestimmten Orten oder zu bestimmten Uhrzeiten zu minimieren. Der Bahnhof sowie die Plätze und die Straßen in der Innenstadt erfahren dabei eine besondere Aufmerksamkeit innerhalb der Stadtverwaltung und bei der Polizei.
„Das subjektive Unsicherheitsgefühl führt häufig dazu, Orte als unsicher zu empfinden, obwohl die objektiven Zahlen der Straftaten eine andere Sprache sprechen“, erklärt Meike Pirkner, verantwortlich für die Kommunale Kriminalprävention. „Ein Ziel meiner Arbeit ist es, diese Diskrepanz zwischen objektiver Sicherheit und dem individuellen Sicherheitsgefühl der Menschen zu reduzieren.“ In enger Abstimmung mit Polizei und Kommunalem Ordnungsdienst hat sie sämtliche öffentlichen Bereiche im Blick. Auch bei der Stadtplanung werden kriminalpräventive Aspekte berücksichtigt.
Der Ludwigsburger Bahnhof mit vielen Tausend Fahrgästen am Tag ist das Eingangstor zur Stadt. Das Sicherheitsempfinden gerade am Bahnhof ist geprägt von dem Eindruck, den dieser auf Reisende macht. Bei einer Mehrjahresbetrachtung ist festzustellen, dass die Anzahl der registrierten Straftaten im Bahnhofsbereich auch im vergangenen Jahr dem Niveau der Vorjahre entsprach und sich insofern entgegen dem Ruf des Bahnhofs in der Bevölkerung zumindest nicht verschlechtert hat.
Die Stadtverwaltung hat für die Belange des Bahnhofs einen Bahnhofsbeauftragten benannt, der die strategisch lenkende und verantwortliche Funktion innehat, die Anliegen zum Thema Bahnhof zu bearbeiten. Mit allen beteiligten Stakeholdern des Bahnhofs gibt es dafür einen regelmäßigen Austausch zu den Themen Sicherheit, Sauberkeit und Verkehr. Zudem hat Stadt im vergangenen Jahr eine Vor-Ort-Begehung organisiert, die auch auf den Solitudeplatz ausgeweitet wurde. Zu den Teilnehmenden zählten unter anderem die Polizei, der Fachbereich Sicherheit und Ordnung sowie die Gebäudeverwaltung. Die Beteiligten haben festgestellt, dass die Beleuchtungsintensität im Bereich Busbahnhof, Franck-Steg und Solitudeplatz nicht ausreichend wirkte – obwohl die gesetzlich vorgeschriebenen Lumenzahlen erfüllt waren. Dementsprechend erhielten die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) den Auftrag, hier nachzubessern.
Die Lichtmittel wurden zwischenzeitlich ausgetauscht und einige Lampenköpfe gereinigt. Eine weitere Aufwertung des Erscheinungsbilds am Bahnhof brachte die vom Verein Sicheres Ludwigsburg finanzierte Verschönerung durch eine Graffitiarbeit des Treppenaufgangs zu den Gleisen. Die Wände zieren nun Bilder zum Thema Zivilcourage. Im Franck- und Keplerareal stehen stadtplanerische Entwicklungen an. Im Herbst 2025 wird es neben dem Hi-Francky eine weitere Belebung des Bereichs durch die Eröffnung einer Diskothek geben.
Die Myliusstraße als Verbindung zur Innenstadt ist ebenfalls für das Sicherheitsbild der Stadt von Bedeutung. Die durch viele Geschäfte und medizinischen Einrichtungen geprägte Straße ist sehr stark frequentiert, weshalb eine dauerhaft engmaschige Bestreifung durch den Kommunalen Ordnungsdienst und die Polizei erfolgt, um vor allem gegen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten vorzugehen. Auch in die dort vermehrt auftretende Bettlerszene wird konsequent eingegriffen. Im Zuge des ZOB-Umbaus sind ebenfalls Veränderungen in der Myliusstraße geplant. Diese sollen zu einer Beruhigung des Straßen- und Fußgängerverkehrs und zu einer Aufwertung des Bereichs beitragen.
Der in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof gelegene Solitudeplatz ist geprägt durch die Ärztehäuser, die sich um den Platz befinden. Auch hier finden regelmäßige Streifengänge durch den Kommunalen Ordnungsdienst und die Polizei statt. Das Straftatenaufkommen bewegt sich in diesem Bereich auf keinem gravierenden Niveau. Trotzdem wird der Platz offenbar als nicht sehr attraktiv empfunden: Er wird von der Mehrheit der Menschen zum Passieren vom Bahnhof Richtung Innenstadt und auch als Zugang zur Parkgarage Solitude genutzt, ein längeres Verweilen auf dem Platz findet weniger statt. Nur vereinzelt finden die Sitzgelegenheiten als Mittagspausenort der Anrainer Gebrauch.
Die Stadtverwaltung setzt mit einigen Maßnahmen darauf, das Erscheinungsbild des Platzes weiter zu verbessern. So werden die Fahrradboxen sukzessive entfernt und der Grünstreifen aufgewertet. Die Rasenfläche des Platzes stellt die Stadt zudem für die Planungsgruppe „Dialog der Religionen“ zur Verfügung: Hier soll ein Garten der Religionen für Begegnungen von Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sowie gemeinsame Veranstaltungen geschaffen werden.
„Wir können in Ludwigsburg einige gute Entwicklungen in punkto Sicherheit verzeichnen“, meint der zuständige Bürgermeister Sebastian Mannl. „Darauf ruhen wir uns aber nicht aus, sondern arbeiten kontinuierlich daran, der Tendenz zu Gewaltdelikten entgegenzuwirken, insbesondere auch im Bereich der Jugendkriminalität. Eine sichere Stadt fördert das Wohlbefinden der Einwohnenden und ist ein wesentlicher Beitrag zur Lebensqualität in Ludwigsburg.“